Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Lauterecker Lehrer sollen Land beim Erstellen des Informatik-Lehrplans unterstützen

Bildungsministerin Stefanie Hubig testet einen von einer Schülerin erstellten Chatbot.
Bildungsministerin Stefanie Hubig testet einen von einer Schülerin erstellten Chatbot.

Den Tsunami „Künstliche Intelligenz“ hat man am Veldenz-Gymnasium gut im Griff – das attestiert die Bildungsministerin. Sie wünscht sich, dass das Konzept Schule macht.

Das Veldenz-Gymnasium in Lauterecken (VGL) gilt als kleinstes staatliches Gymnasium in Rheinland-Pfalz. Doch geht’s nach Bildungsministerin Stefanie Hubig, sollen sich auch deutlich größere Schulen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz hier etwas abschauen. Denn ganz offensichtlich gefiel dem Besuch aus Mainz das Konzept der Lauterecker Pädagogen. In der achten Klassenstufe findet an der Schule nämlich eine verpflichtende Arbeitsgemeinschaft statt, die sich nur um Künstliche Intelligenz dreht. Lisa Häßel und Pascal Pick, Lehrer am VGL, stellten das Konzept dahinter vor.

Wichtig sei gewesen, wie Schüler „trotz KI lernen und wissen, wann und wie sie eine KI nutzen können“, betonte Häßel: „Wir müssen den Schülerinnen und Schülern bewusst machen, wieso sie trotz der technischen Möglichkeiten lernen müssen.“ Pick erklärte den Ablauf übers Schuljahr hinweg: Nachdem die Schüler mit den Grundlagen vertraut gemacht wurden, haben sie das Grundwissen vermittelt bekommen, selbst Chatbots zu entwickeln beziehungsweise sie mit Informationen zu füttern. Prompten heißt das in der Fachsprache. Chancen und Risiken von KI standen anschließend auf dem Stundenplan, ebenso, welche Anwendungsgebiete es für Künstliche Intelligenz in der Schule gibt. Pick: „Mir persönlich sehr wichtig sind außerdem die ethischen Aspekte. Beispielsweise kann eine KI diskriminierend sein, das hängt immer von der Datenbasis ab.“

KI soll größere Rolle in der Lehrerausbildung spielen

Dass alle Bemühungen des VGL in Sachen KI im Schulterschluss mit der RPTU in Kaiserslautern geschehen, freute die Ministerin besonders. Das Thema müsse schon in der Lehrerausbildung vertieft werden, sagte Hubig: „Informatik wird ab dem Schuljahr 2028/29 in ganz Rheinland-Pfalz ein Pflichtfach. Da soll es dann nicht nur um die klassische Informatik gehen, sondern auch um Medienbildung.“ Deshalb soll in der Lehrerausbildung das Digitale stärker vermittelt werden. Derzeit arbeite ihr Ministerium gerade an den Lehrplänen – in die sollen Erkenntnisse aus Lauterecken einfließen, kündigte die Ministerin an.

Doch aktuell sei der „Wir machen mal“-Ansatz des VGL genau richtig. Von den Erfahrungen in Lauterecken könnten viele andere Schulen im Land profitieren. Hubig: „Wir werden Ihr Know-how gnadenlos nutzen.“ Schulleiter Stefan Weber hatte kurz zuvor von KI als Tsunami gesprochen, der über die Schulen hereingebrochen sei, den es strukturiert zu bewältigen gelte.

Stefanie Hubig schaut Schülern beim Basteln an den KI-Anwendungen über die Schulter.
Stefanie Hubig schaut Schülern beim Basteln an den KI-Anwendungen über die Schulter.

Kurz darauf, während die Ministerin den Schülerinnen und Schülern in einer AG-Stunde über die Schultern schaute, nannten Häßel und Pick Beispiele zur Umsetzung. „Wir haben für den Unterricht neue Formate erfunden, beispielsweise ,Präko’ – Präsentation und Kolloquium“, schildert Pick. Mit Künstlicher Intelligenz sei eine Präsentation im Handumdrehen erstellt, weshalb die Schüler zusätzlich mit Fragen gelöchert werden, „damit wir sehen, dass sie gelernt haben“. Gemeinsam mit ihren Kollegen – längst nicht nur Informatiklehrer sind beteiligt – würden sie das Konzept gerne im nächsten Schuljahr weiterführen. Häßel: „Das Thema KI bleibt uns erhalten, das geht nicht weg.“ Im Mai soll die Entscheidung fallen.

VGL ist „Stern am KI-Himmel in Rheinland-Pfalz“

Lob gab es für die Schüler auch von Sören Schuck, der im Ministerium Referent für Bildung in der digitalen Welt ist: „Die Schülerinnen und Schüler hier sind beeindruckend weit. Sie stellen die richtigen Fragen an die Chatbots.“ Sprache präzise zu verwenden, sei im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz eine Kernkompetenz, betont Schuck. Er hofft, dass die Jugendlichen am Ball bleiben und sich ihre Kreativität und die Spielfreude im Umgang mit KI erhalten.

Die Achtklässler haben in der AG unter anderem Chatbots erstellt, die beim Programmieren helfen, die Auswahl von Filmen und Liedern erleichtern oder beim Vokabellernen in Französisch helfen können. Technisch läuft das über die Plattform Fobizz, die das Land den Schulen zur Verfügung stellt – laut Hubig „datengeschützt und kostenfrei“. Die AG in Lauterecken sei im Land die erste, die sich mit Künstlicher Intelligenz befasst. „Lauterecken soll kein Stern am KI-Himmel in Rheinland-Pfalz bleiben, sondern die Erkenntnisse sollen allen zugänglich werden“, kündigte Hubig an. Ziel sei es, dass solche Angebote „überall an Schulen stattfinden“.

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