Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Statt in der Schule Unterricht zu Hause – wie läuft’s?

Statt in der Schule wird jetzt zu Hause am Computer gelernt.
Statt in der Schule wird jetzt zu Hause am Computer gelernt.

Schon drei Wochen gibt es wegen der Corona-Krise statt Schul- digitalen Unterricht. Die Schulen haben verschiedene Wege gefunden, um sich mit ihren Schülern auszutauschen. Über spezielle Lernplattformen, Apps, auf Schulhomepages und per Mail werden Aufgaben gestellt und bearbeitet. Zeit für eine Bestandsaufnahme.

In der Grundschule St. Julian gab es kein einheitliches Vorgehen, wie Lehrerin Anna Simon berichtet. Manche Klassenlehrer haben einen Plan für die drei Wochen mitgegeben, andere erstellen wöchentlich einen, der den Eltern per E-Mail zugesendet wird. Bisher habe es kaum Rückmeldungen gegeben und wenn, dann positiver Natur. Das Pensum scheint in Ordnung zu sein. Laut Simon dienen die Aufgaben alle dem Vertiefen des bereits gelernten Stoffes. Doch falls nach den Osterferien noch immer kein Unterricht stattfinden kann, müssen auch neue Lerninhalte vermittelt werden. Hierzu habe man schon das Drehen von Lernvideos ins Auge gefasst.

Simon hofft, dass die Eltern die nötige Zeit und Geduld aufbringen können, um ihren Kindern beizustehen. Es sei für alle eine extreme Situation, Lehrer vermissen ihre Kinder und „es sind keine Ferien“ stellt die Lehrerin klar. Ständig sei man in Hab-acht-Stellung, um bei Rückmeldungen und Fragen schnell helfen zu können. Positiv sei, dass momentan Aufräumarbeiten stattfinden können, für die im normalen Schulbetrieb die Zeit fehlt.

Schüler werden vermisst

Obwohl mittels App Sdui, per Mail und auch telefonisch in regem Kontakt, werden auch in der Realschule plus Kusel die Schüler schon vermisst, wie Schulleiterin Nina Dahlke berichtet. Es wurde einiges ausprobiert und nun nutzt die Schule die App, die auch fast alle Schüler und Eltern auf Rechnern und Handys installiert haben. Jeder Lehrer hat seinen eigenen Ordner, in dem er mit Schülern kommunizieren kann. Dort können Arbeitsaufträge eingestellt und die bearbeiteten Aufgaben hochgeladen werden. Zu Beginn konnten alle Beteiligten die Rückmeldungen lesen, doch auch dieses Problem bekam die Schule schnell in den Griff.

Schlechte Internetverbindungen, dass manche Schüler nur ein Handy haben und einige auch Arbeitsblätter nicht ausdrucken können, erschwerten in Einzelfällen das digitale Lernen. Die neue Wissensvermittlung habe sich als ein hartes Stück Arbeit herausgestellt, vor allem die erste Woche sei schrecklich gewesen. Auch was das Arbeitspensum betrifft, waren viele Unsicherheiten vorhanden. „Muss man die Kinder von 8 bis 13 Uhr beschäftigen?“ war eine Frage, und Dahlke ist sicher, dass alle Lehrer etwas zu viel an Arbeiten aufgegeben haben, nun aber entspannter an die Sache gehen können. Denn das Ministerium habe klar gesagt, dass Kindern durch die aktuelle Situation keine Nachteile entstehen sollen.

„Das Telefon steht nicht still“, und bisweilen sind Lehrer auch bis abends aktiv, weil der digitale Unterricht und Home-Office eben auch eine freie Zeiteinteilung erlauben. Zu ihrer Arbeit gehöre auch eine Art Telefonseelsorge und man lerne, mehr Geduld und Rücksicht aufzubringen. Man habe versucht, einen Test über eine Videokonferenz durchzuführen, aber die Kinder seien extrem nervös gewesen. In Fünfer-Gruppen würden nun gelegentlich Videokonferenzen abgehalten.

Arbeitspläne auf der Homepage

Die IGS Schönenberg-Kübelberg/Waldmohr hat die meisten Arbeitspläne über die Homepage klassenweise und nach Fächern geordnet bereitgestellt. Diese PDF-Dateien können die Schüler herunterladen und bearbeiten. Für Rückfragen und das Zusenden der erledigten Aufgaben sind die Mailadressen der Fachlehrer hinterlegt, berichtet Schulleiter Uwe Steinberg. Diejenigen, die bereits Erfahrung mit der Lernplattform Moodle hatten, in erster Linie die Oberstufe, nutzten diese.

