Lauterecken / Wolfstein Sommerliche Ausfahrt mit Hoch- und Niedrigfahrrädern entlang der Lauter

Grüß Gott! Guido Heddergott aus Mainz grüßt bei der Ausfahrt von einem „Witwenmacher“ aus die Menschen am Fahrbahnrand.
Grüß Gott! Guido Heddergott aus Mainz grüßt bei der Ausfahrt von einem »Witwenmacher« aus die Menschen am Fahrbahnrand.

Am Samstagvormittag fanden sich in Lauterecken auf dem Vorplatz des Schlosses Veldenz gut 50 Radfahrer zusammen, um an der von Thomas Rheinheimer organisierten „Historischen Radtour“ teilzunehmen. Sie waren mit „Witwenmachern“ und Niedrigfahrrädern unterwegs – antike Gefährte, die an längst vergangene Zeiten erinnern.

Bereits um 9 Uhr versammelte sich am Samstag ein buntes Völkchen vor dem Schloss. Die Teilnehmer, gekleidet wie in Uropas-Zeiten, sorgten für ein nostalgisches Ambiente: Frauen in eleganten Sommerkleidern und Männer in weißen Hemden, Hosenträgern, Kniebundhosen und Schiebermützen. Die größte Aufmerksamkeit erregten jedoch die neun „Witwenmacher“, Hochräder, die ihren Namen den zahlreichen Stürzen und deren schlimmen Folgen verdanken.

Thomas Rheinheimer, der Organisator der Ausfahrt, fuhr selbst eines dieser Hochräder, einen tschechischen Nachbau. Jürgen Menger aus Darmstadt, ebenfalls mit einem Nachbau unterwegs, war extra angereist und hatte im Pfälzer Hof übernachtet. Beide Männer gehören dem Opel Club 1888 an und hatten kürzlich an der historischen Radtour „Velo Vino“ in Weinheim teilgenommen, bei der 200 Teilnehmer zusammenkamen. Menger, der als Kind Schülerrennen fuhr und lange keine Zeit für das Radfahren hatte, widmet sich seit einigen Jahren wieder diesem Hobby. Bei der fünften Historischen Radtour von Rheinheimer war er das erste Mal dabei und zeigte sich begeistert von der schönen Landschaft.

Mitfahrer kommen auch aus Belgien

International wurde es durch die 13 Belgier, die mit Wohnmobilen angereist waren. Rheinheimer hatte sogar einen holländischen Dolmetscher organisiert, um die Gäste in ihrer Landessprache begrüßen zu können.

Am Veldenzschloss sammelten sich die Radfahrer.
Am Veldenzschloss sammelten sich die Radfahrer.

Die Teilnehmer erzählten gerne Geschichten über ihre historischen Fahrräder. So waren die alten Modelle oft robuster und leichter zu reparieren. Der 77-jährige Alfred Preuhsler aus Mainz, der älteste Teilnehmer, fuhr ein Bianchi-Rennrad aus dem Jahr 1976. Norbert Hauer aus Obermoschel, 75 Jahre alt, startete mit einem Bauer-Rennrad von 1952. Er erzählte, dass er früher dem Motorsport nachgegangen sei und daher früher Benzingespräche geführt habe, heute seien es eben Fahrradgespräche. Das Fahren mit dem Hochrad wolle er jedoch nicht mehr ausprobieren, da besonders das Auf- und Absteigen nicht ungefährlich seien.

Zur Abkühlung geht’s ins Bergwerk

Mike Jürgens aus Remscheid, zum dritten Mal bei der Historischen Radtour dabei, fuhr ein Bismark-Fahrrad von 1930. „Ich habe das Fahrrad bei Ebay für 80 Euro ersteigert und dann mit dem Auto in Stuttgart abgeholt“, erzählte er.

Um 10.15 Uhr machten sich die Teilnehmer auf den Weg. Rheinheimers Lebensgefährtin folgte mit dem „Besenwagen“, bereit, erschöpfte oder verletzte Radfahrer aufzulesen. Vom Schloss Veldenz aus führte die Strecke durch die Stadt auf den Radweg nach Wolfstein. Dort war der Besuch des Kalkbergwerks vorgesehen. „Da drin sind es 13 Grad, das können wir bei der heutigen Hitze gut gebrauchen“, bemerkte Rheinheimer. Nach dem erfrischenden Besuch ging es zurück nach Lauterecken.

Den Abschluss der Tour bildete ein gemeinsames Essen im Restaurant Fachwerk, wo Rheinheimer jedem Teilnehmer eine Goldmedaille zur Erinnerung überreichte. Ein Wiedersehen im nächsten Jahr zur sechsten Historischen Radtour ist bereits geplant, wie Rheinheimer verriet.

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