Polizistenmord
Staatsanwaltschaft klagt Andreas S. nun doch wegen Wilderei bei Spiesen an
Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken klagt den mutmaßlichen Polizistenmörder von Ulmet, Andreas S., an, im Jahr 2017 bei Spiesen im Saarland gewildert zu haben. Damit bestätigen die saarländischen Ermittler eine Recherche der RHEINPFALZ vom Februar und nehmen einen Fall wieder auf, den sie vor Jahren zu den Akten gelegt hatten.
In Jägerkreisen im Saarland, in der Westpfalz und in Lothringen war seit Jahren gemunkelt worden, dass Andreas S. wilderte. Er prahlte schon lange mit seiner Treffsicherheit, der Menge erlegten Wildes und dass er dies stets per Kopfschuss töte. Ein paar Jäger unterstützten ihn, etliche sahen weg, andere hatten Angst. Mindestens vier Jäger aber erstatteten 2017 Anzeige gegen Andreas S. und sagten auch gegen ihn aus. Dabei ging es um drei Vorfälle von Wilderei, alle im Saarland: einmal bei Spiesen, einmal bei Peppenkum und einmal bei Altheim.
Bei Spiesen hatte ein Jäger Anfang September 2017 beobachtet, wie Andreas S. in der Abenddämmerung ein Reh auf einer Wiese schoss, die zum Revier des Jagdpächters von Spiesen gehörte. Der Jäger sah, dass Andreas S. das getötete Tier vergeblich im hohen Gras suchte und sich dann in sein Bäckerauto setzte und davonfuhr. Der Jäger rannte auf den Feldweg, winkte mit beiden Armen und wollte den Wagen so stoppen. Doch Andreas S. raste auf ihn zu. Im letzten Moment sprang der Jäger in den Graben, um nicht überfahren zu werden. Am nächsten Morgen wurde Andreas S. dabei beobachtet, wie er zusammen mit einem eng befreundeten Polizisten in der Wiese nach dem erlegten Reh suchte.
Was Andreas S. und der Polizist nicht wussten: Der Jagdpächter von Spiesen hatte in der Zwischenzeit das Reh gefunden und mitgenommen. Der Pächter erstattete Anzeige. Der Jäger, der den Schuss beobachtet hatte, sagte gegen Andreas S. aus. Doch S. brachte plötzlich zwei Zeugen bei, die ihm für den fraglichen Abend ein Alibi gaben. Andreas S. zeigte zudem den Jäger, der ihn beobachtet hatte, wegen Verleumdung an. Die Staatsanwaltschaft stellte daraufhin alle Verfahren ein.
Im Februar dieses Jahres, nach den Polizistenmorden von Kusel, deckte die RHEINPFALZ den Fall auf. Die Artikel brachten die Ermittlungen wieder in Gang. Als im Juli einer der beiden Alibi-Geber beim Mordprozess in Kaiserslautern aussagte und sein Alibi von 2017 widerrief, waren die Würfel gegen Andreas S. gefallen: Die Staatsanwaltschaft führte die Ermittlungen bis zur Anklage. Sie ermittelt auch wegen der anderen von der RHEINPFALZ aufgedeckten mutmaßlichen Wilderertouren von Andreas S..
Das recherchierte die RHEINPFALZ im Februar dazu und das ebenfalls.
Ein Video vom Tatort der Wilderei von Spiesen, alle Artikel über den Prozess, weitere Texte zu den Hintergründen, Videos von weiteren Orten der Wilderei und Fotos sind im Blog zu finden.