Die Rückmeldung der Schüler sei bisher sehr unterschiedlich. Sobald die Schule wieder starte, gelte es die gestellten Aufgaben noch einmal aufzuarbeiten und alle auf den gleichen Stand zu bringen. Da profitierten jene Schüler, die die Zeit jetzt nutzten und dann nicht so viel nachzuholen hätten. „Null Rückmeldung“ habe es bisher von Eltern gegeben, also sei das Pensum gut gewählt. „Liebend gerne hätten wir wieder die Normalität“, betont Steinberg, der aktuell die Matheaufgaben seiner Schüler per Mail erhält, korrigiert und mit Anmerkungen zurücksendet.

Mutter sieht viele Vorteile

„Es ist total entspannt und läuft richtig gut“, berichtet Lea Kramer, deren acht- und elfjährige Söhne die Grundschule Lauterecken besuchen. Die Wochenpläne könnten bearbeitet werden, und vor allem der Ältere organisiere seine Arbeiten selbstständig sehr sinnvoll. Auch Partnerarbeiten über Whatsapp funktionierten, aber das Treffen der Freunde fehle den Kindern trotzdem. Wichtig ist Kramer die Regelmäßigkeit, daher beginnen die Jungen mit ihren Übungen etwa um 9 Uhr und sind bis zum Mittagessen beschäftigt. Am Nachmittag stehen dann hauptsächlich Spaziergänge und kreative Arbeiten an.

Kramer sieht viele Vorteile, denn ihre Söhne arbeiten konzentriert in eigenem Tempo, ohne Stress und können die Aufgaben in einer selbstgewählten Reihenfolge bearbeiten. Es gibt nur eine feste Vorgabe: „Jeden Tag wird in jedem Fach etwas gemacht.“ Insgesamt sei das Lernen intensiver, mehr Lust vorhanden und auch die kleine Schwester, die noch die Kita besucht, interessiert sich bereits für die Arbeiten ihrer Brüder.

Zur Sache: Eigene Erfahrungen

Ein wenig fühlt es sich an wie immer. Gegen 13.30 Uhr steht der Sohnemann im Büro, doch dann geht es ganz anders zu als gewöhnlich. Während ich normal die W-Fragen abfeuere (Wie war’s? Was gibt´s Neues? Wurden Zettel verteilt?), gibt es nur die eine: Was hast du die Nacht gemacht? Eine Frage, die sich viele Eltern 16-Jähriger stellen, doch in diesem Fall werden keine Horrorszenarien erwartet. Statt „Schock deine Eltern, lies ein Buch“, praktiziert mein Sohn derzeit: „Schock deinen Lehrer, schicke Power-Point-Präsentationen um 3.45 Uhr oder frage den Lehrer, ob 2.30 Uhr nachts früh genug ist, wenn die Arbeit morgens während der „normalen“ Schulzeit ankommen sollte.

Natürlich sollte man einen gewissen Tagesablauf beibehalten, doch muss das auch zwingend für Teenager gelten? Warum mit Uhrzeiten stressen, wenn sich der Tagesablauf zwar um ein paar Stunden verlagert, die Arbeiten jedoch gemacht werden. Es ist schon schwierig genug, nur zu Hause zu sitzen oder Freunde an der Haustür abzuwimmeln, weil man sich an die Regelungen halten will. Außerdem: Früher war für die Schule der Begriff „Penne“ geläufig, und nun pennt mein Sohn eben während der Penne-Zeit.

Frisch geduscht und gestärkt geht es dann am frühen Nachmittag an die Lateinvokabeln, die ich mittlerweile fast sogar der Reihe nach aufsagen kann; Sozialkunde-Aufgaben wie „Frage deine Eltern nach ihren Erfahrungen mit der Kommunalpolitik“ können dann auch mal eine Stunde dauern. Englisch lässt sich nachts vorzüglich mit Muttersprachlern übers Internet praktizieren – nicht selten ist es dann im weiteren Sinne auch eine Sozi-Stunde, wenn Trumps Eskapaden Thema sind – wobei die Ausdrucksweise Lehrern wohl kein Lächeln aufs Gesicht zaubern würde.

IT-Hausaufgaben und auch Mathe sind Dinge, die ich mir ansehe, aber schnell zu den nächsten Fächern übergehe. Meinem Mann drücke ich die Überwachung der Sportaufgaben (20 Minuten Joggen) aufs Auge, dafür krame ich in Erinnerungen an „Der Richter und sein Henker“ und wenn in Kunst eine Landschaft gemalt werden soll, präsentiere ich Urlaubsfotos – in Erinnerungen schwelgen inklusive.

Die App Sdui, welche das Veldenz-Gymnasium Lauterecken nutzt, funktioniert reibungslos auf dem PC (wenn sich auch das Handy meines Sohnes standhaft gegen die Installation wehrt), die Kommunikation ist freundlich und positiv, Lehrer geben Tipps und beantworten Fragen. Unter dem Strich eine gute Lösung. sbs

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