Lauterecken
Pfarrei will Probleme der Vergangenheit ausräumen
Es ist nicht das erste Mal, dass aus der rund 1850 Mitglieder zählenden Pfarrei St. Franz Xaver weniger friedliche Nachrichten an die Öffentlichkeit dringen. Doch das Schreiben, das der RHEINPFALZ vorliegt, hat es in sich. Es handelt sich um ein Statement von Carl-Hermann Plathner, das dieser in einer Gremiensitzung der Pfarrei vorlas – mit heftigen Vorwürfen gegen Inge Lütz, die bisherige Ratsvorsitzende, und noch dazu in deren Abwesenheit. Das Schreiben wurde anschließend dem Sitzungsprotokoll angehängt und an das Bistum nach Speyer geschickt.
Es gelinge nicht, ein sachliches, faires und gedeihliches Miteinander sowohl im Pfarreirat als auch zwischen Rat und Pastoralteam herzustellen, schreibt Plathner. Zu „weit überwiegenden Teilen“ sieht er dafür Inge Lütz verantwortlich. Der Schreiber kritisiert, dass es nicht nachvollziehbar sei, „dass jede interne Diskussion, jede Missstimmung“ nach Speyer gemeldet werde. Es werde sich über „Unwichtigkeiten“ beklagt, die Verantwortlichen im Bistum würden damit „belästigt“. Zudem gebe es schon seit Jahren „kaum noch ein Miteinander“ zwischen Pfarreirat und Pfarrern.
Sorge um weitere Abgänge
Plathner kritisiert weiter, dass ein Vorgänger von Pfarrer Christof Anselmann „an den Rand des seelischen Zusammenbruchs gebracht“ worden sei. Ein weiterer Pfarrer sei rasch in ein „friedlicheres Aufgabenfeld“ gewechselt und habe die Pfarrei verlassen. Auch mit Anselmann – er ist seit August 2019 in Lauterecken – sei die Situation „aus dem Ruder gelaufen, dass auch hier ein unschönes Ende in Sichtweite“ komme, so der Autor weiter. Sollte der Pfarrer Lauterecken verlassen, werde sich wohl niemand mehr „wegen unseres vollkommen ruinierten Rufes die Finger an der Lauterecker ,Zeterpfarrei’ verbrennen wollen“, befürchtet Plathner.
Inge Lütz hat auf Nachfrage der RHEINPFALZ das Schreiben später erst auf Drängen erhalten. Die Pädagogin aus Oberweiler-Tiefenbach engagiert sich seit Jahren stark ehrenamtlich – und dies nicht allein in der Pfarrei. Sie ist unter anderem auch kommunalpolitisch aktiv und Patientenfürsprecherin am Westpfalz-Klinikum Kusel. In der Pfarrei organisierte sie Sternsinger-Aktionen sowie – sogar ausgezeichneten – inklusive Freizeiten, kümmert sich zudem um Familien in Not und um Flüchtlinge. Bis zu den Gremienwahlen im Oktober war sie Pfarreirats-Vorsitzende. Bei den Wahlen habe sie mit zwei weiteren Kandidaten zwar die meisten Stimmen erhalten, schildert sie. Wieder aufgestellt für eine Funktion wurde sie bei der konstituierenden Sitzung aber nicht. Daher bleibt sie einfaches Mitglied im Pfarreirat. Der RHEINPFALZ berichtet Lütz, dass sich mehrere Personen aus den Gremien bei den Wahlen im Oktober nicht wieder aufstellen ließen, weil sie mit der Situation in der Pfarrei nicht einverstanden gewesen seien.
Engagement stehe nicht zur Diskussion
Als neuer Vorsitzender der Pfarrei, zu der auch Gemeinden im Donnersbergkreis zählen, wurde vor wenigen Tagen Carl-Hermann Plathner gewählt – mit einer Gegenstimme. Auf sein Schreiben angesprochen, sagt der 63-jährige Medizin-Journalist auf RHEINPFALZ-Anfrage, er wolle nun „nach vorne schauen“ und „was war, auf sich beruhen lassen“. Sein mit dem Datum 29. September datiertes Schreiben habe zu dieser Zeit allerdings seine Berechtigung gehabt, betont er. Der Dissens zwischen Pfarrern und dem Pfarreirat sei kein Geheimnis. Allerdings sehe er jetzt positiv in die Zukunft – dank der neu zusammengesetzten Gremien, die sich verjüngt hätten. Sein Ziel: Mit dem Team „die Pfarrei einen und die Probleme aus der Vergangenheit ausräumen“. Das Engagement von Frau Lütz stehe nicht zur Diskussion, sagt Plathner.
Das betont auch Pfarrer Christof Anselmann: „Ich schätze ihre Expertise und die Projekte, die sie organisiert hat“, sagt er. Auf einen möglichen bevorstehenden Weggang angesprochen winkt Anselmann ab: „Mit dem neuen Team macht es Spaß.“
Info
Bischof Wiesemann reist am Mittwoch, 8. September, zur Visitation nach Lauterecken. Um 20 Uhr findet in Lauterecken ein Abend der Begegnung statt. Am Donnerstag zelebriert er um 8.30 Uhr in Wolfstein die Messe.