Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Bürostuhl auf den Bahndamm: Was das Gesundheitsprogramm der Verwaltung bringt

Gar nicht mal so leicht: Mit den Händen im schnellen Wechsel eine Pistole und einen Hasen zeigen. Das ist eine von vielen Gehirn
Gar nicht mal so leicht: Mit den Händen im schnellen Wechsel eine Pistole und einen Hasen zeigen. Das ist eine von vielen Gehirnjoggingübungen beim Gesundheitswandern mit Jürgen Wachowski (rote Jacke).

Beamte sind Stubenhocker und bewegen sich maximal vom Bürostuhl zur Kaffeemaschine? Eine Gruppe der Kreisverwaltung beweist das Gegenteil – unter professioneller Anleitung.

Mitte November ist die Kreisverwaltung Kusel für ihre Bemühungen, möglichst viele Mitarbeiter in Bewegung zu bringen, als „Gesundes Unternehmen“ mit Gold ausgezeichnet worden. Das Zertifikat war an eine Reihe von Bedingungen geknüpft, die die Behörde in der Trierer Straße erfüllt hat – beispielsweise gibt’s Yoga-Angebote und Rückenschulungen für die Mitarbeiter. „Die meisten Kollegen verbringen viel Zeit mit typischen Büroarbeiten, also im Sitzen“, sagt Julietta Horbach, die sich mit einem Arbeitskreis um das betriebliche Gesundheitsmanagement kümmert. Die Auszeichnung sieht sie als Ansporn, „das hohe Niveau zu halten und zu verbessern“.

Besonders beliebt seien die Massagetermine mit einem Physiotherapeuten, der für seine Einsätze den großen Sitzungssaal in der Verwaltung temporär zur Praxis macht. Horbach: „Dafür gibt es lange Wartelisten.“ Abgesehen von einem zentralen Gesundheitstag im Jahr, betont Horbach, finden alle anderen Aktivitäten in diese Richtung außerhalb der Arbeitszeiten statt – „nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht“.

Wöchentliche Wanderung

Ein zentraler Baustein im Gesundheitsmanagement der Kreisverwaltung ist das wöchentlich stattfindende Gesundheitswandern. Das bietet Wanderexperte Jürgen Wachowski seit dem Start des Programms vor mehr als fünf Jahren an. Neben der Bewegung an der frischen Luft gibt es auch Gehirnjogging mit kleinen Übungen. Üblicherweise geht’s für die Gruppe vom Kuseler Messeplatz aus auf den Bahndamm, in Diedelkopf über die B420 und den Kuselbach und dann über den Haselrech und die frühere Kreismusikschule wieder zurück. Üblicherweise.

Markus Eberl (links) und Jürgen Wachowski bei einer Gleichgewichtsübung.
Markus Eberl (links) und Jürgen Wachowski bei einer Gleichgewichtsübung.

Beim Gesundheitswandern Anfang Dezember steht eine deutlich kürzere Route für das gute Dutzend Gesundheitswanderer an. Über „es Briggelsche“ geht’s direkt hoch zur früheren Musikschule am Haselrech: Es ist der letzte Termin in diesem Jahr. Doch ganz ohne Übungen geht auch der nicht über die Bühne: So gilt es abwechselnd mit den Fingern eine Pistole und einen Hasen (quasi das Victoryzeichen) zu bilden. Im schnellen Wechsel gar nicht so einfach ... „Mit solchen Übungen bringen wir das Gehirn ein bisschen auf Trab“, erläutert Wachowski. Das sei unter anderem für die Durchblutung des Gehirns gut und steigere die Konzentration.

Wanderauszeichnung für regelmäßige Teilnehmer

Klar, dass dabei auch viel gelacht wird. Das schätzen die Teilnehmer an der Gruppe – denn im Büroalltag gebe es oft nur wenig zu lachen, sagt eine augenzwinkernd. Andere heben den ungezwungenen Austausch mit Kollegen hervor: „Da sieht man auch Leute wieder, die in anderen Abteilungen arbeiten, und bekommt mit, was die gerade beschäftigt.“ Eine Teilnehmerin sieht den Bewegungsaspekt im Vordergrund: „So viele Schritte wie beim Gesundheitswandern würde ich an einem Bürotag sonst nie zusammenbekommen.“

Das Engagement – die für alle Mitarbeiter offene Wandergruppe trifft sich wöchentlich – wird mit Auszeichnungen belohnt. Denn die Gesundheitswanderungen zählen für das Deutsche Wanderabzeichen, sagt Wachowski, der am letzten Termin des Jahres Urkunden übergibt. Dafür wird die Teilnahme streng protokolliert, denn die Auszeichnung wird von manchen Krankenkassen anerkannt und als Sachleistung oder Zurückzahlung honoriert.

Jetzt geht’s in die Winterpause

„Das ist eine wunderbare Sache“, sagt Wachowski, dem das Wandern mit der Kreisverwaltung „heilig“ ist. „Es ist wirklich eine Herzensangelegenheit“, sagt er und verrät, dass das Gesundheitswandern bei einer anderen Behörde in Kusel nicht funktioniert habe. In der Kreisverwaltung gebe es längst einen festen Stamm, zu dem sich immer wieder auch neue Gesichter gesellen. „Das Wandern ist so unkompliziert. Da kann jeder mitmachen. Es braucht nichts dafür“, sagt Horbach und ergänzt: „Außer vielleicht festes Schuhwerk bei schlechtem Wetter.“

Schön, dass die Verwaltungsmitarbeiter so viel Spaß haben – aber was bringt das dem Bürger? Ein niedrigerer Krankenstand in der Verwaltung könne sich beispielsweise in schnelleren Bearbeitungszeiten von Anträgen niederschlagen und ein gutes Miteinander im Team sei auch für die Bürger zu spüren. Bei der Zertifikatsübergabe im November fasste AOK-Sprecherin Sandra Di Toro vor Verwaltungsmitarbeitern zusammen: „Wenn es Ihnen gut geht und wenn die Prozesse im Arbeitsablauf optimiert sind, dann merken das die Bürger.“

Jetzt macht die Kreisverwaltungs-Wandergruppe aber erstmal Winterpause. Im Februar, spätestens im März soll es wieder losgehen. Sicher übt der ein oder andere in der Mittagspause bis dahin weiter: Hase – Pistole, Pistole – Hase, Hase – ...

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