Kreis Südliche Weinstraße Bad Bergzabern: Stand der Stadterneuerungen
„Hässlich, schrecklich, zu groß, zu dicht bebaut, zu hoch, zu wenig Grünfläche“, sind nur einige Bemerkungen, die in der Kurstadt zu den beiden Großbaustellen beim Schloss zu hören sind. Die RHEINPFALZ hat mit Stadtplaner Hans Dennhardt darüber und über den aktuellen Stand der Stadterneuerung gesprochen.
„Die massive Bebauung ist erschreckend“, sagt auch Stadtplaner Hans Dennhardt zu den zehn Gebäuden, die auf dem ehemaligen Gelände der Gärtnerei entstehen. „Wohnpark alte Gärtnerei“ heißt das Großprojekt, in das die Arnold Projektentwicklung GmbH in Landau 18 Millionen Euro investieren will, wie sie im Mai 2016 gegenüber der RHEINPFALZ angekündigt hat. Zehn Stadtvillen mit 63 Wohnungen entstehen da, wo einst die Gewächshäuser und das Blumengeschäft der Gärtnerei Pfeiffer standen. Mit „viel Licht, Luft und Sonne“ sollen sie sich harmonisch in den städtischen Kontext einfügen. Und „offen, grün und lebendig“ soll das Gelände nach Fertigstellung sein, hatten die Bauherren damals versprochen, das vorgestellte Modell der Bebauung ließ daran keinen Zweifel aufkommen. „Ich weiß nicht, inwieweit das Modell realisiert oder einfach gefällig dargestellt wurde“, sagt der Stadtplaner.
„nicht angemessen“
„Der Bebauungsplan wurde eingehalten“, informiert Ronnie Forstner von der Bauabteilung der Verbandsgemeindeverwaltung. 40 Prozent des rund 6.000 Quadratmeter großen Geländes würden bebaut, weitere 20 Prozent seien Parkplätze oder Zufahrten. Bleiben 40 Prozent, das sind 2.400 Quadratmeter Freifläche, die unter anderem für einen Spielplatz genutzt werden sollen. Dennhardt findet die Bebauung im Gesamtbild der Stadt „nicht angemessen“. Gleich nebenan entstehen weitere 34 Wohnungen in drei Gebäuden mit vier Stockwerken auf dem 4000 Quadratmeter großen Gelände, ehemals Wilhelmy/Vogel, das Investor Herbert Angsten vor rund zwei Jahren gekauft hat. Er hat bereits vor zwölf Jahren mit Bauprojekten in der Kurstadt begonnen und mittlerweile weit über 52 Millionen Euro investiert, weitere zwölf Millionen soll das Bauprojekt am Schloss kosten. „Wohnen am Schloss, im Herzen der Stadt“ ist der Werbeslogan für die nach Angaben des Bauherrn hochwertigen Wohnungen. Dazu kommt eine Ladenfläche von 700 Quadratmetern. Wer hier einzieht, ist noch nicht bekannt. Positiv findet Stadtplaner Dennhardt, dass der ursprüngliche Plan, 60 Wohnungen in fünf Stockwerken zu bauen, nicht weiterverfolgt wurde, aber wirklich begeistert ist er auch hier nicht. „Wenn die beiden Großbaukörper fertiggestellt sind, kann es eine Korrespondenz zum Schloss geben“, hofft er. Wobei er betont: „Man muss abwarten, bis alles fertig ist.“
Großes Sanierungsgebiet
Seit 2010 ist Dennhardt als Stadtplaner tätig, seit einigen Jahren im Team mit Jutta Henß, die hauptsächlich für die Zuschüsse aus dem Städtebauförderungsprogramm zuständig ist. Das Sanierungsgebiet umfasst im Wesentlichen die historische Altstadt mit 320 Gebäuden, die beiden Großbaustellen gehören nicht dazu. „Im Verhältnis zur Bevölkerungsdichte ist es das größte Sanierungsgebiet des Landes“, sagt Dennhardt. Für 68 Sanierungsprojekte wurde bisher ein Förderantrag gestellt, die Hälfte der Projekte sei abgeschlossen, informiert Jutta Henß. Die Höhe der Förderungen sei sehr unterschiedlich, je nach Maßnahme von 1000 Euro bis 40.000 Euro. „Insgesamt wurden bisher Zuschüsse in Höhe von 2,5 Millionen Euro gewährt, das entspricht einer Gesamtinvestition von zwölf Millionen Euro“, so Henß. Grundsätzlich beträgt die Förderung zwischen zehn und 20 Prozent der förderfähigen Kosten, dazu kommen steuerliche Abschreibungen. „Es ist ein Glücksfall, dass wir im Sanierungsgebiet Bauherren mit einem sensiblen Gespür für die historische Bausubstanz haben“, ist sich das Team Dennhardt und Henß einig. Anträge auf Förderungen können weiterhin gestellt werden, das Städteförderungsprogramm „Historische Stadt“ ist für einen Zeitraum von 15 Jahren angelegt. Beratungstermine sind in der Regel mittwochs von 15 bis 18 Uhr im Büro in der Königstraße 43 möglich.