Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Zweckverband soll Waldbewirtschaftung günstiger machen

Die Waldbewirtschaftung soll künftig in einem Zweckverband gemeinsam geplant werden, um es günstiger für die Gemeinden zu machen
Die Waldbewirtschaftung soll künftig in einem Zweckverband gemeinsam geplant werden, um es günstiger für die Gemeinden zu machen.

Der erste Forstzweckverband im Landkreis Kusel steht kurz vor der Gründung. Die 1000 Hektar Gemeindewald, ab denen sich das Projekt richtig rentiert, sind fast zusammen. Dennoch muss Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel weiterhin viel Überzeugungsarbeit leisten. Denn nicht jede Ortsgemeinde kann sich mit dem Vorhaben anfreunden.

In der vergangenen Woche hat auch der Ortsgemeinderat Rehweiler sein Plazet für den Beitritt zum Forstzweckverband Oberes Glantal gegeben. Damit sind acht Ortsgemeinden mit zusammen 940 Hektar Wald an Bord. Weitere Ortsgemeinden könnten, nein: sollten noch folgen. Immerhin besitzen 22 Ortsgemeinden plus der Wasserzweckverband kommunalen Wald. 2487,5 Hektar insgesamt.

Allerdings haben auch schon mehrere Kommunen abgewunken; darunter der größte Waldbesitzer im Südkreis, Breitenbach, wo nun ein Bürgerbegehren gegen die Privatisierung des Gemeindewalds erfolgreich war und einer Entscheidung durch den Ortsgemeinderat harrt. In anderen Gemeinden traf das Projekt Forstzweckverband unter anderem wegen der zehn Jahre Mindestdauer der Zugehörigkeit auf Ablehnung. Und auch wegen Bedenken, es könnte dann womöglich kein Brennholz vor Ort mehr zur Verfügung stehen – was so laut Kleinhempel nicht der Fall sein wird.

Jede Gemeinde könne weiter mitreden

Kleinhempel, seit ihrem Amtsantritt 2017 eine Verfechterin des Forstzweckverbands, kann die Bedenken zum Teil sogar verstehen. Mancher habe halt die Befürchtung, dass die jeweilige Gemeinde nicht mehr selbst über die Nutzung ihres Waldes bestimmen könne. Dabei greife dieser Gedanke zu kurz. Denn die jeweilige Gemeinde rede weiterhin mit – nur halt nicht mehr der gesamte Rat einmal pro Jahr bei der Vorstellung des Forstwirtschaftsplans, sondern Vertreter aller Gemeinden zusammen einmal jährlich in der Zweckverbandsversammlung.

Für Kleinhempel ist es keine Frage, dass die Gemeinden tatsächlich besser fahren mit einem Zusammenschluss in Sachen Wald. Das fängt bei der Bürokratie an und endet bei besseren Preisen und Bedingungen für eingekaufte Dienstleistungen.

Gemeinsamer Wirtschaftsplan

Stichwort Bürokratie: Derzeit muss für jede einzelne Gemeinde und deren Wald pro Jahr ein Forstwirtschaftsplan und dann auch eine Abrechnung erstellt werden. Schließen sich mehrere Gemeinden zu einem Zweckverband zusammen, wird für sie zusammen ein Plan erstellt und abgerechnet.

Damit all das auch wirklich gerecht zugeht, hat Kleinhempel genau erfassen lassen, welchen Anteil an den Erlösen und an den forstwirtschaftlichen Kosten jede Gemeinde hat. Sobald der Zweckverband gegründet ist, wird nach diesem Schlüssel abgerechnet.

„Mehr im Wald sein“

Der wirkliche Vorteil liegt laut Kleinhempel aber darin, dass die zuständigen Mitarbeiter des Forstamts – wenn sie dank des Zusammenschlusses im Südkreis beispielsweise nur noch zehn statt bislang 23 Forstwirtschaftspläne erstellen müssen – weniger am Schreibtisch und mehr im Wald sein können. „Das ist es doch, was wir wollen.“

Stichwort Dienstleistungen: Die Krux vor allem im Südkreis liegt darin, dass es viele sehr kleine Gemeindewälder sind. Schließen sich viele Gemeinden zusammen, dann können Arbeiten im Wald gebündelt vergeben werden. Das macht sie billiger, da beispielsweise geringere Anfahrtskosten für die Dienstleister anfallen, als wenn in jedem Wald separat gearbeitet werden muss.

Weniger Gebühren

Aber: Der Zweckverband hat darüber hinaus finanzielle Vorteile. Den vielleicht größten bei den Beiträgen zur Berufsgenossenschaft, die nach Waldfläche gestaffelt sind. Ab 1000 Hektar wird’s dabei richtig lukrativ, denn die Beiträge machen nur noch knapp über 50 Prozent dessen aus, was einzeln bezahlt würde. Da kommt ein hoher vierstelliger Betrag zusammen, und deshalb will Kleinhempel den Zweckverband auch in dem Moment gründen, wenn ausreichend Gemeinden zugestimmt haben, um die 1000 Hektar zusammenzubekommen.

Und letztlich gibt es laut Kleinhempel auch noch Geld für einen solchen Zusammenschluss: 15.000 Euro insgesamt, aufgeteilt in drei Tranchen, von denen die beteiligten Gemeinden über ihren Zweckverband profitieren würden. „Dieses Geld würde ich unseren Gemeinden schon gerne sichern“, sagt sie.

Hoffen auf Erlöse aus der CO2-Steuer

Ohnedies kommen in nächster Zeit noch weitere Wald-Mittel von oben. In einem Programm des Bundes stehen 500 Millionen Euro Prämie bereit, wenn Waldflächen zertifiziert sind. Je nach Art der Zertifizierung 100 beziehungsweise 120 Euro pro Hektar. „Das ist Geld, viel Geld“, sagt Kleinhempel und verweist so nebenbei darauf, dass diese Förderung nicht der Waldeigentümer erhalte, sondern derjenige, der die Beiträge zur Berufsgenossenschaft zahle. Und das sei dort, wo der Gemeindewald privat bewirtschaftet werde, der Pächter. „Dort gehen die Gemeinden selbst leer aus.“

Kleinhempel hat zudem die begründete Hoffnung, dass die kommunalen Waldbesitzer früher oder später von Mitteln aus der neuen CO2-Steuer profitieren, die 25 Euro pro Tonne Kohlendioxid beträgt. Denn immerhin speicherten Bäume ja Kohlendioxid – ein Festmeter Holz etwa eine Tonne CO2. Auf höchster Ebene liefen daher derzeit Gespräche, ob dieser Beitrag zum Klimaschutz sich für die Waldbesitzer nicht rentieren sollte, diese also Geld aus den Steuereinnahmen erhalten.

Zurück zum Forstzweckverband. Kleinhempel geht davon aus, dass der für den Südkreis im Frühjahr gegründet werden kann. Ist das vollbracht, will Kleinhempel die waldbesitzenden Gemeinden im Nordkreis davon überzeugen, Gleiches zu tun. Dort sieht sie ausreichend Interesse für einen solchen Zusammenschluss. Ob es irgendwann in der Mitte dann auch einen Zweckverband gibt, ist noch unklar. Hier wollten die Gemeinden sich erst einmal alles in Ruhe anschauen.

Gabi Kleinhempel.
Gabi Kleinhempel.
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