Kreis Südliche Weinstraße
Bad Bergzabern: Besuch beim Kurs „Gebärdensprache“ der Volkshochschule

Samstagnachmittag in der Volkshochschule in Bad Bergzabern. Klaus Scheu geht mit einem leeren Papierkorb von einer Person zur anderen. Jeder führt die Hand zum Mund und wirft symbolisch seine Stimme hinein. Denn ab jetzt wird nur noch stimmlos kommuniziert. Es ist der erste Tag des Kurses „Gebärdensprache“.
Klaus Scheu streicht dann mit der rechten Hand über die offene Handfläche seiner linken Hand. Das bedeutet „jetzt“. Man muss sich daran gewöhnen, dass acht Personen, die sich in einem Raum befinden, nicht sprechen. Und es ist anstrengend, sich auf Mimik und Gestik zu konzentrieren, um zu verstehen, was gerade passiert. Die Teilnehmer sind hochkonzentriert, sie haben am ersten Vormittag bereits das Fingeralphabet gelernt, zumindest können sie ihren Namen damit zeigen. Und wenn es richtig war, strecken alle die Arme hoch und wedeln mit den offenen Händen: super, gut gemacht.
Gebärdensprache hat eigene Dialekte
„Die Gebärdensprache ist eine vollwertige Sprache, mit eigenen Dialekten und einer Grammatik, jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache“, erzählt Scheu in der Pause. Er hat eine dreijährige Ausbildung an der Gebärdensprachschule in Heidelberg gemacht und unterrichtet unter anderem auch in Neustadt, seinem Wohnsitz. Beruflich ist er als freischaffender Künstler, Maler und Musiker tätig. Seine Begeisterung für die Gebärdensprache spürt man, die Teilnehmer kommen trotz der hohen Konzentration locker mit, es wird viel gelacht. Lautlos versteht sich.
Gehörloser Enkel Grund für Kursteilnahme
Die Motivation der Teilnehmer, diesen Kurs zu besuchen, ist unterschiedlich. Sie kommen unter anderem aus Wörth, Oberotterbach und Bad Bergzabern. Eine andere, vielleicht verbesserte oder erweiterte Kommunikation wünscht sich Elke, die zwei gehörlose Brüder hat. „Ich bin kein Rechtschreibspezialist und wollte eine neue Sprache lernen“, sagt Physiotherapeutin Susanne. Sybilles Interesse wurde durch Fernsehsendungen geweckt, bei denen Texte in Gebärdensprache übersetzt werden. Ein ebenfalls ganz persönlicher Antrieb für einen weiteren Teilnehmer ist sein gehörloser Enkel.
Mit den Gedanken abschweifen – das geht nicht
Inzwischen hat die lautlose Kommunikation mit der „stillen Post“ Fahrt aufgenommen. Scheu zeigt einem Teilnehmer immer ein Wort, dass die anderen nicht sehen, sie müssen es an den nächsten weitergeben – und so weiter. Der Letzte in der Reihe schreibt das Wort an eine Tafel. Alle Hände gehen hoch, begeistertes Wedeln, es stimmt. Lautlos und humorvoll zeigt Scheu der RHEINPFALZ, dass der eine oder andere schon rote Bäckchen vor lauter Konzentration hat. Klar ist: Mit den Gedanken abschweifen kann man beim Erlernen dieser Sprache nicht, man ist vollkommen auf das Hier und Jetzt fokussiert. Man spüre auch seine Umwelt und Mitmenschen besser, die visuelle Wahrnehmung verändere sich durch das Erlernen dieser Sprache radikal, sagt Scheu.
Rund 80.000 Gehörlose in Deutschland
In Deutschland leben ungefähr 80.000 Gehörlose, teilt deren Vertretung, der Deutsche Gehörlosen-Bund, auf seiner Internetseite mit. Für die folgenden drei Termine in der Volkshochschule Bad Bergzabern können noch Teilnehmer dazu kommen. Interessierte können sich Infos im Internet unter www.vhs-bergzabern.de oder unter Telefon 06343 6194011 einholen.