Kreis Kusel
Vorsicht, Satire! Unser Ausblick auf das Jahr 2021
Januar: Corona macht’s möglich – Landrat Otto Rubly veranstaltet den ersten digitalen Neujahrsempfang in der Geschichte des Landkreises Kusel, um über digitale Fortschritte in der Region zu sprechen. 600 geladene Gäste aus den Arbeitsgebieten Breitbandausbau und Schul-Digitalpakt dürfen sich virtuell zuschalten und der Rede des vereinsamten Landrats live aus der Fritz-Wunderlich-Halle lauschen. Händeschütteln fällt aus, die gewohnten Mini-Schornsteinfeger erhält jeder Geladene vorab per Mail, die übliche Livemusik gibt’s vom Band, den Sekt muss sich halt jeder selbst besorgen und das Glas gegen die jeweilige Kamera prosten. Nach genau vier Minuten und 33 Sekunden bricht allerdings die Liveübertragung zusammen. Die Anbindung der Halle an das schnelle Internet ist offenbar doch nicht so belastbar wie erhofft. Die Eloge auf den technischen Fortschritt im Musikantenland wird auf das kommende Jahr vertagt.
Februar: Weil sowohl die Arbeiten am als auch der Fahrspaß im neuen Kuseler Kreisel bei Pendlern große Freude ausgelöst haben, suchen der Kreis und der Landesbetrieb Mobilität nach Standorten für weitere Kreisverkehre. Oberste Priorität hat hierbei die beliebte Strecke Niederalben-Baumholder, um dort die illegalen Autorennen noch ein wenig interessanter zu gestalten. Das ADAC-Rennkomitee denkt bereits über offizielle Wertungsläufe nach, sobald die Schikanen eingebaut sind.
März: Überraschung bei der Landtagswahl im Wahlkreis Kusel: SPD-Bewerber Oliver Kusch und CDU-Kandidatin Isabel Steinhauer-Theis erhalten exakt dieselbe Stimmenzahl. Das Land entscheidet daraufhin in seiner großen Weisheit und zur Vermeidung von Streit zu Beginn der Großen Koalition, dass beide künftig im Landtag vertreten sein dürfen und so der ansonsten immer benachteiligte Kreis Kusel inklusive dem Grünen-Abgeordneten Andreas Hartenfels weiterhin mindestens drei Parlamentarier haben wird.
April: Nachdem der Verbandsgemeinderat Kusel-Altenglan auch nach mehrtägiger Debatte der Ansicht der Verwaltung nicht folgen will, dass im Rathaus Altenglan zu viele Menschen arbeiten, sucht Bürgermeister Stefan Spitzer nun nach einer Alternative zum Ausbau des Gebäudes. Die Schreibtische werden daher provisorisch im nagelneuen Hallenbad aufgestellt, das wegen Corona auch weiterhin nicht zweckentsprechend genutzt werden kann. Vereinzelte Anträge, den Arbeitsplatz gleich direkt in den Whirlpool zu verlagern, wurden abgelehnt.
Mai: Neues aus der Alten Welt. Die Tourismus-Projektgruppe der vier beteiligten Landkreise plus der protestantischen Kirche schlägt vor, zwischen Meisenheim, Wolfstein und Rockenhausen einen Safari-Park einzurichten. „Nirgendwo sonst haben die Autofahrer so viele Gelegenheiten, speziell nachts auf wilde oder possierliche Tiere zu treffen. Dieses Alleinstellungsmerkmal müssen wir unbedingt nutzen“, heißt es in einem entsprechenden Positionspapier. Auf dem Plan stehen Jeep-Touren zu Biber-Bauten sowie, ganz exklusiv, eine nächtliche Treibjagd durch eine gereizte Wildschweinrotte.
