Pfeffelbach
Rund 200 Menschen demonstrieren gegen AfD
Es war noch frisch am Sonntagmorgen in Pfeffelbach. Die Werte auf dem Thermometer bewegten sich um den Gefrierpunkt. Die Kälte machte rund 200 Demonstranten jedoch nichts aus. Dass sie nach Pfeffelbach kamen, lag am Neujahrsempfang des AfD-Kreisverbands im einige Hundert Meter vom Demo-Ort entfernten Dorfgemeinschaftshaus.
Der Kuseler Sozialarbeiter Bastian Drumm hatte zur Versammlung unter dem Motto „Waffeln und Kaffee gegen AfD“ aufgerufen. Viele Menschen kamen aus dem gesamten Kreis, dem Saarland, teils sogar aus dem Hunsrück nach Pfeffelbach. So auch Franz Fuchs aus Erdesbach – „das ist meine erste Demo überhaupt“. Fuchs’ Motivation: Er habe in den vergangenen Wochen viele schlimme Aussagen von AfD-Anhängern gehört, die er nicht hinnehmen wolle. Deshalb demonstriere er in Pfeffelbach gegen die AfD und gegen Rassismus im Allgemeinen.
Drumm: Aufkeimender Rassismus
Als erstes ergriff der Pfeffelbacher Karl Matzenbacher das Wort. Nach seinen Worten gehört er den Grünen an. Mit seinem Auftritt wolle er verdeutlichen, „dass nicht ganz Pfeffelbach hinter der AfD steht“. Der Partei gehörten Feinde der Demokratie an. „Wir brauchen keinen Kaiser und keinen Führer in Deutschland.“ Diejenigen, die es nicht für notwendig halten, auf die Straße zu gehen, „haben einen an der Waffel“, sagte er schroff.
Veranstalter Drumm wies auf einen aufkeimenden Rassismus hin, „von einer gemeinsamen Front von Nazis, Konservativen, besorgten Bürger, Identitären und Pseudo-Volksparteien“. Wir lebten in „einer Zeit, wo die AfD auf über 20 Prozent kommt und Nazi-Terrorgruppen Nährboden zur Entfaltung finden“. Auch die in den Startlöchern stehende Partei „WerteUnion“ bezeichnete Drumm als Nazipartei. Die Zeit sei geprägt durch Wut und Hass auf Andersdenkende und Flüchtlinge – Menschen, die auf der Suche nach Schutz, Solidarität, Hilfe und einem besseren Leben sind. Hass, Hetze, rechte Propaganda und Beschimpfungen würden von der Mitte der Gesellschaft vorangetrieben. „Wer AfD wählt, ist doof oder selber Nazi“, rief Drumm den Zuhörern zu.
Staudt: Anzahl der AfD-Mitglieder verdoppelt
Während ein großes Polizeiaufgebot penibel darauf achtete, dass sich die beiden Lager nicht allzu nahe kamen – beide Personengruppen verhielten sich friedlich –, füllte sich das Pfeffelbacher Bürgerhaus mit AfD-Vertretern und Unterstützern. „Dass gegen unsere Partei demonstriert wird, kann ich nicht verurteilen. Das ist Meinungsfreiheit“, sagte der stellvertretende Kreisvorsitzende, Alwin Zimmer.
Er betonte, dass die Partei im Aufwärtstrend sei – auch im Kreis. „Jede Woche erhalte ich einen Mitgliedsantrag. Viele wollen es nicht hinnehmen, dass die AfD so schlecht behandelt wird“, betonte er. Der Kreisvorsitzende Marco Staudt wies darauf hin, dass sich die Anzahl der AfD-Mitglieder im Kreisverband im vergangenen Jahr auf 60 verdoppelt habe, und ergänzte, dass darüber hinaus auch die Anzahl der Unterstützer gewachsen sei.
Zum Empfang hätten sich zunächst knapp 100 Personen angemeldet. Wegen der Demonstrationen habe es allerdings einige Absagen gegeben. Der Neujahrsempfang sei organisiert worden, damit die Mitglieder wieder einmal zusammenkommen könnten. Hauptredner war der Bundestagsabgeordnete Sebastian Münzenmaier.