Kreis Kusel Welch eine Lautmalerei

Eine kleine kammermusikalische Besetzung mit großer Vielfalt: Il Vento Armonico.
Eine kleine kammermusikalische Besetzung mit großer Vielfalt: Il Vento Armonico.

Mit einem bezaubernden Kammermusikabend ließ das Ensemble Il Vento Armonico am frühen Samstagabend in der Zehntscheune auf Burg Lichtenberg mit Werken von Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach und Peter Iljitsch Tschaikowsky das alte Jahr ausklingen.

Fast 100 Besucher waren auf die Burg gekommen, um die bekannten Werke in ungewöhnlicher Besetzung zu hören: Das Ensemble Il Vento Armonico besteht mit Kathrin Krannich, Rotraut Jäger und Christoph Schnur aus drei Querflötisten und dem amerikanischen Fagottisten Steven Rayburn. Welche lautmalerische Vielfalt auch in einer so kleinen kammermusikalischen Besetzung möglich ist, stellten die vier Vollblutmusiker in ihrer Interpretation des Concerto Nr. 11 d-Moll aus dem Zyklus L’Estro Armonico von Antonio Vivaldi (1678-1741) in einer Bearbeitung von Raphaëlle Zaneboni überzeugend unter Beweis. Auf den temperamentvollen ersten Satz, in dem die Musiker mit zügigen und trotzdem leichten Tempi fesselten, folgte ein wiegender Siciliano im Sechsachteltakt; eine schnelle Weise mit fröhlich-neckischem Charakter, hüpfenden Rhythmen und flirrend umspielten Motiven mit subtilen Echoeffekten setzte einen prägnanten Schlusspunkt. Die stilistischen Einflüsse Antonio Vivaldis waren auch im Brandenburgischen Konzert Nr. 3 von Johann Sebastian Bach (1685-1750), gleichfalls in einer Bearbeitung von Raphaëlle Zaneboni, deutlich erkennbar. Das Thema des ersten Satzes war durch große Intervalle und einen ausgeprägten motorischen Impuls charakterisiert, der die Musik wie in einem perpetuum mobile immer weiterzutreiben schien, die aparte Harmonik mit ihren lautmalerischen Akzenten erinnerte an die Tonsprache Vivaldis. Ungeachtet des immer markanter werdenden Ausdrucks waren die schnellen Klänge in warmen Farben und schwebender Leichtigkeit gestaltet. Motivwiederholungen steigerten die Eindringlichkeit als schnelles und doch gleichzeitig verzögerndes Element. Die schnell-flirrenden Themen des Schlusssatzes brachten höfische Atmosphäre in die Zehntscheune. Malerisch und ungemein fesselnd war die Nussknacker-Suite op. 71a von Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893) aus seinem Ballett „Der Nussknacker“. Es war ein faszinierendes Erlebnis, wie die vier Musiker das Farbenspektrum eines so stark durch Lautmalerei geprägten Werkes in dieser kammermusikalischen Besetzung ausgestalteten. Die Story spiegelte sich in der Musik wieder: Der Nussknacker, das Weihnachtsgeschenk des Mädchens Klara, kämpfte hier gegen den Mäusekönig und seine Zinnsoldatenarmee, bis dieser von Klara mit ihrem Pantoffel erschlagen wurde. Dann entpuppte der Nussknacker sich als verwunschener Prinz, der mit Klara eine rauschende Ballnacht feierte – Bilder, die vor dem inneren Auge der Zuhörer in der Interpretation von Il Vento Armonico mit vielen liebevollen Details lebendig wurden. Warme Farben prägten das Klangbild, der etwas abgehackte, marschähnliche Rhythmus mit seinem staccato veranschaulichte die hölzernen Bewegungen des Nussknackers, über die die hell aufleuchtende Flöten einen weit geschwungenen Bogen legten. Ein schneller fallender Flötenstreich beendete diese Passage. Meisterlich gestaltete Il Vento Armonico fallende gleißende Melodiebögen in rasanten Umspielungen ebenso wie einen Off-beat-Rhythmus mit verschleppten Taktzeiten und malerischen Molleintrübungen; in schnellen Motiven mit leichtem, tänzerischem Rhythmus hörte man Paare leichtfüßig über das Parkett huschen. Schnelles Trippeln wurde durch fallende Glissandi der hellen Piccoloflöte betont. Dieses tönende Relief, das in einem kaleidoskopartigen Bilderbogen eine Geschichte ohne Worte erzählte, rundete der große Blumenwalzer ab, der sogar hier in dieser kleinen Besetzung seinen ganzen melodischen Zauber versprühte. Für den begeisterten Applaus bedankten sich die Künstler mit der Zugabe Carol of the Bells.

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