Kusel
Kuseler Fanfarenzug kämpft ums Überleben
Diese Bilder gibt es derzeit nur noch in der Erinnerung: Zwei voll besetzte Busse mit Aktiven, die mit bis zu 40 Auftritten im Jahr in Deutschland und dem angrenzenden Ausland musikalisch unterwegs waren. Lang ist’s her! Dieter Schmitt blickt mit reichlich Wehmut auf jene Tage zurück. Der 72-Jährige ist seit 1960 Teil des Fanfarenzugs und hat alle Höhen und Tiefen der Truppe miterlebt. Seit drei Jahrzehnten ist Schriftführerin Claudia Höseler mit dabei. Auch sie hofft auf eine Zukunft des Fanfarenzugs, dessen Geschichte einst verheißungsvoll begann.
1951 wurde der Fanfarenzug als Unterabteilung des Kuseler Turnvereins gegründet. Daraus erwuchs 1970 der Spielmanns- und Fanfarenzug, in dessen Blütezeit bis zu 80 Aktive bereitstanden. Als sich die Älteren – auch infolge altersbedingt nachlassender Flexibilität – nach und nach zurückzogen und sich zu einem Seniorenfanfarenzug zusammenschlossen, ging es langsam bergab. Trotz einer Fusion mit dem Fanfarenzug Lauterecken Ende der 1980er Jahre hörte der Verein im Jahre 2000 praktisch auf zu existieren. Einige der Aktiven hätten sich damals noch „im Untergrund“ getroffen, sagt Urgestein Schmitt, aber de facto sei die Truppe am Ende gewesen. Es dauerte bis ins Jahr 2014, als anlässlich der 90. Kuseler Herbstmesse das musikalische Engagement der Mitglieder wiederbelebt wurde und der Fanfarenzug beim Messeumzug mitwirkte.
Ein Vatertag und seine Folgen
Doch auch von jener neuerlichen Begeisterung für den Fanfarenzug ist bis heute nicht viel übrig geblieben. „Wir hängen derzeit wirklich am Tropf“, bekennt Thomas Bernd. Er selbst ist seit sechs Jahren mit dabei und muss schmunzeln, wenn er auf seine Anfänge im Fanfarenzug zurückblickt. In einer privaten Kellerbar in Kusel habe es damals an Christi Himmelfahrt auch dank der tatkräftigen Unterstützung von Gerstensaft eine Bierdeckelwette gegeben, ob sich Bernd der Truppe anschließe. Weil er grundsätzlich zu dem stehe, was er verkünde, trat er nach dem feuchtfröhlichen Vatertagsgelage dem Verein bei. Heute ist er Erster Vorsitzender.
„Das Alter unserer Aktiven reicht derzeit von 14 bis 84 Jahren“, berichtet Bernd. Das klinge zunächst gut, relativiere sich aber, wenn man berücksichtige, dass sich aktuell nur 15 Personen innerhalb dieser Spanne verliefen. Auch die Anzahl der Auftritte sei deutlich gesunken. Bernd spricht von fünf bis sieben Engagements pro Jahr. Kontakte zu anderen Zügen gebe es nur noch sporadisch, weil ein Ausdünnen des ehemals gemeinsamen Hobbys nicht zu leugnen sei. „Im Grunde fehlt es an allen Ecken und Enden“, sagt Claudia Höseler. Aktive für Fanfare, Trompete und Trommel würden ebenso gesucht wie eine Person, die die musikalische Ausbildung und Leitung übernehmen könne. Auch ein eigener Übungsraum würde die aktuelle Situation deutlich verbessern, ergänzt Dieter Schmitt.
Idealismus und Tradition
Spaß an Marschmusik und Disziplin im Hinblick auf regelmäßiges Erscheinen bei den Proben seien die Voraussetzungen für ein Mitmachen beim Kuseler Fanfarenzug. Die Instrumente würden gestellt, auch müssten Interessierte keine Noten lesen können. Der Jahresbeitrag schlage mit moderaten 30 Euro zu Buche. Was jedoch klar sein müsse: „Marschmusik ist keine Festzeltmusik“, sagt Dieter Schmitt. Somit stünden beispielsweise Titel von Helene Fischer nicht auf dem Programm.
Apropos Programm: Zwei Auftritte in der nächsten Zukunft sind für die Musizierenden unter Dach und Fach. Der Fanfarenzug, der regelmäßig dienstags ab 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Bledesbach probt, spielt auch dieses Jahr an der Kuseler Herbstmesse und im Oktober beim Winzerfest in Offenbach-Hundheim.
Den Idealismus und die Tradition hielten die Truppe derzeit noch zusammen, erklärt Bernd. „Wir sind ein Traditionsverein und möchten unsere Kultur noch viele Jahre zum Besten geben, aber wir brauchen jetzt dringend Unterstützung“, formuliert der Vorsitzende seinen Herzenswunsch im Hinblick auf das Ensemble und unterstreicht dabei gleichzeitig dessen Flexibilität: „Unsere Proben fanden auch während der Pandemie statt. Mitten auf einem Feld und mit reichlich Abstand.“
Info
Wer Interesse hat den Kuseler Fanfarenzug kennenzulernen, kann sich bei Thomas Bernd unter 06381 7142 melden.