Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Bad Bergzabern: Edith-Stein-Rundweg wird eingeweiht

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Sie wurde als Kind jüdischer Eltern geboren, mit 15 Jahren war sie Atheistin, 1998 wurde sie heilig gesprochen. Die Wende in ihrem Glauben erlebte Edith Stein in Bad Bergzabern. Nun gibt es einen Rundweg ihr zu Ehren.

„Sie war ein fröhlicher Mensch, lächelte aber selten“, sagt Brigitte Grimm über die Frau mit den großen dunklen Augen. Die Gästeführerin aus Blankenborn hat Orte, die für Edith Stein in der Kurstadt wichtig waren, erlebbar gemacht. Ein Flyer, der in einer ersten Auflage von 10.000 Stück gedruckt wurde, zeigt auf einer Strecke von 2,5 Kilometern durch die Innenstadt bis zur Edith-Stein-Klinik sieben Stationen, mit der die Philosophin eine Verbindung hatte. Angebracht werden sollen dort auch Tafeln mit QR-Code.

Während ihrer Ausbildung zur EU-Gästeführerin habe sie eine Arbeit über „Edith Stein und ihre Jahre in der Pfalz“ geschrieben und sich dann bereit erklärt, den Rundweg für Bad Bergzabern auszuarbeiten, sagt Grimm. „Pfarrer Höckelsberger von der katholischen Kirche St. Martin, in der Edith Stein 1922 getauft wurde, hat mit Zitaten aus ihren Schriften zum Gelingen beigetragen“, erzählt Grimm, die die Kirche als Kirchenmusikerin im Nebenamt sehr gut kennt. Eigentlich habe sie zu den sieben Stationen den Liebfrauenberg, auf dem sich Edith Stein oft aufgehalten habe, dazunehmen wollen, das hätte die Strecke aber erheblich verlängert.

Sie hat viel Literatur über und von Edith Stein gelesen. „Sie ist sehr schwer zu verstehen. Sie war hochintelligent und hochgeistig. Ich bin ihr durch die intensive Beschäftigung näher gekommen“, ist ihr Fazit. Auch dass Edith Stein eine moderne Heilige gewesen sei, die sich unter anderem für Frauenrechte eingesetzt hat. Die „Nacht ihrer Bekehrung“ zum katholischen Glauben erlebte Edith Stein in der Kurstadt. „Den Wunsch, Nonne zu werden, hat sie zunächst wegen ihrer Mutter, die streng jüdischen Glaubens war, zurückgesteckt“, weiß Grimm.

„Ich sehe immer die Busse, die an der St. Martinskirche halten. Die Besucher sehen sich das Taufbecken von Edith Stein an und fahren wieder weg. Aber Edith Stein in Bad Bergzabern ist viel mehr“, sagt Stadtbürgermeister Fred-Holger Ludwig. Deswegen habe er immer wieder einen Rundweg angeregt und sei stolz, dass es jetzt in Kooperation mit der Edith-Stein-Klinik, dem Tourismusbüro und der Kirche gelungen sei.

„Der Träger der Edith-Stein-Klinik, die Hildegard-Stiftung, will im Sinne ihrer katholischen Wurzeln künftig vermehrt über das Kerngeschäft hinaus Themen initiieren, die regional und nachhaltig sind“, erklärt der kaufmännische Direktor, Heiko Nebelt. Die Reha-Einrichtung hat zusammen mit den Stadtwerken eine Bronzebüste von Edith Stein, gestaltet von Bildhauer Franz Leschinger aus Lug, finanziert, die am Dienstag vor dem Haupteingang aufgestellt wird. Und zusammen mit der katholischen Kirche ein Symposium organisiert.

Zur Person: Edith Stein

Edith Stein wurde 1891 in Breslau als Kind jüdischer Eltern geboren. Das Abitur bestand sie als Jahrgangsbeste. Sie studierte in Breslau Deutsch, Geschichte und Philosophie, dann Philosophie in Göttingen und promovierte 1916 „summa cum laude“. Während des Studiums lernte sie das Bergzaberner Philosophen-Ehepaar Hans-Theodor Conrad und Hedwig Conrad-Martius kennen und kam 1921 erstmals zu ihnen in die Sommerfrische. Hier fasste sie den Entschluss, den katholischen Glauben anzunehmen und sich in der St. Martinskirche taufen zu lassen. Bis 1931 unterrichtete Edith Stein am Lyzeum der Dominikanerinnen in Speyer. 1933 erhielt sie wegen ihrer jüdischen Herkunft Lehrverbot und trat in den Karmel „Maria vom Frieden“ in Köln ein. 1942 wurde sie verhaftet und nach Auschwitz-Birkenau transportiert. Sie und ihre Schwester Rosa starben in den Gaskammern von Auschwitz, wahrscheinlich am 9. August 1942.

Termin

Das Programm anlässlich der Einweihung des Edith-Stein-Rundweges und der Büste an der Klinik am Dienstag: 14 Uhr Pontifikalamt in der St. Martinskirche mit Bischof Karl-Heinz Wiesemann, Pfarrer Bernd Höckelsberger und dem Chor der Edith-Stein-Klinik, 15 Uhr Einweihung der Büste vor der Edith-Stein-Klinik, anschließend das Symposium „Die Deutung und Gedanken der Edith Stein in unserer heutigen Zeit“ mit Holger Zaborowski, Professor an der philosophisch-theologischen Hochschule in Vallendar, und Annette Schavan, ehemalige Bildungsministerin und Botschafterin beim Heiligen Stuhl.

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