Kreis Südliche Weinstraße Altar vor Franzosen versteckt

In diesem Jahr feiert die katholische Pfarrgemeinde Göcklingen das 225-jährige Bestehen ihrer Pfarrkirche. Im Jahr 1791 wurde das heutige Gotteshaus auf Teilen von Grundmauern einer um 1492 erbauten Kirche errichtet.
Am 12. August 1742 weihte der damalige Speyerer Bischof das nach der Reformation erbaute katholische Gotteshaus. Doch schon 1781 wurde das Gebäude als baufällig bezeichnet und 1787 wegen totaler Baufälligkeit und Lebensgefahr geschlossen. Nachdem ein Kirchenneubau von der Geistlichen Administration in Heidelberg genehmigt war, entschlossen sich die Verantwortlichen, den im Jahr 1787 errichteten Turm zu erhalten und die Kirche nördlich anzubauen. Es sind allerdings weder Baupläne noch Verträge mit Handwerkern vorhanden, die Näheres über den Kirchenbau aussagen könnten. In den Wirren der französischen Revolution gingen die meisten Unterlagen und Dokumente verloren oder verbrannten. Als Nachweis sind lediglich zwei Rechnungen vorhanden, eine über das Richtfest von August 1790. Die französischen Revolutionäre wüteten auch in der Pfalz. Im Jahr 1794 wurde das Gotteshaus mindestens fünfmal heimgesucht. Die Kirche musste geräumt werden und diente den französischen Truppen als Lager, Stall und Scheune. Nur das Gemäuer und das Gewölbe blieben unversehrt. Der damalige Pfarrer musste 1792 fliehen und kehrte nie mehr zurück. Sein Nachfolger trat erst 1794 die verwaiste Stelle an. Die Göcklinger brachten noch vor der Schändung Altar und andere wertvolle Gegenstände in Sicherheit, versteckten sie teilweise im Wald, um sie später wieder an Ort und Stelle zu bringen. 1804 ging man daran, die Schäden an den Gebäuden zu beseitigen. Die Pfarrei musste alle Dienstleistungen, Materialien und Farben selbst bezahlen. Das Kirchendach wurde neu gedeckt, Fenster und Türen wurden eingesetzt und weitere Mängel beseitigt. 1902 wurde das Kirchendach erneut umgedeckt. 1905 wurden neue Kirchenfenster in Auftrag gegeben, „weil „die bisherigen schadhaft und eines Gotteshauses nicht mehr würdig waren“, wie es Pfarrgedenkbuch heißt. 1914 gab es mit der Installation von elektrischem Licht eine besondere Erneuerung. Nach den beiden Weltkriege (1914 bis 1918 und (1939 bis 1945) hatte die Kirchengemeinde erst 1954 die Möglichkeit, die Kriegsschäden zu beheben. In der Amtszeit von Pfarrrer Schirmer wurde 1973/74 mit einer Generalsanierung begonnen. Das Dach wurde repariert, doppelt verglaste Fenster kamen rein, Decke und Wände erhielten einen neuen Anstrich, die Sandsteinplatten wurden durch Marmorplatten ersetzt, eine neue Heizung eingebaut und die Holzteile freigelegt. Ein Altar wurde in der Mitte des Chorraums dem Volk zugewandt aufgestellt. Die Außenverputzarbeiten im Jahr 1993 und eine neue Dacheindeckung komplettierten die Renovierung. Rätselhaft blieb zunächst die Herkunft einer Grabplatte. Der Historiker Albert Schwarz kam zu dem Ergebnis, dass es sich um die Grabplatte für eine Yenife von Bernau handelt. Die Bernaus waren eine angesehene Familie im Straßburger Raum, die sich bis zur Pfalz ausbreitete. 1999 erhielt die Kirche eine neue elektronische Orgel. Unbezahlbar war die Restaurierung der historischen Orgel, die umgerechnet rund 375.000 Euro gekostet hätte. 2013 war wieder eine größere Instandsetzung erforderlich. Dank Hilfe des Bistums Speyer, der Gemeinde und der Pfarrgemeinde, was sowohl die Eingenleistungen als auch die Spendenfreudigkeit betrifft, konnten alle Arbeiten ohne Kredite realisiert werden. Der älteste Turm ist zwischen 1731 und 1787 nachweisbar. Wegen Baufälligkeit wurde er schließlich abgerissen und 1787 neu mit einem weiteren Stockwerk aufgebaut. Im Jahr 1869 schlug der Blitz in diesen Turm ein, der daraufhin wie eine Kerze von oben nach unten abbrannte. Der Turm wurde ganz abgetragen und der heutige Turm vom Fundament auf neu gebaut. 1990/91erhielt er eine neue Schiefereindeckung und 2011/12 einen neuen Glockenstuhl aus Eichenholz. |pkl