Kreis Südliche Weinstraße Bäume für Brasilien
Annika Hanke aus Ramberg hat fünf Wochen lang in Brasilien Bäume gepflanzt.
Die ausgewählten Gebiete sind mit Hecken, Büschen und mannshohem, scharfkantigem Gras zugewuchert. Bevor die Freiwilligen die Baumsetzlinge pflanzen können, müssen sie die Flächen erst von den unerwünschten Pflanzen befreien, welche die jungen Bäume beim Wachsen hindern würden. Dann können Annika Hanke und die übrigen Freiwilligen die Löcher für die Setzlinge graben. „Viel Regen hat den lehmhaltigen Boden aufgeweicht, das hat uns die Arbeit erleichtert“, berichtet die 25-Jährige aus Ramberg.
Immer schon Affiniät zum Wald
Fünf Wochen lang, vier bis sechs Stunden täglich hatte die junge Frau mit bis zu 18 weiteren Helfern im brasilianischen Regenwald gebuddelt und geschwitzt. Die Freiwilligen kamen sowohl aus Brasilien als auch aus Deutschland. Kommuniziert wurde auf Englisch. Hanke, die stellvertretende Bundesleiterin bei der Deutschen Waldjugend ist, hat schon immer eine Affinität zum Wald und stieß so auf das Projekt in Brasilien.
Seltenen Affen beim Überleben geholfen
Die Freiwilligen zwischen 18 und 55 Jahren konnten mit den frisch bepflanzten Flächen noch bestehende Waldgebiete an der Kakaoküste verbinden. Dadurch vergrößert sich der Lebensraum der Goldkopflöwenäffchen. Die seltene und vom Aussterben bedrohte Affenart kommt weltweit nur an der Küste Bahias, im Osten Brasiliens, vor. Die Vergrößerung des Waldgebietes ermöglicht die Zusammenführung von mehreren Affenfamilien.
Noch viele Jahre bis zum Urwald
„Schon jetzt ist zu sehen, dass etwas passiert ist“, beschreibt Hanke die landschaftlichen Veränderungen durch die frisch gepflanzten Setzlinge. Die Bäume, die im vergangenen Jahr gepflanzt wurden, sind inzwischen mannshoch. „Bis tatsächlich wieder ein Urwald entsteht, dauert es aber viele Jahre“, weiß Hanke. Seit Anfang September studiert sie „Environment, Society and Development“ an der Universität in Galway, Irland. Zwei Jahre wird sie dort verbringen und am Ende ihren Masterabschluss machen.
Durch Menschen zerstört
Der Mata Atlantica Tropenwald in Brasilien ist eines der artenreichsten Ökosysteme auf unserer Erde. Er zog sich einst auf vielen Millionen Hektar die Küste entlang. Die landwirtschaftliche Nutzung und der Bedarf an Rohstoffen und menschlichem Lebensraum zerstören den Wald. Heute sind nur noch zwischen sieben und zwölf Prozent intakt. Diese existieren oft als isolierte, kleine und weit voneinander entfernte Waldinseln.
Der Kakaoküste den Wald zurückgeben
Das möchte die brasilianisch-deutsche Organisation „Almada Mata Atlântica Project“ (AMAP) ändern. Gegründet wurde die Initiative 2015 nach einer langen Dürrephase an der Kakaoküste von Achim Gresser sowie Juliana und Markus Mauthe de Cerqueira Lima. Sie ist Brasilianerin und auf der Kakaofarm „Fazenda Almada“ aufgewachsen. Markus Mauthe de Cerqueira Lima ist ein deutscher Greenpeace-Naturfotograf und Umweltaktivist. Das Ehepaar lebt auf der „Fazenda Almada“, einer Kakaofarm nahe bei Ilhéus in Bahia. Das Ziel von AMAP ist es, der Kakaoküste wieder möglichst viel Wald zurückzugeben und so das Klima vor Ort zu stabilisieren. Im Aktionsgebiet von AMAP gibt es durch den naturnahen Kakaoanbau – der Kakaowald wird „Cabruca“ genannt – noch relativ viele Regenwaldüberreste. Dazwischen forstet AMAP nicht mehr genutzte Weide-Flächen auf.
"Schön, sich gemeinsam für etwas einzusetzen"
Inzwischen hat die Initiative auch einen Spender gefunden, mit dessen Unterstützung sie die benachbarte Farm „Bom Pastor“ kaufen kann. Auf dieser sollen die Freiwilligen künftig wohnen, arbeiten und forschen. Außerdem gibt es auch dort Kahlflächen, die darauf warten, mit den Gewächsen Aroeira, Ipê-branco-de-Brasilia und Pau-viola bepflanzt zu werden. „Es ist schön, sich gemeinsam für etwas einzusetzen“, sagt Hanke. Jeden Sommer, also dem brasilianischer Winter, freut sich AMAP über Freiwillige, die für ein paar Wochen nach Brasilien reisen, um dort Baumsetzlinge zu pflanzen. „Es reicht nicht, die Natur sich selbst zu überlassen“, sagt Hanke. Für 2018 plant sie mit der Deutschen Waldjugend eine Bundesgroßfahrt nach Brasilien.
Wer will eine Baumpatenschaft?
Direkt unterstützt werden kann AMAP mit einer Baumpatenschaft unter www.amap-brazil.org. Jeder Baumpate erhält eine auf seinen Namen ausgestellte Patenurkunde mit Identifikationsnummer des Baumsetzlings und den GPS-Koordinaten der Aufforstungsfläche. Außerdem regelmäßige Informationen über den Verlauf der Aufforstungen.