Kreis Südliche Weinstraße Bevor sich’s ausgesummt hat

Wie kann dem Bienensterben Ein-halt geboten werden? Diese Frage soll in den nächsten sechs Jahren über das bundesweite Projekt „Bien-A-Best“ der Uni Ulm beantwortet werden, an dem sich auch der Naturschutzverband Südpfalz (NVS) beteiligt. Am Dienstag gab’s dazu eine Infoveranstaltung in Impflingen.
Dabei machte der NVS auf die Wichtigkeit der biologischen Vielfalt von Wildbienen aufmerksam. Wildbienen leisteten einen bedeutenden Beitrag zur Bestäubung. Dieser liege höher als bei Honigbienen. Um ihren fortschreitenden Rückgang zu verhindern, müsse gehandelt werden. Mehr als 100 Naturinteressierte waren bereits am Nachmittag zu einer Exkursion zur Wildbienenweide und zum Wildbienenhügel im Blankenbruch bei Billigheim-Ingenheim gekommen. Hier habe die NVS-Ortsgruppe in diesem Jahr einen neuen Lebensraum für Wildbienen geschaffen, berichteten Ronald Burger und Matthias Kitt. Die Naturschützer überprüfen die Entwicklung der Wildbienen-Population und erhoffen sich tiefere Einblicke in die Wechselbeziehungen zwischen Nistplatzangeboten, Nahrungsquellen und Schadeinflüssen. 180 Besucher waren anschließend zur Abendveranstaltung, bei der Hans Schwenninger von der Uni Ulm, Initiator des „Bien-A-Best“-Projektes über den Wildbienen-Rückgang berichtete. Carsten Brühl von der Uni Landau löste mit dem Thema „Pestizide und ihre Auswirkungen auf Bienen und andere Bestäuber“ eine lebhafte Diskussion vor allem mit Vertretern der Landwirtschaft aus. Die Landwirtschaft mache den Insekten das Überleben schwer, sagte er. Es werde noch immer zu viel gemäht, gedüngt und gespritzt, ganze Lebensräume würden verschwinden. Die Zuhörer zeigten sich erschrocken über das aufgezeigte Ausmaß der Verluste. Besonders alarmierend seien die Rückgänge bei Wildbienen. Mehr als die Hälfte der 561 Wildbienenarten, die eine wichtige Funktion im Ökosystem haben, stehen in Deutschland bereits auf der Roten Liste. Die Wildbienen seien noch stärker bedroht als Honigbienen, hieß es. Rund 60 Prozent der Wildbienenarten seien Bodenbrüter, die meisten seien Einzelgänger, nur ganz wenige wie Hummeln und Furchenbienen zählten zu den sozialen Arten. Schwenninger sagte, dass seit Jahren vor einem „dramatischen Artenverlust“ gewarnt werde. Noch immer sei sehr wenig über die Wildbienenbestände in Deutschland und ihren Rückgang bekannt. Manche Arten erhielten kaum Schutz. Über das Projekt „Bien-A-Best“ soll nun versucht werden, dem Bienensterben Einhalt zu gebieten. Bundesweit gibt es 20 Projektgebiete, zwei liegen in Rheinland-Pfalz, eines davon auf Flächen des NVS im Blankenbruch bei Billigheim-Ingenheim. „Wir brauchen dringend Projekte wie dieses, die den Wildbienen neuen Lebensraum geben“, sagte Kurt Garrecht, erster Vorsitztender des NVS. Mit großer Sorge sei zu beobachten, dass die Kulturlandschaft immer blütenärmer werde und dadurch den heimischen Insekten ihre Nahrungsgrundlagen entzogen würden. Deswegen sollten Blühflächen und Nistgelegenheiten geschaffen werden. Moderator Kurt von Nida aus Kleinfischlingen resümierte: „Wenn wir er-reichen wollen, dass unser Planet weiter mit den Wildbienenarten ausgestattet ist, müssen wir den Menschen die Natur näherbringen – gerade in Zeiten, in denen sich immer mehr in eine virtuelle Welt zurückziehen und damit den Schutz der Natur vernachlässigen.“