Bad Bergzabern
Baugenossenschaft: Seit 75 Jahren im Einsatz für günstigen Wohnraum
Zwischen dem Jahr 1950 und heute hat sich viel verändert. Fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Deutschland ein geteiltes Land. Viele Städte und Ortschaften waren noch von den Zerstörungen der Jahrhundertkatastrophe gezeichnet, der Wiederaufbau war in vollem Gange. Ein Thema beschäftigte die Menschen allerdings damals genauso wie heute: der Wohnungsmangel. Um dem entgegenzuwirken, wurden zahlreiche Wohnungsbaugenossenschaften gegründet. Eine davon in Bad Bergzabern. Die Gemeinnützige Baugenossenschaft, so der offizielle Name, feiert 75. Geburtstag.
Grundsätzlich ist eine Wohnungsbaugenossenschaft ein Zusammenschluss von Menschen, die gemeinsam günstigen und sicheren Wohnraum schaffen und nutzen wollen. Wer eine Wohnung mieten möchte, muss Mitglied der Genossenschaft werden und in diesem Zug mindestens einen Anteilsschein kaufen. Die Baugenossenschaft in Bad Bergzabern hat heute 158 Mitglieder, wie Bernd Wichmann erzählt. Neben den 89 Mietern sind das Bürger und Institutionen aus der Kurstadt, die die Sache unterstützen möchten. Wichmann ist seit 2008 der Vorsitzende des dreiköpfigen Vorstands, zu dem noch seit 2023 Birgit Fabian und seit diesem Jahr Manfred Faber gehören.
Genossenschaft hat 89 Wohnungen in zehn Häusern
Schon kurz nach der Gründung legte die Genossenschaft in der Kurstadt mit dem Bauen los. 1951 entstanden in der Goethestraße drei Gebäude mit insgesamt 30 Wohnungen. In den Folgejahren blieb die Genossenschaft aktiv. Bis 1963 kamen Häuser in der Siemensstraße dazu, 1969 ein weiteres in der Goethestraße, 1984 und 1994 entstand Wohnraum in der Schillerstraße. Im Vorjahr kaufte die Genossenschaft schließlich ein Gebäude in der Wallonenstraße.
Wichmann und sein Team, vor allem die beiden halbtags angestellten Fabian und Sabine Pfalzgraf, verwalten 89 Wohnungen in zehn Häusern. „Wir haben Ein-, Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen mit Wohnflächen von 29 bis 86 Quadratmeter“, erklärt Wichmann. „Das sind alles keine Luxuswohnungen, wir bieten ordentlichen Wohnraum an.“ Und das zu vergleichsweise günstigen Preisen. „Die müssen wir etwas anheben und liegen dann bei 6,50 bis 7 Euro pro Quadratmeter“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Mietpreis in der Kurstadt liegt bei 9,50 bis 10 Euro pro Quadratmeter.
In 20 Jahren 3,8 Millionen Euro in die Häuser investiert
Bei der Zusammenstellung der Hausgemeinschaften legt die Genossenschaft laut Wichmann Wert darauf, dass die Mischung stimmt. In einem Haus wohnen ganz unterschiedliche Menschen; Familien mit Kindern, Leute, die täglich arbeiten gehen, Personen, die Sozialhilfe beziehen. „Nur so passt es dann auch“, sagt Wichmann. Wobei er nicht verschweigt, dass es immer mal wieder zu Streitigkeiten zwischen den Parteien kommt. In den allermeisten Fällen sei das nichts Dramatisches. „So ist das aber in jedem Mietshaus.“
Neben dem erwähnten Kauf des Hauses in der Wallonenstraße standen die vergangenen Jahre im Zeichen der Sanierung. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, unsere Wohnungen zu renovieren“, erklärt Wichmann. Neue Böden, neue Türen, neue Heizungen – in den Jahrzehnte alten Gebäuden gab es viel zu tun. „In den letzten 20 Jahren haben wir 3,8 Millionen Euro investiert.“ Das letzte Haus sei 2023 renoviert worden. Der Jahresumsatz der Genossenschaft lag zuletzt bei rund 485.000 Euro.
100 Bewerbungen für Wohnungen liegen vor
„Stetig wachsen, ohne die bestehenden Wohnungen zu vernachlässigen“, sagt Wichmann mit Blick auf die Zukunft. „Wir sind am Überlegen, ob wir noch mal bauen.“ Eine Nachfrage für weitere Wohnungen ist jedenfalls da. „Wir haben einen Ordner mit etwa 100 Bewerbungen drin.“ Unabhängig davon, ob tatsächlich ein Neubau angegangen wird oder ob ein Haus zugekauft wird, ist für Wichmann klar, dass die Genossenschaft nur in Bad Bergzabern tätig sein wird. Alles andere sei nicht sinnvoll, unter anderem wegen der Fahrtwege.
Denn bei ihnen gehe es familiär zu, betont der Genossenschaftschef. Viel läuft über persönlichen Kontakt. Etwa, wenn jemand die Miete mal nicht pünktlich bezahlt. „Dann geht Frau Fabian hin und klingelt, um darüber zu sprechen.“ Bei den Mietern scheint dieses Konzept gut anzukommen, denn viele wohnen schon seit Jahrzehnten bei der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bad Bergzabern, vor allem in den Häusern in der Goethestraße. Ein Mieter lebt schon seit 1960, also seit 65 Jahren, ununterbrochen in denselben vier Wänden.
Wer so lange in einer Wohnung bleibt, kann nicht allzu unzufrieden mit dem Vermieter sein. Vielleicht empfiehlt der Langzeitbewohner die Baugenossenschaft dem einen oder anderen, der auf der Suche nach einer Bleibe ist. „Wir machen keine Werbung“, sagt Wichmann. „Das läuft alles über Mundpropaganda.“ In der Öffentlichkeit tritt die Genossenschaft also kaum in Erscheinung. Für einen Tag wird das anders sein. Am 15. August wird der 75. Geburtstag nämlich mit einem Straßenfest in der Schillerstraße gefeiert.