Kreis Südliche Weinstraße Abenteuer an der Tankstelle

Im Oktober 1968 trat Kurt Schnörringer dem Technischen Hilfswerk bei.
Im Oktober 1968 trat Kurt Schnörringer dem Technischen Hilfswerk bei.

«BAD BERGZABERN.» Ein Freund war es, der Kurt Schnörringer einst zu einer Übung des Technischen Hilfswerks mitgenommen hat. Das war im Sommer 1968, damals war Schnörringer 15 Jahre jung. Gefallen hat es ihm beim THW sofort. „Offiziell aufgenommen wurde ich dann im Oktober 1968“, erinnert sich der gebürtige Bad Bergzaberner, der seit 2000 in Kapellen-Drusweiler wohnt. „Natürlich ist es von Vorteil, wenn jemand handwerklich geschickt ist, aber wir freuen uns beim THW über jeden, der mithelfen will. Wir können jeden gebrauchen“, sagt der gelernte Telekommunikationstechniker. Beschäftigt war er bis zu seiner Pensionierung bei Telekom. Seit 30 Jahren ist er Ortsbeauftragter in Bad Bergzabern, also sozusagen der Chef des dortigen THW. Ursprünglich wollte sich Schnörringer bei der Bundeswehr verpflichten. „Weil es mir beim THW so viel Spaß gemacht hat, habe ich gedacht, jetzt bleibe ich“, sagt er. In den Zeiten der Wehrpflicht war das Engagement im THW eine Möglichkeit, vom Wehrdienst freigestellt zu werden. 1988 wurde Schnörringer Ortsbeauftragter des THW in der Kurstadt. Sein Vorgänger hatte aus beruflichen Gründen aufgehört. „Weil sich kein anderer Nachfolger fand, habe ich gesagt: Dann mache ich es halt“, sagt der 65-Jährige. Damals hatte der THW-Ortsverband Bad Bergzabern 70 Mitglieder, heute sind es knapp 30. Dazu kommen noch 18 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 16 Jahren. Kurt Schnörringer ist fast jeden Tag auf dem Gelände des THW anzutreffen, oft erledigt er Schreibarbeit in seinem Büro. „Ich bin Rentner, ich hab’ ja Zeit dafür“, sagt er. Wer 50 Jahre ehrenamtlich für das THW im Einsatz ist, der hat natürlich viel zu erzählen. An wie vielen Einsätzen Kurt Schnörringer beteiligt war, weiß er nicht genau. Oft ist es reine Routine. Etwa, wenn die Fachgruppe Beleuchtung bei nächtlichen Kontrollen von Polizei oder Zoll den Einsatzort ausleuchtet. „Eine solche Fachgruppe gibt es in Deutschland sonst nirgends“, erzählt Schnörringer nicht ohne Stolz. Auch kommt es vor, dass der technische Zug nach einem Einbruch von der Polizei gerufen wird, um ein eingeschlagenes Fenster oder eine aufgebrochene Tür zu sichern. Außergewöhnlich waren zwei humanitäre Hilfstransporte Anfang der 1990er-Jahre in die im Zusammenbruch begriffene Sowjetunion. Der Eiserne Vorhang hatte sich gerade geöffnet, als Schnörringer 1991 einen Lkw nach Minsk und Moskau lenkte. Seinen Lkw-Führerschein hat er 1984 beim THW gemacht. 1992 folgte eine weitere Tour nach Moskau. „Damals wurde dort ein Krankenhaus aufgebaut, wir haben das Material transportiert“, berichtet Schnörringer. Wenn er an das Auftanken seines Lasters in der früheren UdSSR denkt, dann muss er noch heute schmunzeln. Bei der Unterweisung durch das Auswärtige Amt hatte er den Rat bekommen, sich an der Grenze Benzingutscheine zu besorgen. Was er auch tat. Bezahlen ging nur in Dollar. Doch für die Gutscheine gab es kein Benzin. Ein Bekannter, der sich im damaligen Ostblock auskannte, hatte ihm empfohlen, besser Kaffee, Zucker und Strumpfhosen mitzunehmen. Die Tankstellen waren riesig, mehr als 40 Zapfsäulen waren normal. Gearbeitet haben dort nur Frauen. „Mit Kaffee, Zucker und Strumpfhosen hat die Tankstelle dir gehört“, erinnert sich Schnörringer. Das Tanken selbst war auch ein Abenteuer. An der Kasse gab es eine Art Wählscheibe. Die Kassiererin steckte ihren Finger in ein Loch in der Scheibe und drehte diese, bis sie die gewünschten 400 Liter Diesel anzeigte. „Sobald sie den Finger rauszog, lief draußen das Diesel, da musste man zum Lkw rennen“, sagt Schnörringer. „Als der Tank voll war, haben wir den Schlauch mit einer Wasserpumpenzange abgeklemmt.“ Über das noch im Schlauch befindliche Diesel haben sich die örtlichen Bauern gefreut, die an der Tankstelle auf diese Situationen warteten. In Erinnerung geblieben ist Schnörringer, der Mitglied im Hochwasser-Alarmzug Rheinland-Pfalz ist, auch die Hochwasserhilfe. Etwa 1997 der zehntägige Einsatz beim Jahrhunderthochwasser „Oderflut“ oder 2013 in Magdeburg und Jerrichow. Schnörringer half mit, als in Magdeburg zwei Lastkähne versenkt wurden, um ein Loch im Deich zu schließen. Unzählige Hochwassereinsätze gab es auch in der Südpfalz. Schnörringer ist auch als Gruppenführer Boote beim THW Germersheim im Einsatz. Für ihn ist es wichtig, selbst anzupacken. Als Ortsbeauftragter hat er normalerweise eine Leitungsfunktion. „Manchmal degradiere ich mich selbst“, sagt er schmunzelnd. So hat er sich und seine Männer in Magdeburg einem anderen THW-Zug unterstellt, damit er als einfacher THW’ler mitarbeiten konnte. Info Am heutigen Donnerstag um 15 Uhr erhält Kurt Schnörringer in Neustadt bei der Struktur- und Genehmigungsbehörde die Verdienstmedaille des Landes.

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