Kusel
Neues Regenüberlaufbecken an Fritz-Wunderlich-Straße bald fertig
Das Regenüberlaufbecken ist Teil eines riesigen unterirdischen, gar nicht billigen Infrastruktur-Systems: Es geht ums Abwasser. Und es geht beim neuen Regenüberlaufbecken (RÜB) Fritz-Wunderlich-Straße und vergleichbaren Bauten darum, die Gewässer zu schützen. Deshalb werden immer mehr eingebaut. 1,5 Millionen Euro kostet das nun fast fertige Bauwerk zwischen Kuselbach, Feuerwehr und Fritz-Wunderlich-Straße. In Pfeffelbach und Thallichtenberg werden weitere errichtet, es existieren schon welche unterhalb vom Holler in Kusel, in Reichweiler, Konken und Diedelkopf.
Dass dadurch beispielsweise der Kuselbach besser geschützt, die Wasserqualität erhalten beziehungsweise verbessert wird, funktioniert so: Wenn es nach längerer Trockenperiode anfängt zu regnen, trägt das Wasser eine große sogenannte Schmutzfracht mit sich. Dreck, der von Straßen, Wegen, Dächern gespült wird. Kann der Abwasserkanal – meistens im Landkreis ein Mischkanal für häusliches Ab- sowie Regenwasser – die große Menge Wasser nicht mehr transportieren, wird am Regenüberlauf abgeschlagen: Das Abwasser wird in die örtlichen Gewässer eingeleitet, direkt, ungefiltert. „Die Wassermenge packt der Kanal nicht, wenn’s regnet“, sagt Michael Decker vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Kusel, zuständig für Planung und Bauüberwachung. Auch die Kläranlage „kann nur eine bestimmte Menge vertragen, deshalb muss im Netz schon mit Entlastungsbauwerken gepuffert werden“, erklärt der Werkleiter der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan, Kai Becker.
Abpumpen in Abwasserkanal
Statt eines Regenüberlaufes wird nun also am Kuselbach ein weiteres Regenüberlaufbecken gebaut. Dort können die Wassermassen erst einmal gespeichert werden, Sedimente können sich absetzen. Erst wenn das Becken voll ist, läuft auch hier das Abwasser in den Kuselbach über – allerdings gibt es Rechen, die beispielsweise Toilettenpapier oder sonstigen Müll herausfischen. Ganz schlimm seien übrigens feuchtes Toilettenpapier und Damen-Hygieneartikel, die gehörten nicht ins Klo, betonen die Arbeiter beim Baustellenbesuch der RHEINPFALZ.
Ist der Regen vorbei, wird das Becken langsam entleert. Der Schlamm, der sich am Boden ansammelt, wird mit Wasser aus einer großen Trommel in die Ablaufrinne geschwemmt, von wo aus er wiederum ins Abwasserrohr gepumpt wird – der Kuselbach wird also geschont, der Sauerstoffwert soll dadurch deutlich gesenkt werden. Das alles läuft automatisch, fernüberwacht aus dem Klärwerk.
Kein Hochwasserschutz
Etwa die Größe einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit sehr hohen Decken hat das unterirdische Bauwerk, von dem bald nichts mehr zu sehen sein wird, auf dem Autos parken werden. Lediglich ab und an wird jemand hinabsteigen und manuell reinigen müssen, etwa die Rechen im oberen Überlaufbereich.
Explizit weißt Decker darauf hin, dass solche Regenüberlaufbecken nichts mit Hochwasserschutz zu tun haben. Ganz im Gegenteil ist sogar eine Hochwasserschutzklappe eingebaut, damit kein Wasser aus dem potenziell hoch gestiegenen Kuselbach in die Becken eindringen kann.
Weitgehend parallel zu ihm verlaufen die Rohre zur Kuseler Kläranlage. Neue müssen noch vom RÜB zur Brücke verlegt werden. Das soll im Sommer passieren, dann wird die Straße für etwa vier Wochen gesperrt werden, kündigt Decker an.
Rohre, Becken, Pumpstationen
Die Kläranlage ist das östlichste Bauwerk im Abwassersystem Kusel, das im Westen in Schwarzerden und Reichweiler beginnt, im Süden in Wahnwegen und Hüffler, im Norden in Körborn und Thallichtenberg. Ausgelegt ist die Anlage für maximal 14.000 Einwohner. Jüngst wurde – wir berichteten – der letzte Ort im Gebiet an das Abwasser-Kanalnetz angeschlossen: Albessen.
Da Wasser fließen muss, um von A nach B zu kommen, bei uns aber auch mal ein Hügel überwunden wurden muss, gibt es im System nicht nur Rohre und Becken, sondern auch Pumpstationen. Die hatten bei Albessen und Konken für Gestank gesorgt. Das konnte mit häufigerer Entleerung jedoch behoben werden, weiß Werkleiter Becker.
Wegen der Corona-Beschränkungen kann er zurzeit nicht an den wöchentlichen Treffen auf der Baustelle teilnehmen, ist jedoch zuversichtlich, dass das geplante Bauende im Herbst eingehalten werden kann.