Kreis Südliche Weinstraße
Bad Bergzabern: Michael Nauth hört als VHS-Leiter auf

Die Teilnehmerzahl, das Kursangebot und der Umsatz haben sich verdreifacht. Die Ausstattung ist auf modernem Stand. „Es ist einem Ehrenamtlichen nicht mehr zuzumuten“, sagt Michael Nauth, der vier Jahre lang die Volkshochschule in der Kurstadt geleitet hat. Ehrenamtlich. Aber deswegen geht er nicht.
Am 1. Mai ist nach vier Jahren Schluss für Michael Nauth, der in den vergangenen Jahren die Volkshochschule (VHS) mit Sitz im Alten Rathaus nicht nur geleitet, sondern auf den Kopf gestellt hat. Sachlich, verbindlich, kompetent, aber hart in der Sache. „Wir sind die im Kreis am besten aufgestellte VHS. Diese Herausforderung zu meistern hat mir am meisten Spaß gemacht“, sagt er selbstbewusst.
Die Einrichtung ist als freiwillige Leistung der Stadt in deren Trägerschaft, die ehrenamtliche Leitung wird mit rund 320 Euro pro Monat vergütet. „Ich bin für die raue See“, sagt Nauth zu seiner Motivation, damals die Leitung zu übernehmen. Seit 1970 wohnt er mit seiner Familie im Ortsteil Blankenborn, seit zehn Jahren ist er dort Ortsvorsteher. Auch damit ist jetzt Schluss.
Geboren wurde Michael Nauth 1961 in der Kurstadt, 18 Jahre lang war er Pilot bei der Bundeswehr, er hat Wirtschafts- und Organisationswissenschaften studiert und nach der aktiven Zeit bei der Bundeswehr noch Politikwissenschaften und Geografie. Einige Wochen lang jährlich vertritt er den Referatsleiter in der politischen Abteilung des Bundesministeriums. Er hat also genügend Rüstzeug mitgebracht, um die VHS wieder auf die Beine zu stellen.
Kurse in Stadt verteilt
Heute gebe es mit einem elektronischen Board, Tablets, Notebooks und einem Konferenzsystem eine Infrastruktur, die für die kommenden Jahre aufgestellt sei, so Nauth, der bei der digitalen Ausstattung bei Null anfangen musste. Zu koordinieren galt es auch die verschiedenen Räume, denn das Alte Rathaus reichte nicht aus. Kurse gibt es in der ganzen Stadt verteilt – unter anderem im Haus des Gastes oder in der Schlosshalle. Das Kursangebot hat sich in seiner Amtszeit auf rund 180 Kurse verdreifacht. Mit ungefähr 1300 Teilnehmern und 35 Lehrenden pro Jahr, ohne die Sprachkurse für Flüchtlinge.
„Sprachen und Gesundheit sind der Renner“, ist die Erfahrung von Nauth. Aber auch Natur und Umwelt, Politik und Gesellschaft oder digitale Grundbildung sind gefragt. Ein Exot im Angebot sind Sprachkurse für Bundespolizisten in französischer Sprache. In Trägerschaft des Bundesamtes für Migration (Bamf) wurden seit 2015 zehn Sprachkurse abgehalten, dazu kamen rund 300 Geflüchtete, die Grundkurse, auch in Kooperation mit dem Haus der Familie, besucht haben. „Wir sind als einzige VHS im Kreis in Trägerschaft des Bamf“, informiert Nauth.
Schwarze Null geschafft
Noch 2014 hat die Stadt die VHS, damals mit einem Umsatz von rund 70.000 Euro jährlich, mit 25.000 bis 30.000 Euro bezuschusst. Nauth hat es bereits im ersten Jahr auf eine schwarze Null geschafft. Die Stadt muss seither nichts mehr investieren. „Der Umsatz ist in den vergangenen Jahren von 70.000 Euro auf 220.000 Euro gestiegen“, ist seine Bilanz.
Das Amt sei künftig einem Ehrenamtlichen nicht mehr zuzumuten, ist seine klare Meinung. Sein Vorschlag: die VHS in eine rechtlich selbstständige Einrichtung zu verwandeln, um damit die Bezahlung einer vollen Stelle für die Leitung zu erwirtschaften. 90 Prozent dessen, was er habe erreichen wollen, habe er geschafft, ist sein Resümee. Seine letzte Amtshandlung ist eine erfreuliche: Aus dem Erlös der Vortragsreihe „Erhalt der Biodiversität“ hat er je 215 Euro der Stadtbücherei und dem Verein „Storch und Natur“ übergeben. Noch arbeitet er seine Nachfolgerin Nadine Burckgard-Bohrer ein.
Die nächste berufliche Herausforderung wartet. Welche es ist, will Nauth noch nicht verraten. Aber mehr Zeit für die Familie plant er auf jeden Fall ein.