Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Bad Bergzabern: Theaterstück vermittelt Kindern ein realistisches Bild vom Wolf

Rahel Wölfle schlüpfte in die Rolle von Fräulein Brehm, die den Schülern den Wolf näherbrachte und unter anderem ein Schädelrepl
Rahel Wölfle schlüpfte in die Rolle von Fräulein Brehm, die den Schülern den Wolf näherbrachte und unter anderem ein Schädelreplikat im Gepäck hatte.

Schon mal einen in pfälzischem Dialekt heulenden Wolf gehört? Wo genau und wie leben die vierbeinigen Geschöpfe in Deutschland? Und ist der Wolf wirklich für uns Menschen gefährlich? Diese und weitere spannende Fragen bekommen Fünft- und Sechstklässler des Alfred-Grosser-Schulzentrums in Bad Bergzabern in einem unterhaltsamen Theaterstück beantwortet.

Rund 60 Minuten mit anschließender Fragerunde geht das Ein-Personen-Theaterstück, das dem Publikum wissenschaftlich fundiert und anhand von Exponaten wie Tiermodellen, Hörbeispielen und Bildern Wissenswertes über den Wolf vermittelt. In der Hauptrolle: Fräulein Brehm, eine imaginäre Nachfahrin des Zoologen und Schriftstellers Alfred Brehm, der sich im 19. Jahrhundert nach Forschungsreisen in Nordafrika und Spanien mit seiner mehrbändigen Enzyklopädie „Brehms Tierleben“ einen Namen machte.

Das Stück „Canis lupus – Der Wolf“ feierte 2009 Premiere und ist Teil des mehrteiligen Theaterprojektes „Fräulein Brehms Tierleben“. So gibt es Stücke zu anderen von Brehm erforschten Tierarten, etwa zum Luchs, Bären und Regenwurm. Alle Stücke stammen aus der Feder von Schauspielerin Barbara Geiger, die nach intensiven Recherchen und Kontakten zu Biologen Erstaunliches über die Tiere zusammengetragen hat. Dabei schlüpft sie nicht immer selbst in die Rolle von Fräulein Brehm, sondern hat dafür ein Ensemble von zwölf Schauspielerinnen. Das Stück wird schließlich bundesweit aufgeführt, zudem hat es im Natur-Park Schöneberger Südgelände in Berlin ein festes Zuhause. In Bad Bergzabern war die 38-jährige Freiburgerin Rahel Wölfle auf der Bühne zu bewundern.

Peter Jung hat das Theater in die Schule geholt

Dass das Theater in Bad Bergzabern Halt machte, hat Realschullehrer Peter Jung in die Wege geleitet. Er ist Mitglied in der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe (GzSdW). „Ich habe über den Naturschutzbund zu dem Verein gefunden. Ich finde es toll, was sie machen, weshalb ich mich seit anderthalb Jahren darin engagiere.“ Als er in den vereinseigenen „Rudelnachrichten“ auf Fräulein Brehms Theater stieß, holte er es mithilfe der GzSdW in die Kurstadt. Die Gesellschaft übernahm den Großteil der Kosten für das Theaterstück, der Restbetrag wurde durch ein geringes Eintrittsgeld finanziert.

Solch ein Theaterstück ist laut Jung ideal, um ein realistisches Bild vom Wolf in den Köpfen der Kinder zu bekommen. Gerade jetzt, nachdem die Wölfe nach Deutschland zurückgekehrt sind und sich weiter ausbreiten. „Viele Menschen haben sich schon mit dem Wolf beschäftigt, es gibt aber noch einige Falschinformationen“, weiß Wölfle. Da er schon in Märchen und Filmen als gefährliches und blutrünstiges Geschöpf dargestellt wird, ist der Wolf ein mit Vorurteilen und Ängsten belastetes Tier. Dabei gebe es in der realen Welt Schäfer, die den Vierbeiner dafür einsetzen, um ihre Schafe zu schützen. Wie das funktioniert, erklärt Fräulein Brehm in dem Stück.

Annika, zehn Jahre, findet es toll, was Fräulein Brehm alles erzählt. „Einiges erinnert mich an unseren Hund, den wir in der Familie haben.“ Mitschülerin Melanie, ebenfalls zehn Jahre, findet es lustig, wie Wölfle alias Fräulein Brehm wissenschaftliche Fakten auf humorvolle Weise präsentiert. Wenn sie über den Landschaftsleitlinienlangstreckenlauf berichtet oder wölfische Reh-Rezepte vorstellt.

Beim Schulfest ist wieder ein Theaterstück geplant

Das Theaterstück ist für Kinder ab acht Jahren geeignet. Dass in Bad Bergzabern die Schüler der Gemeinsamen Orientierungsstufe in den Genuss kamen, das Stück zu bewundern, hat einen Grund. Wie Peter Jung erklärt, werde das Tier in der fünften und sechsten Klasse im Biologieunterricht behandelt. „Das passt zum Bildungslehrplan“, erklärt Jung.

Mit Rahel Wölfle könnte es schon bald ein Wiedersehen geben. Beim Schulfest am Samstag, 15. Juni, könnte sie wieder als Fräulein Brehm auf der Bühne zu erleben sein. Allerdings soll es dann nicht um Wölfe gehen. Zum Canis lupus, so der wissenschaftliche Name des Tieres, plant Jung einen Info-Stand mit Lehrmaterialien, Schädelreplikaten, Trittsiegel und weiteren Utensilien. „Dieses Mal könnten wir uns dem Thema Wildbienen zuwenden“, sagt Jung. Insbesondere für die Grundschüler könnte es von Interesse sein, da sie eine Bienen-AG haben.

x