Haus und Hof
Vom „Saustall“ zum prämierten Feriendomizil in Glanbrücken
„Rosenschlösschen“ haben Heike und Günther Bergs ihre Ferienwohnung genannt, die sie in den vergangenen Jahren gemeinsam errichtet und gestaltet haben. Viel Liebe und Handarbeit haben die beiden in die 60 Quadratmeter großen Räume in einem alten Bauernhaus in Glanbrücken gesteckt – das wird bei einem Rundgang ganz deutlich: Ein alter ausrangierter Balken des Nachbarn prangt als Sturz über dem Eingang zum Schlafzimmer, an den steinernen Wänden hängen Gemälde einer befreundeten Künstlerin, am Boden sind gar selbstgemachte Fußleisten zu finden. Beim weiteren Rundgang fallen ein hölzerner Sekretär und ein kunstvoll gefertigten Schachtisch ins Auge – selbstgezimmert versteht sich, diesmal jedoch von Heike Bergs Vater.
Nahezu alles in der Ferienwohnung hat das Paar, das erst seit Kurzem verheiratet ist, selbst gemacht. So haben die beiden auch zu beinahe jedem Detail eine kleine Geschichte zu erzählen, die ihnen jedes Mal ein Lächeln entlockt, sie in Erinnerungen an die Umbauzeit schwelgen lässt. Die hat für die beiden eine besondere Bedeutung. Schließlich ist das „Rosenschlösschen“, das inzwischen mit fünf Sternen ausgezeichnet ist, sozusagen ihr Kennenlernprojekt gewesen. „Andere machen beim ersten Date alles mögliche. Wir haben verfugt“, erzählt Günther Bergs schmunzelnd und deutet auf die Wand neben dem Eingang zum Wohnzimmer.
Heizungskeller statt Kuh- und Schweineställe
Die Ferienwohnung befindet sich im Erdgeschoss des ehemaligen Wohnhauses des großzügigen Anwesens im Ortsteil Hachenbach. Ein Lehrer hatte das Bauernhaus 1873 erbaut und – wie damals üblich – nebenher Landwirtschaft betrieben. Als Günther Bergs und seine damalige Frau gut 100 Jahre später das Haus samt landwirtschaftlicher An- und Nebengebäude erwarben, fanden sie noch Kuh- und Schweineställe sowie Heu- und Strohscheunen vor – nebst einem großflächigen Gelände von 3500 Quadratmetern. Das Anwesen selbst sei dabei in einem katastrophalen Zustand gewesen – „es war dem Verfall nahe“, erzählt der 67-Jährige bei einem Rundgang durch die ehemalige Scheune. „Dieser Teil konnte praktisch nicht betreten werden ohne die Gefahr einzugehen, durchzubrechen“, verdeutlicht der gebürtige Franke. Kein leichtes Unterfangen also. Doch die Bergs’ sahen Potenzial im alten Bruchsteingemäuer – und sollten damit auch recht behalten.
Sieht man sich heute in der einstigen Scheune um, so kann man sich den ursprünglichen Zweck und vor allem den damaligen Zustand der Räume kaum noch vorstellen. Mehrere Jahre lang hat das Paar in mühevoller Eigenarbeit die frühere Scheune zum Wohnhaus umgestaltet. „Wir sind zunächst drüben ins ursprüngliche Wohnhaus gezogen und haben hier ausgebaut“, erinnert sich der Glanbrücker zurück, der als Lauftherapeut tätig ist. Lediglich die Spannbalken seien vorhanden gewesen – „alles andere haben wir zusätzlich eingebaut“, so Bergs. Der großzügige Wohnraum ist offen gehalten – Pflanzen ranken sich um das Geländer der Galerie im oberen Bereich, von der aus man einen guten Blick in den Wohnraum hat. An die Küche, die Günther Bergs zusammen mit Heike erst kürzlich renoviert hat, grenzt ein Wintergarten mit Blick auf das weitläufige Außengelände, das teilweise naturbelassen ist.
Aus altem Kirschbaum wird Frühstücksregal
Über viele viele Jahre hinweg haben Bergs und seine damalige, inzwischen verstorbene Frau das komplette Anwesen Schritt für Schritt in Eigenarbeit renoviert und so ein einzigartiges Domizil mit beeindruckenden Details geschaffen. Wie in der Ferienwohnung im angrenzenden ehemaligen Wohnhaus, ist in der früheren Scheune nahezu alles selbst gemacht – gar einige Einrichtungsgegenstände: So hat der Maschinenbauer, der nach eigenem Bekunden in seiner Ausbildung viel in Sachen Kunstschmiedearbeiten gelernt hat, etwa aus einem kaputten Kirschbaum aus dem Garten ein markantes Frühstücksregal gezimmert. Kaffeemaschine, Toaster und Co. finden dort nun ihren Platz. Auch auffällig: Ein Baumstamm im unteren Eingangsbereich, um den sich der hölzerne Treppenaufgang schlängelt. An die Strapazen, bis der Baumstamm endlich ins Haus gehievt war, kann sich Bergs noch gut erinnern: „Das war vielleicht ein Aufwand“, sagt er und lacht.
