Kreis Kusel „Wir wollen mehr machen als knipsen“
Naturaufnahmen stehen im Mittelpunkt der ersten Ausstellung der Fotogruppe des Obst- und Gartenbauvereins Waldmohr, die bis Sonntag, 16. Oktober, in der Kulturhalle Waldmohr zu sehen ist.
Ein Stillleben an der Seite des Raumes zieht sofort die Blicke auf sich: Zwei Tomaten, rot und gelb, in sehr puristischer Form- und Farbgebung; ein Marienkäfer sorgt für das Lokalkolorit. „Tomatenglück“ hat die ehemalige Berufsfotografin Marga Meier dieses Bild genannt. In raffinierter Schwarzweiß-Technik hat Georg Detsch seine Fotografie „Nur ein Tropfen“ gestaltet, auf der sich ein Wassertropfen in Nahaufnahme und differenzierten Lichtschattierungen aus dem dunklen Hintergrund hervorhebt. Je vier Bilder zeigen die zehn Mitglieder der Fotogruppe des Obst- und Gartenbauvereins Waldmohr, die seit etwa drei Jahren besteht. Vorher schon hatten sich einige Mitglieder, die gerne fotografieren, immer wieder getroffen und ausgetauscht. Auch einen Kalender von Waldmohr hatten sie schon erstellt, bevor sich die Fotogruppe fest etabliert hat, wie Mitglied Werner Braun erzählt. „Wir müssen uns regelmäßig treffen, stellten wir nach einer Wanderung fest. Und daraus ist dann unsere Fotogruppe entstanden.“ Die Mitglieder sind zwischen 50 und 70 Jahre alt; zunächst haben sie sich einmal im Monat getroffen, um sich auszutauschen und neue Anregungen zu erhalten, inzwischen jeden zweiten Dienstag im Monat. „Wir wollen mehr machen als nur knipsen“, betont Werner Braun. Und die Vielfalt und künstlerische Qualität der gezeigten Arbeiten ist beeindruckend. Landschaftsaufnahmen von Burg Lichtenberg im Sonnenuntergang sind zu sehen, eine nächtliche Straße in Nancy, ein Blick über Waldmohr, das „Biotop in Beeden“ oder ein wogendes Ährenfeld, in dem der Betrachter zu sitzen scheint, aber auch Aufnahmen der Völklinger Hütte. „Durchblicke“ nennt Jürgen Uhlig seine Fotografie, die durch den Blick durch verschiedenen Rahmen hindurch auf eine Skulptur eine beeindruckende Tiefe erhält. Die dunklen Farbschattierungen betonen den Charakter des Industriedenkmals. Technik ist auch in der Fotografie „Edison“ sein Thema: Aus einem blauschwarz gerasterten Hintergrund hebt sich die helle Form einer Glühbirne ab, die aber auch an einen menschlichen Kopf erinnert; in ihr treten die Strukturen der elektrischen Drähte plastisch hervor. An Science-Fiction-Welten lässt die „Spinne“ von Horst Bullacher denken: In grell leuchtenden Gelb- und Orangetönen tritt eine Spinne mikroskopisch genau aus einem dunklen Hintergrund hervor, die feinen Fäden ihres Netzes durchziehen in klar umrissenen, fahlhellen Linien das Foto. Sehr präzise Schärfen, ausgeprägte Kontraste und klar abgegrenzte Linien charakterisieren auch seine Fotografie „Ismene“, die helle Blütenkelche vor dunklem Hintergrund in Nahaufnahme zeigt. Mit Blüten und Tieren in Nahaufnahme beschäftigt sich auch Gerhard Daub in „Heuschrecke auf Calla“. Tieraufnahmen sind ein weiteres Thema der Ausstellung. Augenzwinkernder Humor spricht den Betrachter aus Karin Göddels „Krähgor“ an, der Aufnahme eines schwarzen Gockels, der mit stolz gerecktem Haupt im Garten herumstolziert. Vogelzüge, perspektivisch klein, in rötlicher Sonnenuntergangsstimmung, wie schemenhaft durch einen Schleier wahrgenommen, sind das Motiv von Marga Meiers Foto „Zugvögel“. Fesselnd ist auch die Aufnahme von Harald Weyrichs Weißkopfadler, die das majestätische Tier mit weit geöffneten Augen und Schnabel in einem Bewegungsimpuls voller Dynamik zeigt, mit unglaublicher Lebendigkeit und Detailtreue. Nachdenklich und versunken wirkt dagegen der Blick eines Seeadlers in einer grünen Szenerie. Aber auch dieses Porträt fasziniert durch seine subtile künstlerische Gestaltung: Durch den markanten Schärfenkontrast tritt der Hintergrund deutlich hinter dem Motiv zurück, das Foto erhält eine unglaubliche räumliche Tiefe und Plastizität. An die Atmosphäre in alten Alfred- Hitchcock-Filmen erinnert Karin Göddels „Hund im Mondschein“, eine beeindruckende Schwarz-Weiß-Fotografie ihres Golden Retrievers vor der Kulisse des Homburger Schlossbergs. In ihrem Bild „Der einsame Geiger“ spielt der Tod zum Tanz auf. Doch damit scheinen sich weder der in seinen Gedanken versunkene Musiker von Robert Längler zu befassen noch Gerhard Daubs „Hund in Granada“, der vor einem alten, vergilbten Filmplakat neugierig in die Welt schaut. Und das Leben genießt auch die Dame mit weißer Maske, die Georg Detsch in „Carnevale di Venezia“ fotografisch verewigt hat. |knf