Kusel
Sparen mit der RHEINPFALZ: Kleidung aus zweiter Hand
Herrlicher-Jeans für 20 statt 100 Euro, Adidas-Turnschuhe für 29 statt 120 Euro, ein Kleid von Comma – mit Etikett – für 26 statt 90 Euro. Solche Beispiele gibt es im Secondhandladen in der Kuseler Bahnhofsstraße viele. Sandra Schultheiß ist Inhaberin und weiß: „Mit Secondhandware kann man schon einiges sparen.“ Etwa ein Fünftel des Neupreises koste die Kleidung aus zweiter Hand. Pauschal auf alles beziehen könne man das jedoch nicht, wie sie sagt. Schließlich hänge der Preis von vielen Faktoren ab: Hing der Strickpulli 20 Jahre im Schrank oder ist er neu? Gibt es noch ein Etikett? Lassen sich bereits herausgezogene Fädchen feststellen oder ist er in einwandfreiem Zustand?
40 Prozent des Verkaufspreises gehen dabei an den Kunden, der den Strickpulli abgibt, 60 Prozent an den Laden. Die Bandbreite dort ist groß, reicht von Größe XS bis XL, von Schuhen über Taschen bis hin zu Schmuck und Kaschmir-Pullis. Während so manches Teil noch nie getragen wurde, weisen andere Stücke kleine Gebrauchsspuren auf. Schultheiß holt besagte Adidas-Schuhe aus dem Regal, die nur noch einen Bruchteil vom Originalpreis kosten. Von oben sehen sie aus wie neu, nur auf der Unterseite der dicken rosa Sohle sind ein paar Verfärbungen zu erkennen. „Man sieht, die Schuhe sind zwar getragen, aber sie sind in einem super Zustand“, sagt sie. Deshalb könne man hierfür auch etwas mehr als ein Fünftel des Neupreises verlangen.
Vier Parteien profitieren von Secondhand
Schultheiß zufolge bringen immer mehr Menschen ihre ausrangierte Kleidung im Laden vorbei. „Wir haben fast schon das Problem, dass wir gar nicht alles nehmen können“ , sagt die 53-Jährige aus Reichweiler. Sechs bis acht Wochen verbleibt die Kleidung im Laden. Was bis dahin nicht an die Frau gebracht wurde, geht wieder zurück an die Besitzerin oder wird gespendet, etwa an die Bethelsammlung oder die Kleiderkammern Landstuhl und Kaiserslautern.
Früher habe man gesagt, Secondhandkleidung sei für ärmere Leute. Das habe sich jedoch gewandelt. Inzwischen kämen diejenigen Kunden, die es aus finanzieller Sicht gar nicht nötig hätten, die sich aber fragen, wieso sie 100 Euro für eine Jeans ausgeben sollen, wenn sie sie hier für ein Fünftel haben können, sagt die Inhaberin. Gerade jetzt, bei den steigenden Preisen überall, sei der Spargedanke ein wichtiger Faktor bei den Kunden. Auch Menschen mit Hautproblemen, die lieber auf mehrfach gewaschene Kleidung zurückgreifen, kauften gerne im Secondhandladen ein.
Schultheiß beobachtet, dass immer mehr Menschen Gefallen am Secondhandmodell finden. Zum einen hätten die Leute durch die Corona-Pandemie mehr Zeit gehabt, um zu Hause auszumisten, zum anderen habe auch ein Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit stattgefunden. Denn schließlich lässt sich mit Secondhandware nicht nur bares Geld sparen, auch die Umwelt wird entlastet. Gerade diesen Aspekt findet Schultheiß, die den Laden vor zwei Jahren übernommen hat, besonders wichtig. „Meine Tochter hat immer gesagt, bei Secondhand profitieren vier Parteien von einem Kleidungsstück: der Laden, derjenige, der es bringt, der Kunde, und die Umwelt freut sich auch.“
Nur noch für die Damen
Und so verwundert es kaum, dass in letzter Zeit nicht nur mehr Jüngere, sondern auch mehr Männer den Kopf zur Ladentür hineinstrecken, um in Erfahrung zu bringen, ob es dort etwas für sie gibt. Die Männer muss Schultheiß jedoch enttäuschen. „Wir haben nur Damensachen.“ Ihre beiden Vorgängerinnen hätten anfangs auch Herren- und Kinderkleidung im Sortiment gehabt. Diese sei damals jedoch wenig gefragt gewesen, weshalb ihre Vorgängerinnen sowie anschließend Schultheiß beschlossen haben, den begrenzten Platz im 65 Quadratmeter großen Laden nur für Damenkleidung zu nutzen. „Es geht nicht anders“, sagt die Inhaberin. „Wir kriegen immer mehr gebracht als sich verkaufen lässt.“
Wenn nun aber jemand auf die Idee kommen würde, etwa nebenan in einem leerstehenden Geschäft einen Herren-Secondhandladen zu eröffnen, würde das die 53-Jährige durchaus begrüßen. „Ein kleiner Herren-Secondhandladen – das wäre schön.“ Generell glaubt sie, dass es künftig mehr Secondhandläden geben wird – auch bei uns. In Holland etwa finde man bereits jetzt an jeder Ecke einen.
Oktoberfest, Hochzeit oder Rockkonzert
Auch wer für einen bestimmten Anlass etwas zum Anziehen sucht und für einen Abend nicht viel Geld ausgeben will, der kann im Secondhandladen fündig werden. So manche Kundin habe hier bereits ihr Outfit für eine Mottoparty oder ein Rockkonzert ergattert. Auch Dirndl oder Cocktailkleider gebe es immer mal wieder.
Und bei was lässt sich nun am meisten sparen? Schuhe, Jacken und Jeans, nennt die Ladeninhaberin nach kurzem Zögern. Doch genau wie bei der Festsetzung des Preises gilt: Es kommt immer auf verschiedene Faktoren an.