Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Bad Bergzabern: Grundschüler werden zu Masseuren

Die Zweitklässler der Böhämmer-Grundschule in Bad Bergzabern mehr als 15 verschiedene Massagetechniken. Foto: Iversen
Die Zweitklässler der Böhämmer-Grundschule in Bad Bergzabern mehr als 15 verschiedene Massagetechniken.

Die Schüler der Klasse 2g der Böhämmer-Grundschule beherrschen über 15 Massagetechniken. Sie wenden diese regelmäßig bei ihren Mitschülern an. Entspannung ist ein positiver Nebeneffekt der Gruppenübung. Es wird aber ein anderes Ziel damit verfolgt.

Im ersten Obergeschoss der Böhämmer-Grundschule angekommen, ist aus dem Klassenraum rechts neben dem Treppenaufgang Entspannungsmusik zu hören. Sanfte Pianoklänge laden dazu ein, die Augen zu schließen und zur Ruhe zu kommen. Betritt man den Saal, sieht man, dass ein Teil der Klasse 2g tatsächlich relaxt, während die restlichen Jungen und Mädchen in Aktion sind. Sie massieren ihre Sitznachbarn. Mal stampfen ihre Hände wie Bären auf dem Rücken ihrer Mitschüler, mal lassen sie ihr Handgelenk über deren Schulter gleiten, wenig später kneten sie deren Hände. Sie wechseln die Massagetechnik, je nachdem, auf welches Bild ihre Klassenlehrerin Anne Dillenburger tippt. Nach fünf Minuten wird gewechselt.

Seit Ende vergangenen Jahres steht einmal in der Woche zehnminütiges Massieren auf dem Stundenplan der Zweitklässler. Jeweils nachmittags, wie die Klassenlehrerin erklärt. „Dann können die Schüler zur Ruhe kommen und Kraft für den restlichen Tag sammeln.“ Das ist der positive Nebeneffekt, den die Gruppenübung mit sich bringt. Der Grund, weshalb die Massageeinheit in den Unterricht integriert wurde, ist ein anderer.

Dillenburger berichtet: „Die Klassengemeinschaft war zu Beginn des Schuljahres noch nicht so stark, zudem gab es Konflikte, meist wegen Missverständnissen. Ein Schüler ist beispielsweise über seine Füße gestolpert und auf einen Mitschüler gefallen, der sich gleich angegriffen gefühlt hat.“ Das gegenseitige Massieren habe dazu beigetragen, dass ihre Schützlinge achtsamer und empathischer miteinander umgehen. „Sie haben gelernt, dass ihre Mitschüler unterschiedlich sind“, sagt Dillenburger. Die einen würden beispielsweise eine sanfte Massage bevorzugen, die anderen hätten nichts dagegen, wenn sie kräftiger durchgeknetet werden.

Malak, neun Jahre, hat Gefallen an der Massageeinheit gefunden. „Es ist schön zu entspannen. Ich massiere aber lieber, weil ich meinen Mitschülern was Gutes tun möchte.“ Norhen hat bereits im Fernsehen gesehen, wie sich Menschen massieren. „Es ist gar nicht so schwer“, weiß die Siebenjährige nun. Leon hat so viel Freude daran gefunden, dass er auch zu Hause den Masseur spielt. „Jetzt, wo ich weiß, wie gut Massage tun kann, wende ich es bei meinen Eltern an“, sagt der Achtjährige. Entspannung könnten sie nach einem langen Arbeitstag schließlich gebrauchen. „Ich habe es auch bei meiner Katze probiert, aber sie mag es offensichtlich nicht.“

Es war übrigens Schulsozialarbeiterin Sibylle Wirth, die Dillenburger auf den positiven Effekt der Massage aufmerksam machte. „Ich hatte davon gehört, dass Cathy Arnholt in der Kita „Kleinen Strolche“ in Billigheim Massage für Kinder anbietet“, berichtet Wirth. Sie habe Arnholt kontaktiert und eingeladen. An fünf Terminen brachte Arnholt den Jungen und Mädchen spielerisch Massagegriffe bei. Diese sind jeweils einem Piktogramm zugeordnet. Zeigt Dillenburger auf ein Pferd, dann gleiten die Hände den Rücken des Partners hoch und runter, als ob sie ihn bürsten würden. Zeigt sie auf die Katze, wird die eine Hand auf die Stirn des Mitschülers gelegt, während die Finger der anderen Hand Bewegungen von Katzenpfoten nachahmen. Der Vorteil: Die Entspannungsphase wird kaum unterbrochen.

Die kindgerechte Massage kommt ursprünglich aus Schweden und Kanada und wird weltweit in über 30 Länder praktiziert, weiß Arnholt, die in Merkwiller-Pechelbronn im Elsass lebt und seit einem Jahr Kitas und Schulen die positiven Erfahrungen von Massage näherbringt. „Die Erfahrung zeigt, dass innerhalb der Kita und der Schule diese Art der Beschäftigung positive Auswirkungen auf das gesamte Team haben kann. Sie fördert zudem die Konzentration, während sie die Gewaltbereitschaft reduziert und die Beziehung der Kinder untereinander verbessert“, erklärt Arnholt.

Tatsächlich habe die Massageeinheit die Klassengemeinschaft gestärkt, bestätigt Dillenburger. Zudem ließen sich die Einheiten idealerweise mit der Integrierten Fremdsprachenarbeit verbinden, die in der Grundschule gepflegt wird. Ihre Ansagen macht die Klassenlehrerin nämlich auf Französisch. Aufgrund der guten Erfahrungen sei der Massageworkshop im Unterricht integriert worden. Schulsozialarbeiterin Wirth plant, das Angebot in der Einrichtung auszuweiten. Sie selbst und Dillenburger sollen die Parallelklassen und andere Jahrgangsstufen anleiten.

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