Kusel
Schweinepest auf dem Vormarsch – aber noch nicht im Kreis angekommen
In Ostdeutschland ist die Afrikanische Schweinepest schon aufgetreten, auch in den Landkreisen Alzey-Worms und Mainz-Bingen wurde das Virus bereits bei Wildschweinen nachgewiesen. In Südhessen grassiert die Seuche seit Juni. Vorrangig betroffen ist der Kreis Groß-Gerau, wo Bestände von Hausschweinen gekeult werden mussten. Weitere Fälle betreffen die Kreise Darmstadt-Dieburg sowie Bergstraße.
In der daraufhin errichteten Sperrzone II („infizierte Zone“), die von Wiesbaden bis Bürstadt im Süden reicht, gelten ein Jagdverbot und eine Leinenpflicht für Hunde; Radfahrer und Reiter dürfen in Waldgebieten nur noch auf gekennzeichneten Wegen unterwegs sein. Feldarbeiten müssen genehmigt werden, um ein Aufschrecken der Wildschweine und eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die Sperrzone I erstreckt sich vom Taunus im Norden bis Ludwigshafen im Süden, von Dieburg im Osten bis Kirchheimbolanden im Westen. In dieser sogenannten Pufferzone wird zu verstärkter Jagd auf Wildschweine aufgerufen, für Schweinehalter gelten Einschränkungen. Um Betriebe mit ASP-Nachweisen gibt es zudem eine Sperrzone III, die eine Schutzzone mit einem Radius von drei Kilometern vorsieht. Für Schweine aus diesem Gebiet gelten besondere Regelungen.
Krisenzentrum schnell einsatzbereit
Bisher ist der Kreis Kusel ebenso wie die übrigen pfälzischen Landkreise von der Seuche verschont geblieben. Doch Kreisjagdmeister Bernd Klinck warnt, dass die Seuche bald im Landkreis auftreten könne. „Wenn die ASP durch den Mensch übertragen wird, dann geht das schnell. Die Seuche kann am Tag 400 Kilometer zurücklegen“, weiß der Jäger aus Ulmet. Deshalb liege der Fokus auf Prävention. Klincks wichtige Warnung: „Auf keinen Fall darf man Essensreste hinterlassen.“ Doch will er auch keine Panik verbreiten: „Wir sind vorbereitet.“ So hätten Jäger, Landwirte und der Forst Konzepte erstellt, im vergangenen Jahr fanden bereits Übungen statt. Besonders wichtig sei es, erste Fälle sofort zu erkennen. Wer verhaltensauffällige Tiere oder schon verendete Tiere sieht, solle diese gleich melden. Hunde sollten an die Leine genommen werden, empfiehlt Klinck.
Der Landkreis Kusel ist nach Angaben der Kreisverwaltung mit den Kreisen Kaiserslautern, Donnersberg, Birkenfeld und der Südwestpfalz im Tierseuchenverbund Westpfalz organisiert. Durch den Zusammenschluss der Verbundpartner werde gewährleistet, dass im Krisenfall unverzüglich personelle, sächliche und logistische Ressourcen aktiviert werden können. Das Krisenzentrum in Kaiserslautern sei innerhalb weniger Stunden einsatzbereit, erläutert Kreissprecherin Karla Hagner.
Fälle melden
Den Landwirten sei die große Gefahr durch die Seuche bewusst, sagt Marcel Müller, Kreisvorsitzender der Bauernschaft. „Wir appellieren an die Landesregierung, Maßnahmen zu Eindämmung der Seuche zu ergreifen.“ Müller verweist dabei auf das Vorbild der ostdeutschen Bundesländer. Mit Einrichtung von Sperrbezirken und Zäunen sowie Intensivierung der Jagd seien Erfolge in der Seuchenbekämpfung erzielt worden. „Wir haben es nicht in der Hand“, findet Müller.
Laut aktuellen Informationen des Friedrich-Löffler-Instituts wird die Gefahr des Auftretens der ASP bundesweit als hoch eingestuft. In Deutschland habe die Verhinderung einer weiteren Ausbreitung im Wildschweinbereich höchste Priorität. Durch schnelle und konsequente Maßnahmen könne diese eingedämmt werden. Insbesondere Jäger, Förster und Schweinehalter seien über Sicherheitsmaßnahmen informiert und gebeten, aufgefundenes Fallwild zu melden. Hierzu gibt es im Internet auf tierfund-kataster.de die Möglichkeit. Tote Wildschweine können auch bei der Polizei, den zuständigen Jagdpächtern oder beim Veterinäramt gemeldet werden.
Für Menschen ungefährlich
Die Afrikanische Schweinepest ist eine anzeigepflichtige Tierseuche bei Haus- und Wildschweinen. Sie wird durch ein Virus hervorgerufen. Die Tierseuche ist durch eine hohe Krankheits- und Sterblichkeitsrate gekennzeichnet. Als Überträger der ASP gelten erkrankte Schweine, aber auch virushaltige Tierkadaver sowie Schlacht- und Speiseabfälle. Impfstoffe existieren derzeit nicht.
Für Wild- und Hausschweine ist die Viruserkrankung nicht heilbar und verläuft fast immer tödlich. Für Menschen und andere Tierarten ist sie laut Bundesagrarministerium ungefährlich, auch eine Ansteckungsgefahr durch den Verzehr von infiziertem Schweine-/Wildschweinfleisch besteht nicht. Das Virus wird über den direkten Kontakt zwischen infizierten und nicht infizierten Tieren übertragen, vor allem über Blutkontakt. Es kann aber auch indirekt über verschmutzte Gegenstände wie Werkzeuge, Autos, Schuhe, Lebensmittel und kontaminiertes Futter von einem Tier aufs nächste übergehen. Die Seuche kann außerdem durch infizierte Wurst- und Fleischprodukte oder Speiseabfälle – die etwa an Raststätten zugänglich für die Tiere sind – verbreitet werden. Im ungünstigsten Fall reiche ein achtlos weggeworfenes Wurstbrot aus, um das Virus auf Wild- und Hausschweine zu übertragen.