Kreis Kusel Quietschen vor Vergnügen
Peter Beck, alias Begge Peder, spielt gerne in Hinzweiler. Das merkten die Besucher der Königslandhalle am Samstagabend zu Beginn seines neuen Programm „Kommer nit so“ sofort. Auf den Orten, da seien die Leute noch so richtig in Ordnung, babbelt er auf hessisch. Das hört das Pfälzer Publikum gerne vom angrenzenden Nachbarn und ist sofort begeistert.
Sogar ein Einwurf aus dem Publikum vom vorletzten Auftritt in Hinzweiler habe er mit in sein Programm aufgenommen, berichtete Peter Beck. Da habe er einen Witz vorbereitet, bei dem es um ein Sanitärgeschäft ging. Er fragte, wie die Leute hießen, die Waschbecken montieren und Bäder bauen. Statt des vorgesehenen Wortspiels mit dem bekannten Fußballer – „Beckenbauer“ – antwortete einer ganz trocken: „Polen?!“ Dann nahm er seine Rolle auf der Bühne ein und verwandelte sich mit der Hornbrille, dem braunen Hut und den schiefen Zähnen in den Charakter des hessischen Hausmeisters und Ortsbeiratsmitgliedes Begge Peder. Begge Peder erzählte aus dem Alltag. Die Zuschauer fanden sich in den Szenen wieder und konnten herzlich über die menschlichen Kuriositäten lachen. Peter Beck gelang es immer wieder, Nähe durch einen regionalen Bezug herzustellen, zum Beispiel, als er das Phänomen der SUV-fahrenden Großwildjäger durch den Kakao zog. Eine Erklärung für die Beliebtheit der Autos lieferte er gleich mit: nicht die Hinzweiler Büffelherden rechtfertigten die Anschaffung eines solchen Autos, vielmehr sei es den „fetten Ärschen“ der Fahrer, die in normale Autos nicht mehr reinpassten, zu verdanken, dass sich die Geländewagen so großer Beliebtheit erfreuten. Die Überleitung für sein Lieblingsopfer, „es Marlies“, war somit gefunden. „Es Marlies“ ist die schwer übergewichtige Frau – „wenn zwei von dene hier uff de Bühne wäre, misst man beddoniere, sunscht mache die die Drainage kabutt“– von Begge Peders Freund Günther. Das überspitzt dargestellte hinterwäldlerische Ehepaar unternimmt Ausflüge mit dem Bus, kauft in Frankfurt Hosen und beschäftigt sich mit neuester Technik. Dass letzteres voll in die Hose gehen muss, versteht sich von selbst: Marlies’ Bruder, der Mike aus den „neuen Bundesländern“, schenkt Günther und Marlies seinen Staubsaugerroboter. Marlies steht nachts von einer Heißhungerattacke geplagt auf, um den Kühlschrank leerzuräumen und fällt – wie soll es anders sein – über den Staubsauger. Sie bricht sich ein Bein, also ab mit ihr ins Krankenhaus. Dem Günther graut es am meisten vor den Krankenhausbesuchen, die immer nach „Schema F“ ablaufen: „ Unn? – unn! War die Visite schon da? – Ja, war schon da – Schweigen. Unn, heut schunn Stuhl gehabbt? – Ja, heut schunn Stuhl gebabbt! – Alle dann bis morje!“ So, oder so ähnlich haben die Besucher ebensolche Situationen wohl auch schon erlebt, denn sie quietschten vor Vergnügen. In der Pause verkauften die Organisatoren stilecht „Worschteweck“, Rohesser und Brezeln. Nach der Stärkung ging es munter weiter im kauzigen Freundeskreis von Begge Peder. Zum Einstieg nahm er die Kommunalpolitik auf den Arm, indem er mitteilte, dass Begge Peder im Ortsbeirat und in allen möglichen Vereinen des Dorfes engagiert sei: „Wenn du nicht dabei bist, wird über dich geredet, also bin ich überall dabei“. Als wichtige Persönlichkeit des Dorfes wird der Peder natürlich von den neuen Nachbarn zu einer Grillparty eingeladen. Als sich herausstellt, dass die neuen Nachbarn einen Sohn namens Noah-Matteo haben und unter einem Grillabend etwas ganz anderes verstehen, tun sich Welten gegenseitigen Unverständnisses auf. So kann Begge Peder einfach nicht verstehen, wieso Soja-Schnitzel wie Fleisch aussehen müssen, aber nicht nach dem Geschmack gestaltet sind: „Wenn es scheiße schmeckt, darf es doch auch scheiße aussehen.“ Nach Kennenlernspielen und gemeinsamem Frauenfußball Schauen wird es Begge Peder endgültig zu bunt, und er schmeißt ein Steak auf den Grill und gönnt sich ein Gläschen Hochprozentigen. Als der vegane Nachbar dann gierig kauend seiner Frau das Stück Fleisch um die Ohren haut, ist die Welt des Begge Peder wieder in Ordnung. Als der Auftritt zu Ende war, standen einige aus dem Publikum auf, um ihrem Antihelden ihre Begeisterung zu zeigen. Obwohl Peter Beck schwer angeschlagen war und zu diesem Zeitpunkt mit seiner Stimme zu kämpfen hatte, ließ er es sich nicht nehmen, gleich zwei Zugaben zu spielen. Der Hesse hat im echten Leben eine Stiftung für krebskranke Kinder in Mainz, für die er bei allen Auftritten Geld sammelt. Peter Beck bedankte sich beim großzügigen Publikum für die Summe, die den Kindern und ihren Familien schon zur Verfügung gestellt werden konnte – und zog wieder Brille, Hut und Gebiss an.