Schellweiler / Reichweiler / Baumholder
Pläne um Gewerbegebiete: So ist der Stand
Erste Überlegungen für ein Gewerbegebiet auf den Gemarkungen Ehweiler und Schellweiler – in dem Geländedreieck zwischen Autobahn, Landstraße 360 und B 420 – reichen in das Jahr 2015 zurück. Der Rat der ehemaligen Verbandsgemeinde (VG) Kusel befürwortete die Entwicklung größerer Gewerbeflächen, um Investoren zu gewinnen. Im Gespräch waren damals 25 Hektar. Hintergrund: Siedlungsflächen im Gewerbegebiet Erlenhöhe bei Konken waren weithin ausgereizt.
Noch vor der Fusion mit der VG Altenglan und nach Vorlage einer Machbarkeitsstudie befürwortete eine knappe Ratsmehrheit den Standort Schellweiler. Und nachdem die Planungsgemeinschaft Westpfalz im November 2016 grünes Licht für das neue Gewerbegebiet gegeben hatte, drängte der VG-Rat, mit den Vorplanungen für das Projekt loszulegen. Die planungsrechtlichen Voraussetzungen, so hieß es, könnten bis Ende 2017 vorliegen. Die Investitionskosten für das mit 18 Hektar konzipierte Gewerbegebiet wurden auf zehn Millionen Euro geschätzt, verbunden mit der Hoffnung auf kräftige Landeszuschüsse.
Stihl als Hoffnungsschimmer
Doch so flott lief es nicht. Wegen versäumter Fristen bei der Offenlegung verzögerte sich die Rechtskraft des regionalen Raumordnungsplanes, Voraussetzung für Fortschreibung des Flächennutzungsplans und den Bebauungsplan.
Ein kräftiger Hoffnungsschimmer für das bis dahin lediglich auf dem Papier existierende Industrieareal tauchte Ende 2019 auf. Zeigten doch Projektentwickler, die für den Motorsägenhersteller Stihl aus Waiblingen tätig waren, Interesse an dem Standort Schellweiler. Für ein Logistikzentrum würden knapp 20 Hektar benötigt, mehr als 100 Arbeitsplätze könnten entstehen, hieß es. „Wenn das zustande kommt, dann ist das für die Region wie ein Sechser im Lotto“, sagte Verbandsbürgermeister Stefan Spitzer damals. Doch neun Monate später kam die Absage, Stihl entschied sich für Völklingen.
Mit der Änderung des Flächennutzungsplanes Ende 2021 konnten weitere Hürden für die Realisierung des Gewerbegebietes genommen werden. Das landwirtschaftlich genutzte Gelände umfasst nunmehr 26 Hektar, von denen rund sieben Hektar Verkehrsflächen betreffen. Für die Erschließungskosten werden mittlerweile annähernd 20 Millionen Euro kalkuliert.
Verzögerungen im Verfahren
In der Immobiliengesellschaft Panattoni, die in der Pfalz einige Vorhaben realisiert hat, fand sich ein Interessent für die Entwicklung und Vermarktung der Gewerbeflächen. Ihr wurde die exklusive Vermarktung von 60 Prozent des Areals eingeräumt. Auf der Unternehmens-Webseite heißt es über den „Panattoni Park Westpfalz“ mit zwei Produktions- und Logistikhallen und einer Gebäudefläche von 61.000 Quadratmetern, der Park sei „bald verfügbar“.
Doch Verzögerungen im planungs- und baurechtlichen Verfahren sorgen noch immer für eine Hängepartie. Aktuell geht es wohl um die Zufahrtsregelung, die noch nicht alle bürokratischen Hürden genommen hat, wie verlautet. Im April lässt die Struktur und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt wissen, derzeit ruhe das „Zielabweichungsverfahren“, weil die Verbandsgemeinde alternative Zufahrtsvarianten prüfen möchte.
Ebenfalls noch keine Erschließungsarbeiten gibt es im geplanten Gewerbegebiet Reichweiler. Der Flächennutzungsplan weist in der Gemarkung Reichweiler ein Gewerbegebiet mit einem Umfang von knapp sechs Hektar aus, Erweiterungen gelten nach den entsprechenden Standort- und Umweltprüfungen als möglich. Angesiedelt ist dort bisher allein der Brennholzhandel Wahl.
Wichtige Verträge für Fortentwicklung
Eine Investorengruppe unter Führung der Landgraf Group beabsichtigt, das Gelände zu erwerben und auch in eigener Regie zu erschließen. Die Landgraf Gruppe hat ihren Sitz in Gensingen (Kreis Mainz-Bingen). Das von Klaus Landgraf geführte Familienunternehmen ist auf Serviceleistungen im Logistikbereich spezialisiert. Mit der Tochtergesellschaft Depotpack bietet das Unternehmen neben Transport und Lagerung auch Dienstleistungen wie Konfektionierung, Kommissionierung, Werbemittel, Retouren, sowie Ersatzteillogistik.
Landgraf sei hoffnungsvoll, dass trotz gerade nicht günstiger wirtschaftlicher Bedingungen „demnächst wichtige Verträge zur Fortentwicklung des Projektes geschlossen werden können“, teilte ein Firmensprecher auf Anfrage mit. Um laufende Verhandlungen nicht zu gefährden, könnten aber derzeit keine weiteren Details genannt werden.
