Polizistenmorde
"Panische Schreie am Funk": Wie Polizisten die Tatnacht beschreiben
Sie sind alle sehr jung – und sie haben Furchtbares gesehen: die vier Beamten, die am frühen Morgen des 31. Januar nördlich von Kusel Streife fuhren, um Einbrecher zu erwischen, die seit einiger Zeit dort ihr Unwesen trieben.
Drei Fahrzeuge waren in jener Nacht unterwegs, mit jeweils zwei Beamten besetzt: ein Zivilfahrzeug als unauffälliger Spähwagen und zwei als solche erkennbare Streifenwagen. Um 4.19 Uhr konnten die Beamten in den Streifenwagen den ersten Funkspruch der Kollegen im Zivilfahrzeug hören. Der 29-jährige Beamte, der wenig später sterben sollte, sprach da mit noch ruhiger Stimme. Man habe „bei Ulmet“ ein Auto „mit viel Wild im Kofferraum“ entdeckt und zwei dubiose Personen. Möglicherweise handele es sich um Jagdwilderei. Die Funksprüche werden im Saal mehrfach abgespielt.
Ein Schuss – dann Stille
Zu diesem Zeitpunkt, so sagten die Beamten aus – der jüngste 22, alle jünger als 30 –, war einer der Wagen nach einer alltäglichen Fahrzeugkontrolle in Altenglan gerade in Erdesbach. Der andere Wagen war in Ulmet. Etwa eine Minute später folgte der zweite Funkspruch. Da schrie der Kollege am Tatort panisch und verzweifelt: „Die schießen, kommt schnell ...“, dann ist noch ein Schuss zu hören – und dann Stille.
Die vier Kollegen in den Streifenwagen wissen nicht genau, wo sie hinfahren müssen. Ein Wagen macht sich zunächst in Richtung Rathsweiler auf, der andere nach Ulmet selbst. Über GPS ermittelt die Leitstelle inzwischen den Standort des Zivilfahrzeugs und übermittelt den Beamten, dass es sich um einen lebensgefährlichen Einsatz handele. Also stoppen die beiden Wagen am Ulmeter Friedhof, dort legen die Polizisten besondere Schutzkleidung an und nehmen ihre Maschinenpistolen an sich. So ausgerüstet geht es dann bergauf in Richtung Tatort.
Jede Hilfe kommt zu spät
Der Beamte, der als erstes eintrifft, sieht im Licht der Scheinwerfer kurz vor dem Wagen der Kollegen, dass ein Rinnsal Blut die Straße herunterläuft. Als er aus dem Wagen steigt und an den dort leblos liegenden Körper herantritt, erkennt er im Schein seiner Taschenlampe seine Kollegin und an der Schwere der Schusswunde, dass hier jede Hilfe zu spät kommt. Nach und nach treten die anderen drei heran. Sie schildern die Situation ähnlich. Sie haben ihre Polizeiautos quergestellt, um die Straße abzusperren. Zugleich müssen sie auf sich selbst aufpassen, denn sie wissen nicht, ob die Täter noch in der Nähe sind. Deshalb dauert es eine Weile, bis sie auch ihren Kollegen finden. Zehn bis 30 Meter vom Auto entfernt in der Wiese auf dem Bauch liegend mit ausgebreiteten Armen und einer schweren Schusswunde. Die Kugel muss aus der Nähe von hinten in den Kopf eingetreten sein. Auch hier, so schildern sie es, kann kein Arzt mehr helfen.
Als bald danach der Notarzt an der Unfallstelle eintrifft, hebt er die Opfer weder an noch untersucht er sie. Er sieht sofort, dass die beiden Polizisten aufgrund der Schwere ihrer Schussverletzungen tot sind. So sagt er es vor Gericht aus. Die Rettungssanitäter bestätigen es.
