Kreis Kusel Mit viel Humor und ohne Noten
„Psssssst“, erklang es plötzlich von allen Seiten. Nacheinander fielen Musiker und Dozenten ins Summen und Schnippen ein, dabei bezogen sie Stellung unter einem kleinen weißen Pavillon. So wurde am Donnerstagabend das Abschlusskonzert des achten Jugend-Jazz-Camps auf Burg Lichtenberg eröffnet. Innerhalb weniger Tage waren 17 junge musikalische Menschen zu einem harmonierenden Ensemble zusammengewachsen.
„Es ist gigantisch, was die Teilnehmer des Jugend-Jazz-Camps hier leisten“, unterbrach Matthias Stoffel, einer der beiden Leiter, das Konzert für ein paar lobende Worte. „Viele von den jungen Leuten kannten sich vorher gar nicht.“ Und stellten dann – nach bloß vier Tagen und zwei Probekonzerten – ein knapp zweistündiges Abschlussprogramm auf die Beine. Wenig Probezeit für sehr komplexe Stücke: Hut ab, dachte sich da nicht nur der ehemalige Musikanteland-Preisträger Bernhard Vanecek und ließ seine weiße Kopfbedeckung durch das Publikum kreisen, das fleißig für die Erhaltung solcher Veranstaltungen spendete. Trotzdem sei das vorläufige Ende der Jugend-Jazz-Camps auf der Burg gekommen: „Für ein weiteres Mal fehlen die Fördermittel“, gab Franz Wosnitza vom Veranstalter Old Jazz Union mit ernster Miene bekannt. Förderer in diesem und den vergangenen Jahren sei der Landkreis gewesen, vor längerer Zeit auch einmal die Kreissparkasse. All diesen existenziellen Problemen zum Trotz nahmen die jungen Musiker ihre golden glänzenden Saxofone, ihre Posaunen, Klarinetten und Trompeten in die Hände, setzten sich ans Schlagzeug und ans E-Piano und zauberten schon mit dem ersten Stück eine wunderbare Jazz-Atmosphäre zwischen den Mauern der Oberburg. Die Zuschauer, die schnell von 30 auf 70 Köpfe heranwuchsen, durften sich von Beginn an fühlen wie in den Straßen von New Orleans, der Geburtsstadt des Jazz’. Zuerst trat Matthias Stoffels Gruppe „Stoffel & Friends“ auf, danach die Formation um Bernhard Vanecek, betitelt als „Jichael Macksons“. In einer Mischung aus Humor und Professionalität bekamen viele Stücke für Laien recht kryptisch klingende Namen: stets eine kaum einzuprägende Abfolge aus den Begriffen Intro, Thema, Break, A-Teil, B-Teil und anderen. Die Moderation des Konzerts übernahmen nicht nur die Dozenten. Gerade die Musikschüler ließen es sich nicht nehmen, immer wieder Worte ans Publikum zu richten: So kündigte zum Beispiel Tenorsaxofonistin Franca Pirschl das zweite Stück des Abends an, das unter anderem ein gelungener Dialog zwischen Nina Seipels Baritonsaxofon und Jonathan Bernadys Posaune prägte. Als Solist durfte jeder mal ran: Adrian Claßen an der Posaune, Hannes Morgenthaler an der E-Gitarre, Lukas Frank an der Trompete, Tillmann Diehm am Saxofon; auch Gabriel Tischmeyer, Moritz Bernady, Nikolas Schlage und das Großvater-Enkel-Duo Leo und Henry Bauer. Torben Kauth und Geburtstagskind Gabriel Pohlner richteten zusammen eine Art Scherz-Werbepause ein, indem sie die Tuba als vollautomatischen Frittenhersteller anpriesen, der aus ungeschälten Kartoffeln gesalzene Pommes frites macht. Der Name des Unikats lautete „Frittenhorn 6.0“, der Hersteller „Tubaware“. Mit Pascal Horbach aus Niederalben nahm nur ein Jugendlicher aus dem Musikantenland an dem Musikcamp teil: Seit fünf Jahren spielt er Schlagzeug, seit sechs Jahren Trompete. Bis auf Pianistin Amelie Laxa aus Landstuhl kam der Rest von weiter her, unter anderem aus Ludwigshafen, Mannheim, Hockenheim, Altrip und aus der Eifel. Die „Jichael Macksons“ schlossen ihren Auftritt mit dem „La La Blues“, bei dem auch das Publikum in das jazzige Glücksgefühl mit einstimmen durfte. Für das Finale taten sich dann beide Einzelbands zu einem großen Ensemble zusammen, interpretierten drei Stücke plus eine Zugabe, darunter auch das Kirchenlied „Amazing Grace“. Nach vier Tagen voller positiver Energie, gemeinsamem Lachen und leidenschaftlicher Soli (bei denen auch das Gesicht rot anlaufen durfte) löste sich die Gruppe am späten Donnerstagabend in unterschiedliche Richtungen auf. „Wir haben das Camp zum ersten Mal ganz ohne Notenlesen durchgezogen“, sagte Matthias Stoffel voller Stolz. Und Klarinettistin Emma Bernady fügte lächelnd hinzu: „Wir sind zu einer kleinen Familie zusammengewachsen.“