Lauterecken
Letzte-Hilfe-Kurs: Menschlichkeit bis zum letzten Atemzug
Was lindert das Leid? Wie erhält man etwas Lebensqualität bis zum letzten Atemzug – und das ohne größeres medizinisches Wissen? Es gibt kein Patentrezept fürs Sterben, aber doch Möglichkeiten, um das Sterben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Sagen Petra Kisser und Dorothee Bauhaus, zwei erfahrene Palliativ-Care-Fachkräfte und zertifizierte Leiterinnen des Letzte-Hilfe-Kurses.
Sterben und der Umgang damit sei sehr individuell. Es gebe kein Patentrezept für die Betreuung, sagte Bauhaus, die Leiterin des Hospizdienstes der Ökumenischen Sozialstation Lauterecken-Wolfstein. Sie verglich das Sterben mit der Geburt. Manche kommen leichter zu Welt als andere, und beim Sterben sei es ähnlich. Die Sterbebegleitung sei keine Wissenschaft, sondern praktizierte Mitmenschlichkeit.
Sterben sei Teil des Lebens, mit dem man sich auseinandersetzen müsse, betonten die Kursleiterinnen, die auch auf mögliche Beschwerden Sterbender eingingen und darauf, wie man diese lindern könne ein. Wichtiger Aspekt war auch das Thema Abschied nehmen. „Richtig gut erklärt wurde, dass man nicht noch 1000 Sachen tun muss, sondern den Betroffenen auch Ruhe lassen sollte, und wie man Nähe zeigt. Durch den Kurs hat man mehr Sicherheit und über das Thema schon mal nachgedacht“, sagte eine Kursteilnehmerin. Eine von 14, die an zwei Abenden Grundwissen und Handgriffe vermittelt bekam – Corona-bedingt teils auch per Video. Und sie wurden ermutigt, sich Sterbenden zuzuwenden.
Unsicherheit nehmen
Unsicherheiten abbauen, Strategien kennenlernen und sich „nicht so hilflos fühlen“ waren die Hauptgründe der Teilnehmer, sich so intensiv mit den Themen Tod und Letzte Hilfe auseinanderzusetzen. Eine Ergotherapeutin besuchte den Kurs, um sich auch beruflich sicherer zu fühlen, andere haben im persönlichen Umfeld einen schwer Erkrankten. Es ging ihnen auch darum, zu erfahren, wie das Serben abläuft. „Das wurde gut dargestellt und war nicht zu überladen“, berichtete eine Teilnehmerin. Auffällig: Unter den Teilnehmern des Kurses, der vom Ambulanten Hospiz-Palliativ-Beratungsdienst Lauterecken-Wolfstein angeboten wurde, war nur ein Mann. Er sei in der Seelsorge tätig, betreue eine Krebskranke und fühle sich manchmal hilflos, weil sie nicht über das Ende sprechen wolle. Er hoffte auf mehr Sicherheit im Umgang mit der Sterbenden.
Themen Essen und Trinken
Großes Thema seien das Essen und Trinken, berichtete Bauhaus. Es sei normal, dass Sterbende aufhörten zu essen und zu trinken. Grund: Die Körperfunktionen werden schwächer, der Körper benötigt weniger Energie. Und wichtig: Niemand sterbe, weil er aufhöre zu essen und zu trinken, sondern er höre damit auf, weil er stirbt. Eine praktische Hilfe sei die Mundpflege, durch die das Durstgefühl gelindert werden könne. Dies helfe nicht nur dem Sterbenden, sondern auch den Angehörigen, sich weniger hilflos zu fühlen.
Es ging nicht nur um den Tod nahestehender Menschen, sondern auch um den eigenen und welche Maßnahmen man vorab treffen kann. Beispielsweise eine Patientenverfügung, in der lebensverlängernde Maßnahmen verweigert werden können. Auch hier wurde deutlich: Der Umgang mit dem Tod und dem Sterben ist mit Unsicherheiten verbunden, nicht immer gibt es auf alle Fragen eine Antwort. Hilfreich sei die Auseinandersetzung mit dem Thema, auch wenn nicht alle Eventualitäten im Vorfeld zu klären sind, betonten Bauhaus und Kisser.
Info
Der Letzte-Hilfe-Kurs im Oktober ist bereits ausgebucht. Im kommenden Jahr werden weitere Kurse stattfinden, berichtete Bauhaus.