Kusel
Spider Murphy Gang gibt ihr spätes Debüt
Flotte Rhythmen, ein ausverkauftes Haus und eine ordentliche Portion Nostalgie: Die Spider Murphy Gang aus München bescherte am Sonntag allen Kulturfreunden des Landkreises Kusel einen stimmungsvollen Auftakt in die neue Spielzeit. Wer sich zu Beginn einen Schwenk über die Publikumsplätze in der proppenvollen Fritz-Wunderlich-Halle genehmigt, dem ist sofort klar: Die meisten waren damals schon dabei, als die Spider Murphy Gang im Sog der Neuen Deutschen Welle zu Beginn der 80er Jahre richtig auf Touren kam.
Ihr klassischer Rock’n’Roll im bayrischen Slang prägte diese kurze Phase deutscher Musikgeschichte entscheidend mit. Weil letztlich aber zu viele mehr oder minder Kreative die schnelle Kohle witterten, gab’s bald ein Überangebot an textlicher Einfalt, die zu oft nur zu halbgaren Songs zusammengeschustert wurde. Das Publikum hatte bald genug davon, so ebbte die anfangs steile Welle schnell wieder ab und mündete nach nur drei Jahren fließend in einen stillen Bergsee.
Verrückte Anfangstage
Glücklicherweise sind ein paar Etablierte aus jenen verrückten Anfangstagen übrig geblieben. Günther Sigl und Barny Murphy gehören als Gründer der Spider Murphy Gang fraglos dazu. Ihre erste Ankündigung des Abends klingt geradezu verheißungsvoll: „A Überdosis Rock’n’Roll“ wollen die Musiker servieren. Dabei sind sie nicht allein. Die Bühne ist geradezu zugepflastert mit Instrumenten und Musikern. Willie Duncan (Gitarre), Otto Staniloi (Saxofon, Tuba), Wolfgang Götz (Klavier, Akkordeon), Dieter Radig (Percussion) und Andreas Keller (Schlagzeug) unterstützen die beiden Sänger und Gitarristen vollumfänglich und präsentieren einen Sound, der den Funke zum Publikum schnell überspringen lässt.
Nach anfangs flotten Tönen mit Titeln wie „Rock’n’Roll Schuah“ ist die Zeit reif für zwei Balladen. „Rosemarie“ und „Sommer in der Stadt“, eine Hommage an ihre Heimat München, erklingen, ehe mit der „Schickeria“ einer der größten Hits der Band ertönt. Es folgt ein weiterer Klassiker mit „Elisabeth“, einem Loblied auf alle verflossenen Frauen. Was für alle Songs gleichermaßen gilt: Bayrische Sprachkenntnisse sind wahrlich von Vorteil, um dem lyrischen Treiben der Musiker uneingeschränkt folgen zu können.
Erstes Konzert in Kusel
Auf der Bühne ist Alt-Rock’n’Roller Günther Sigl, Dreh- und Angelpunkt des Abends. Der 78-Jährige gibt zwischen den Stücken immer wieder den charmanten Plauderer, der Kusel als noch weißen Fleck in der Landkarte der Band ausmacht. „Hier haben wir noch nie gespielt“, gesteht er gleich zu Beginn. Das Publikum hat er von Anfang an hinter sich. „Wollt Ihr noch mehr Rock’n’Roll hören?“, hallt es von ihm in den Saal. Natürlich wollen sie. Etwas anderes hätten die Musiker auch gar nicht im Gepäck gehabt.
Und so geht der „original bavarian Rock’n’Roll“ munter weiter. Eine richtige Verschnaufpause gönnen sich die Musiker nicht. Lediglich für knappe zehn Minuten verschwinden sie hinterm Vorhang. Diese Zeit nutzt Drummer Andreas Keller für ein wahrlich spektakuläres Schlagzeugsolo. Dann geht’s im Kollektiv weiter mit dem Puls für den richtigen Beat aber dennoch stets tiefenentspannt – Gitarrist Barny Murphy steckt sich schon mal mitten im Gig auf der Bühne einen Glimmstängel an.
Höhepunkt mit Rosi
Nach der Peepshow-Hymne „Ich schau Dich an“ fordert Günther Sigl das Publikum schließlich zum Tanzen und zu „kontrollierter Euphorie“ auf. Bill Haleys „Rock around the Clock“ sorgt für Stimmung und reichlich Bewegung zwischen den Stühlen und auf dem Parkett, ehe die Show auf die Zielgerade zusteuert.
Der größte Kracher der Band darf natürlich nicht fehlen. „Skandal im Sperrbezirk“ um die berühmte Telefonnummer von Rosi, einer fiktiven Dienstleisterin im Bayern der achtziger Jahre, ist der Höhepunkt eines Abends, an dem vielen im Saal auch die Erinnerung an jene Zeit vor 40 Jahren mit ihrer ähnlich angespannten weltpolitischen Lage ins Gedächtnis zurückgeschwappt sein dürfte.
Überdosis tut gut
Die anfangs des Abends angekündigte „Überdosis Rock’n’Roll“ bewährte sich schon damals als angenehme Ablenkung vom volatilen Weltgeschehen. Glücklicherweise hat diese bewährte Rezeptur auch vier Jahrzehnte später bei ähnlichen globalen Gegebenheiten nichts von ihrer uneingeschränkt wohligen Wirkung auf Körper und Geist verloren.