Juni: Der Verlust des Rettungshubschraubers an den Donnersbergkreis bewegt die Kreisverwaltung nach eigenen Angaben zur Suche nach einem alternativen Leuchtturmprojekt in Sachen ärztlicher Versorgung für den Kreis. Nach unbestätigten Berichten ist nun eine Rettungsdraisine im Gespräch. Ein ebenfalls in Erwägung gezogenes Rettungsboot für Lauter und Glan scheitert an wasserrechtlichen bedenken.
Juli: Nach den zuletzt innigen Kontakten mit der Kuseler Kreisverwaltung spendiert der Landesrechnungshof der Trierer Straße eine auf drei Jahre befristete Stelle, die er auch selbst besetzen wird. Der Neue soll der Verwaltung rückblickend und nach vorne schauend bei der Projektbetreuung und bei der Personalgewinnung helfend zur Seite stehen. Als besondere Beigabe wird der neue Mitarbeiter, der dem Rechnungshofpräsidenten persönlich unterstellt ist, monatlich einen Bericht veröffentlichen und seinen Kollegen in Speyer so erneut langwierige Untersuchungen ersparen.
August: Auch die Ortsgemeinde Ulmet will auf den Tourismus-Zug aufspringen, der inzwischen den ganzen Kreis erfasst hat – und auch sie wird dafür einheimische Tierbestände nutzen. Ab September werden auf dem Glan Touren mit dem Glasbodenkanu angeboten, um die prachtvolle Flusskrebs-Population zu betrachten. Die SGD, sonst in Sachen Kanufahren eher verstockt, hat bereits ihr Plazet gegeben – unter der Voraussetzung, dass die Boote mit Überrollbügeln gegen herabstürzende Äste geschützt werden. Die Insassen natürlich auch.
September: Nach bereits zwei Jahren im Amt ist Kuseline Clara nicht bereit, den Thron zu räumen. Per Proklamation bei der Eröffnung der Kuseler Herbstmesse führt sie für das Kuseline-Amt die Erbmonarchie ein und verspricht ihren jubelnden Anhängern, eine Kuselinen-Dynastie zu begründen. Kutschfahrten schließt sie allerdings aus.
Oktober: Schock in Waldmohr: Die vor nicht einmal einem Jahr verliehenen Stadtrechte werden wieder entzogen. Das Verwaltungsgericht gibt einem Antrag aus der Nachbarschaft statt, wonach Waldmohr erst dann zur Stadt erhoben werden darf, wenn dieses Recht auch der deutlich größeren Nachbargemeinde Schönenberg-Kübelberg verliehen worden ist. Weil die allerdings viel zu sehr mit sinnlosen Streitigkeiten zwischen dem Ortsbürgermeister und seinem Beigeordneten beschäftigt ist, wird ein entsprechender Antrag noch lange auf sich warten lassen.
November: Nach nur eineinhalb Jahren Dauer ist der Abriss auf dem ehemaligen Emrich-Gelände bereits abgeschlossen. Aufgrund dieses überraschend schnellen Fortschritts des Langzeit-Projekts rechnet der Investor nun damit, dass er vielleicht schon 2022 eine Baugenehmigung erhalten und 2024 mit dem Bau beginnen könnte. Die Lebenshilfe verlegt daher ihre für 2026 geplante Einweihung des dort entstehenden Wohnheims auf 2029. Stadtbürgermeister Jochen Hartloff kündigt an, bis zu diesem großen Moment im Amt zu bleiben.
Dezember: Die Entscheidung ist gefallen: Die Glantalbahn wird tatsächlich reaktiviert. Lauterecken-Wolfsteins Bürgermeister Andreas Müller ist darüber derart entzückt, dass er sofort einen weitergehenden Bahn-Fahrplan für den Nordkreis vorlegt. Die Sahnestückchen dabei: die nostalgische Bergbahn zwischen Lauterecken-Rathaus und Hohenöllen-Dorfplatz sowie die Schnellverbindung zwischen Unterjeckenbach und Merzweiler mit Halt in Langweiler.