Apropos Aufwand: Sein jüngstes Umbauprojekt – die Ferienwohnung, in deren Räumen einst die psychotherapeutische Praxis seiner verstorbenen Frau beheimatet war – hat Günther Bergs in der Corona-Zeit angepackt. Dass er sein Projekt am Ende gemeinsam mit einer neuen Partnerin fertigstellen und dies der Beginn „einer wunderbaren Zukunft“ werden würde, daran war zu diesem Zeitpunkt wohl noch keineswegs zu denken.
„Der Einstieg für dich, das Haus zu erobern“
Mit Hammer und Brechstange begann der Lauftherapeut, der während der Pandemie praktisch Berufsverbot hatte, die ehemaligen Praxisräume auszuhöhlen und zum Feriendomizil umzugestalten. Zur selben Zeit lernte er seine Heike kennen, die zuvor in Braunschweig beheimatet war. Die hatte zu diesem Zeitpunkt den Laufsport für sich entdeckt und war vom Ehrgeiz gepackt, an einem Firmenlauf teilzunehmen. Sodenn platzierte sie einige Fragen zu Kniebeschwerden in einem Internetforum – „und da kam ich ins Spiel“, sagt Günther Bergs grinsend. „Da gehen bei mir nämlich die Lichter an. Das ist schließlich mein Job.“ Die Tipps habe sie fleißig befolgt. „Es ist ein netter Schreibkontakt entstanden, irgendwann haben wir dann auch telefoniert“, erzählt die 56-Jährige, die zusehends ein Vertrauensverhältnis zu ihrer Glanbrücker Bekanntschaft aufbaute. So klang denn auch das Angebot verlockend, den Lauftherapeuten einmal in seiner westpfälzischen Heimat zu besuchen und dort den Urlaub zu verbringen. Fernreiseziele waren zu dieser Zeit ohnehin tabu.
Zwischen den beiden funkte es direkt. „Wir haben uns kennengelernt ohne den Aspekt, einen Partner kennenlernen zu wollen“, erklärt der 67-Jährige. Vermutlich habe es genau deshalb auch so gut funktioniert. In der ersten Zeit seien beide viel gependelt. „Wenn wir hier waren, haben wir viel zusammen gearbeitet“, sagt Günther Bergs und ergänzt mit Blick zu seiner Frau: „Das war der Einstieg für dich, das Haus zu erobern – trotz seiner Vergangenheit.“
Durch den „Urwald“ in den hinteren Garten
Allzu lang dauerte es nicht, ehe die 56-Jährige, die sich als Trainerin und Coach in Sachen Unternehmens- und Personalentwicklung selbstständig gemacht hat, den Entschluss fasste, die Zelte in ihrer Heimat abzubrechen und nach Glanbrücken zu ziehen. „Viele haben mich gewarnt und gefragt, ob ich wisse, dass ich hier ins Nichts komme“, sagt Heike Bergs, die nach eigenem Bekunden selbst in einem kleinen Dörfchen aufgewachsen ist. Nicht nur die Nachbarschaft sei super, generell fühle sie sich sehr wohl, sei voll angekommen. Wenngleich das große Haus mit weitläufigem Garten auch eine Herausforderung sei, so habe sie stets genau gewusst, worauf sie sich einlasse – und die Entscheidung nie bereut: „Ich liebe das Haus. Inzwischen ist es mit meins geworden“ , sagt sie ganz klar und ergänzt: „So wie andere Paare sich eine Heimat aufbauen, haben wir uns unsere Ferienwohnung aufgebaut.“
Und die ist schließlich der ganze Stolz des Paares, das zusammen mit Kater Brutus in den Bruchsteinmauern lebt. Dass die Wohnnung, die seit diesem Jahr so richtig auf dem Markt für Feriengäste ist, nun gar mit fünf Sternen ausgezeichnet ist, freut das Paar umso mehr. „Wir haben tolle Gäste hier“, berichtet Heike Bergs etwa von Besuchern von der Ostseeküste, aus der Karlsruher Gegend und aus Nordrhein-Westfalen. „Meistens sind es Paare. Manchmal sind auch Kinder dabei.“
Der vordere Teil des Gartens, durch den der Horschbach plätschert, steht Feriengästen offen, „der hintere Teil ist für uns“, erklärt Günther Bergs, der vor mehreren Jahren den Pfälzer Bergland Trail ins Leben gerufen hat. Um von dem einen in den anderen Bereich zu gelangen, durchschreiten die beiden gerne ihren Lieblingsweg, den „Urwald“, wie sie den schmalen Pfad am Bachufer liebevoll nennen. Dort, jenseits einer kleinen Holzbrücke, steht eine Bank, auf der das Paar abends gerne verweilt – dem rauschenden Bach lauschend, die Blicke in den erleuchteten Garten gerichtet. Von dort habe man im Frühjahr auch einen hervorragenden Blick auf die Rosenpracht, die das alte Bruchsteingemäuer umgibt. Die ist schließlich das Markenzeichen und die Namensgeberin ihres Herzensprojekts – ihres „Rosenschlösschens“.