Kreis Kusel Von der Pressemitteilung zum fertigen Text: Hinter Artikeln steckt viel Arbeit
Immer wieder tauchen in den sogenannten Sozialen Medien unter unseren Beiträgen Anmerkungen auf wie „Kann jemand den Artikel in den Kommentaren posten?“, „Warum werden wichtige Infos hinter der Paywall versteckt?“ und „Diese Infos müssten aber alle lesen können.“ Dank unserer engagierten Leserinnen und Leser müssen wir selbst nur selten darauf antworten. In der Regel schreibt vorher schon jemand: „Bekommen Sie beim Bäcker Ihre Brötchen auch umsonst?“ oder „Journalismus kostet eben“. Das freut uns immer. Denn in recherchierten Nachrichten, Reportagen und Interviews steckt eine Menge Arbeit. Am Beispiel einer Pressemitteilung möchte ich einen kleinen Einblick in unseren Redaktionsalltag gewähren.
Klar, mal eben eine Pressemitteilung von Polizei, Feuerwehr oder einem Unternehmen auf die Website oder in einen Beitrag für Social Media zu packen, ist kein Problem. Bei Mitbewerbern geschieht das schon mal unredigiert. Das heißt, dass eine Mitteilung eins zu eins übernommen wird. Fehler? Egal. Unklare Formulierungen? Egal. Steckt vielleicht mehr dahinter? Auch egal. Bei uns werden eingehende Pressemeldungen am Produktionsdesk in Kaiserslautern bearbeitet. Dort sitzen erfahrene Redakteurinnen und Redakteure, die für die Westpfalz-Ausgaben der RHEINPFALZ die Printseiten gestalten und die Onlinekanäle bespielen. Sie prüfen Pressemitteilungen unter anderem auf die oben genannten Fragen hin, bearbeiten und ergänzen sie gegebenenfalls und veröffentlichen sie. Übrigens in der Regel kostenlos, also vor der Bezahlschranke auf rheinpfalz.de. Im letzten Schritt wird die Meldung auf der Zeitungsseite der nächsten Ausgabe platziert.
Vorm Loslegen gibt es einige Fragen zu klären
Erkennen die Kollegen allerdings, dass es noch Recherchebedarf gibt oder sich in einer Pressemitteilung eine größere Geschichte verbirgt, bekommen wir in Kusel einen Hinweis. Die Redaktion überlegt sich dann, wie’s damit weitergeht. Läuft ein Einsatz noch und ein Reporter muss schnell vor Ort sein? Wen können wir für tiefergehende oder ergänzende Informationen anrufen? Gibt’s noch andere Aspekte, die zu beleuchten sind? Welche Form ist für den ausführlichen Artikel sinnvoll? Fragen und Antworten, Interview oder Reportage? Bevor ein Reporter loslegt, gilt es außerdem zu klären, was wir sonst noch brauchen – beispielsweise eine Videosequenz oder bestimmte Fotos. Noch bevor der erste Satz geschrieben ist, gibt es also einiges abzusprechen.
Reporter und Produktionsdesk arbeiten eng zusammen
Dann dürfen die Reporter – neben den Redaktionsmitgliedern können das natürlich auch unsere freien Mitarbeiter sein – loslegen. Telefonieren, Mails schreiben, vor Ort mit Beteiligten sprechen. Das kostet Zeit – denn überraschenderweise (Ironie!) sind nicht alle Wunschgesprächspartner sofort zu erreichen und redebereit. Manchmal braucht’s dafür sogar Tage, etwa weil man unglücklich aneinander vorbeitelefoniert (oder bei unangenehmen Themen auch mal bewusst weggedrückt wird). Sind schließlich alle Informationen für einen Artikel zusammengetragen, geht’s ans Schreiben. Anschließend wird der Text von uns für rheinpfalz.de vorbereitet und online veröffentlicht. Abschließend übernimmt dann übrigens wieder der Produktionsdesk in Kaiserslautern. Die Kollegen gestalten die Zeitungsseiten und spielen die Texte in den verschiedenen Onlinekanälen aus.
Zwischen einer Pressemitteilung und dem fertigen Artikel liegt nicht selten ein solcher Weg, der mal mehr, mal weniger steinig ist. Klar, dass wir diese Texte nicht kostenlos im Internet verschleudern wollen. Danke, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie uns nicht nur online verteidigen, sondern mit ihren Abonnements all das erst ermöglichen!