Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Bad Bergzabern: Namensgeber Alfred Grosser besucht Schulfest in „seinem“ Schulzentrum

Alfred Grosser beim Abschluss des Erasmusprojekts am Freitagabend in der Aula des Schulzentrums.  Foto: Alve
Alfred Grosser beim Abschluss des Erasmusprojekts am Freitagabend in der Aula des Schulzentrums.

Sein Körper schwächelt, sein Geist ist topfit. Der Namensgeber des Schulzentrums in Bad Bergzabern ist wohl das letzte Mal in „seiner“ Einrichtung: Alfred Grosser ist im Februar 94 Jahre alt geworden. Am Samstag feierte das Alfred-Grosser-Schulzentrum (Gymnasium und Realschule) zum ersten Mal mit der Böhämmer-Grundschule gemeinsam ein Schulfest.

Und immer wieder blitzt sein gewinnendes, lausbübisches Lächeln auf, für das er genauso bekannt ist wie für seinen messerscharfen Verstand, mit dem er über Jahrzehnte gesellschaftliche Entwicklungen als Lehrstuhlinhaber an der Pariser Universität Sorbonne und in vielen Büchern und Schriften analysiert hat. Nein, den Schalk im Nacken hat Grosser trotz seines hohen Alters nicht verloren. So macht er mit seinem verschmitzten Lächeln eine klare Ansage zu Beginn des Pressegesprächs: Hanna Pleschke und Sascha Zehfuß von der erst vergangene Woche wiederbelebten Schülerzeitung „Potenzial“ (auch neuer Name) dürfen zuerst ihre Fragen stellen. Die RHEINPFALZ muss warten. Gerne. Die Nachwuchsredakteure sind ambitioniert.

„War schon immer Atheist“

Thema Integration. Grosser offenbart seine Sicht auf die Welt und Völkerverständigung: Für ihn gibt es drei Kategorien: Assimilation, Integration und das Fremdbleiben. Das erste sei unabdingbar, um Franzose zu werden. Integration bedeute halt nur irgendwie dabei zu sein. Fremdbleiben spreche für sich. „Assimilation ist mir geschehen. Ich bin Franzose, der Deutscher gewesen ist, aber nie Deutscher war.“ Für Grosser ist diese Aussage kein Widerspruch.

Erst recht kein Widerspruch ist es für Grosser, der als Kind mit seinen jüdischen Eltern aus Nazi-Deutschland von Frankfurt nach Frankreich geflohen ist, Atheist zu sein und seit 60 Jahren mit einer gläubigen Katholikin verheiratet zu sein. Er war schon immer Atheist, sagt er. Auch als Kind. Gleichwohl habe er eine innere Nähe zum Christentum und dessen Werten.

„Die Deutschen, die Franzosen gibt es nicht“

Die Lebenseinstellung, nicht Teil von etwas zu, aber eng dran zu sein, habe ihm immer geholfen, „Menschen näher zu kommen, ohne ähnlich zu sein und doch nicht ähnlich zu sein“. Wieder ein Widerspruch, der für Grosser keiner ist. Es geht ihm um den Menschen, um nicht mehr und nicht weniger. Deshalb sollte man sich davor hüten, von „den Deutschen oder den Franzosen zu sprechen. Das Wort ,die’ sollte man nicht benutzen“. Der eine Deutsche sei so, der andere so, genau wie bei den Franzosen. Unterschiede gebe es dennoch: beispielsweise beim Empfinden der eigenen Nation. So sei der Begriff „la Republique“ in Frankreich ein mit moralischen Werten besetzter Begriff, ein Lebensgefühl. In Deutschland sei das nicht so.

Den Nachwuchsredakteuren der Schülerzeitung „Potenzial“ gibt er noch eines mit auf den Weg in Sachen gesellschaftlicher Entwicklung: Man sollte immer versuchen, „sich in die Überzeugung anderer einzudenken, aber dabei immer eigene Überzeugungen haben“.

Abschluss des Erasmusprojekts schönster Moment

Knapp war das Zeitbudget von Grosser, der sich nach dem Pressegespräch unter die Schüler mischte, nachdem er am Samstag mit der Schulleitung, Landrat Dietmar Seefeldt und dessen Vorgängerin Theresia Riedmaier eine Ulme auf dem Hof der Realschule plus pflanzte. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende im Mainzer Landtag, Alexander Schweitzer, war unter den Besuchern.

Ob dieser kurzen Spanne habe er bei diesem Besuch den schönsten und berührensten Moment seiner Patenschaft erlebt: Am Freitagabend bei der Abschlusspräsentation des zweijährigen Erasmusprojekts. Dabei haben Schüler aus Frankreich, Polen, Litauen und Deutschland in vielen Projekten gearbeitet und sich gegenseitig besucht und so zur Völkerverständigung beigetragen. „Eine Veranstaltung, die uns alle berührt hat“, sagt Schulleiter Pete Allmann.

x