Thallichtenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Wurde auf Burg Lichtenberg einst Eisen verhüttet?

Burgverwalter Andreas Rauch hielt die dunkelgrauen Brocken mit der unregelmäßigen Oberfläche zunächst für Abfälle von Nagelschmi
Burgverwalter Andreas Rauch hielt die dunkelgrauen Brocken mit der unregelmäßigen Oberfläche zunächst für Abfälle von Nagelschmieden. Ein Hobbypaläontologe aus Tiefenthal bestimmte sie als Fließ- und Rennofenschlacke.

Zur Geschichte der Burg Lichtenberg gibt es noch viele ungeklärte Fragen, vor allem zur Entstehung der „Unterburg“. Deshalb sind oft auch kleine Funde wichtige Indizien.

Wenn Andreas Rauch, Mitarbeiter der Burgverwaltung, über das Gelände der Burg Lichtenberg geht, blickt er sehr häufig auf den Boden. Dabei geht es ihm nicht um Unebenheiten, sondern um mögliche Funde, die immer wieder ans Tageslicht kommen. Zu ihnen gehören auch Brocken von Schlacke, die er dort entdeckt hat.

Die dunkelgrauen Brocken mit einer unregelmäßigen Oberfläche lagen auf dem älteren Zugang zur Unterburg in der Nähe des „Finkentürmchens“. Rauch hielt sie anfangs für Abfälle von den Nagelschmieden, die im 19. Jahrhundert auf der Burg wohnten und arbeiteten. Aber der Hobbypaläontologe Robert Noll aus Tiefenthal, dem Rauch eine Probe schickte, bestimmte sie als Fließ- oder Rennofenschlacke. Das könnte bedeuten, dass dort einst Eisenerz verhüttet wurde.

Für Bauten oder Hufeisen?

Die Verhüttung erfolgte seit dem Altertum in sogenannten Rennöfen. Dabei handelte es sich um kleine zylindrische Schachtöfen aus Lehm mit einer Höhe von etwa 100 bis 220 Zentimetern. Diese standen in einer Herdgrube und wurden schichtweise mit Holzkohle und Eisenerz befüllt. Durch seitliche Luftzufuhr mit einem Blasebalg erreichten sie eine Temperatur von etwa 1200 Grad. Das reichte nicht, um das Eisen zu schmelzen, führte aber zur einer Verdichtung in der Schlacke, was dann als „Eisenschwamm“ oder „Luppe“ bezeichnet wurde. Die Schlacke wurde in einem nächsten Schritt geglüht und das Eisen ausgeschmiedet.

Die Fundstücke haben das Interesse von Rauch geweckt, aber auch viele Fragen aufgeworfen. Wo standen die Rennöfen, von denen die Schlacke stammt? Hier könnte eine genauere Untersuchung des Geländes südlich des Geoskops Auskunft geben. Auch die Fragen, wann die Arbeiten stattfanden und wofür das Eisen verwendet wurde, sind noch nicht geklärt. Eventuell war das Material für Bauten der Unterburg bestimmt, deren Anfänge man auf die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert. Vielleicht gehörte es aber auch zu der Ansiedlung der Burgmannen, die daraus Hufeisen oder Werkzeuge herstellten.

Nur kleinere Vorkommen rund um den Königsberg

Eine wichtige Frage ist, woher das Eisenerz stammte. Das lässt sich nicht eindeutig beantworten, obwohl die Geschichte des historischen Bergbaus in der Pfalz vom Landesamt für Geologie und Bergbau sehr gut erforscht wurde. Aber in den etwa 200 Orten, in denen man früher Erze abbaute, war der Schwerpunkt das Quecksilber, gefolgt von Silber, Kupfer und Zinn. Ein mittelalterlicher Bergbau lässt sich auch selten urkundlich nachweisen. Denn die meisten Quellen stammen erst aus den vergangenen Jahrhunderten.

Größere Eisenerzvorkommen gab es in der Pfalz kaum, kleinere Mengen wurden am Königsberg und in den Orten rund um Wolfstein gefördert. Der häufigste Rohstoff war aber das Raseneisenerz, bei dem sich in feuchten Böden Eisenoxyde um einen Kern aus Ton anlagern. Der Eisengehalt betrug zwischen 25 und 50 Prozent, in manchen Fällen sogar bis zu 70 Prozent, sodass sich ihre Verhüttung lohnte.

Keine chemische Analyse

Eine chemische Analyse der Schlacken würde sicher einige der Fragen beantworten, aber sie ist für den Kreis Kusel zu teuer. Deshalb erhofft sich Rauch einen Hinweis von Professor Rainer Schlundt, der aus Obermoschel stammt und an einem großen Werk über die Geschichte des Bergbaus arbeitet. Vielleicht besitzt der Historiker auch Gesteinsproben, die einen Hinweis auf die Herkunft des Erzes und die Zeit seiner Verarbeitung geben. Eine Antwort steht noch aus.

Burgverwalter Andreas Rauch mit einem Teil seiner Funde.
Burgverwalter Andreas Rauch mit einem Teil seiner Funde.
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