Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Waldspaziergang bei Waldmohr: Welchen Einfluss hat der Wald auf unseren Wasserhaushalt?

Gabi Kleinhempel, Leiterin des Forstamtes Kusel, führte die 20 Teilnehmer des Waldspaziergangs durch den Staatswald nahe der Wal
Gabi Kleinhempel, Leiterin des Forstamtes Kusel, führte die 20 Teilnehmer des Waldspaziergangs durch den Staatswald nahe der Waldziegelhütte Waldmohr.

Zu einer kleinen Waldexkursion durch den Staatswald in der Nähe der Waldziegelhütte lud die Volkshochschule Kusel am Samstag ein. Die wichtigsten Fragen der gut 20 Teilnehmer und die Antworten von Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel haben wir zusammengefasst.

Wald und Trinkwasser: Wer speist das Grundwasser?
Tatsächlich hat unser Wald, wie keine andere Vegetationsform, bedeutenden Einfluss auf den Wasserhaushalt. Gabi Kleinhempel, Leiterin des Forstamtes Kusel, nennt Zahlen: „Wussten Sie eigentlich, dass der Wald auf einem Hektar, also auf einer Größe von 100 mal 100 Meter, ungefähr 1000 Kubikmeter bestes Trinkwasser erzeugen kann? Durch die Bodenfiltration kommt am Ende irgendwo das Wasser auf eine Schicht, die es staut und genau dort bildet sich auf natürliche Weise Trinkwasser.“ Heißt, der Wald schützt durch sein Kronendach und seine Wurzeln den Boden vor Erosion, speichert in tieferen Schichten Regenwasser, filtert es auf den Weg dorthin und speist so das Grundwasser.

Allerdings können nicht sachgerechte menschliche Eingriffe den Wasserrückhalt im Wald stören, zu erhöhtem Oberflächenabfluss führen und Hochwassersituationen begünstigen.

Was sind unsachgemäße menschliche Eingriffe?
Das sind zum Beispiel Kahlschläge, also Holzerntemaßnahmen, die bei größeren Flächen zum Verlust von Schutzfunktionen führen. Das waldtypische Innenklima geht verloren. Kahlschläge erhöhen das Risiko der Bodenerosion und sind ab einer bestimmten Flächengröße nach dem Landesforstgesetz verboten. Aber auch der nicht sachgerechte Einsatz von schweren Erntemaschinen führt, bedingt durch verdichtete Waldböden, zu Schäden des Ökosystems.

Leistet der Forst nicht selbst, durch das Anlegen breiter, geschotteter „Autobahnen“, die mitten durch den Wald führen, der Bodenverdichtung Vorschub?
Für Forstamtsleiterin Kleinhempel sind dies keine Autobahnen, sondern Wege, die für das forstwirtschaftliche Arbeiten angelegt werden müssen. Mehr noch: bei Unfällen oder Ereignissen, in denen Leib und Leben in Gefahr sind, ist es unabdingbar, schnell in den Wald hinein und wieder aus dem Wald zu gelangen. Wer diese Wege als Spaziergänger nutzt, erkennt auch, dass von hier immer wieder kleine Gassen in den Holzbestand führen. Im Forstjargon spricht man von Arbeits- oder Rückegassen. Es handelt sich dabei um unbefestigte Wege, die es ermöglichen, das Holz zu den LKW-befahrbaren Waldwegen zu transportieren.

Gesäumt von Binsengewächsen, entdecken die Kursteilnehmer immer wieder rechts und links des Hauptweges kleine Wassertümpel. Hat hier die Entwässerung des Hauptweges nicht funktioniert?
Kleinhempel klärt auf: Es sind angelegte Regenrückhaltebecken, sogenannte Rigolen. Besonders in Hanglagen sorgen sie dafür, dass vor allem bei Starkregenereignissen das Wasser großflächig, gezielt im Waldboden versickern kann.

Mit Blick auf den mit Ästen und kleineren Baumstämmen übersäten Waldboden erinnert sich ein Teilnehmer an seine Kindheit: „Mein Opa schimpfte immer, wenn wertvolles Brennholz im Wald rumlag“. Was hat sich gegenüber früher geändert? Warum lassen Förster nach der Holzernte nicht mehr aufräumen?
Kleine Äste, tote oder absterbende Baumstämme haben einen besonderen Wert für das Ökosystem Wald. Die ersten Organismen, die einen geschwächten Baum befallen, sind meist Pilze oder Insekten. Sie zersetzen das Holz, öffnen damit vielen anderen Tieren und Pilzen quasi das Tor zum Schlaraffenland. Zudem dienen tote Bäume als Nahrungsquelle, Lebensraum und Brutstätte zugleich. Spechte klopfen die Rinde ab und hämmern kleinere Löcher in das Holz, um an Insektenlarven im Inneren zu gelangen. Außerdem schlagen sie im Totholz ihre Höhlen, um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Auch Wildschweine profitieren vom Nahrungsangebot.

Apropos Speisen: Mäuse stehen bei Wildkatzen ganz oben auf der Speisekarte. Auch wenn die scheuen Verwandten unserer Hauskatzen kaum jemand zu Gesicht bekommt, leben sie mittlerweile in kleinen Populationen in den gut 8000 Hektar großen Körperschaftswäldern, den 5000 Hektar großen Privatwäldern, die sich mittlerweile über 20.000 Waldbesitzer teilen. Nicht zuletzt sind Wildkatzen in den ausgedehnten 3000 Hektar großen Staatsforsten heimisch geworden.

Fast 41 Prozent der Flächen in Rheinland-Pfalz sind heute bewaldet. Früher sah die Forstwirtschaft den Wald in erster Linie als Holzlieferanten. Heute ist man sich bewusst, dass Wälder nicht nur Rohstoffe liefern, sondern auch viele weitere Aufgaben erfüllen: als Luftreiniger, Wasserspeicher, aber auch Erholungsraum für den Menschen.

Deshalb versucht die Forstwirtschaft mit ihrem Konzept der „nachhaltigen, naturnahen Waldwirtschaft“ alle Waldfunktionen gleichermaßen zu erhalten. Die Nachhaltigkeit, das Prinzip, dass dem Wald nur so viel Holz entnommen werden darf, wie auch wieder nachwächst, ist ein fundamentaler Grundsatz der deutschen Forstwirtschaft, betont Exkursionsleitern Kleinhempel am Ende des Spazierganges.

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