Kusel
Kolumne zum Wochenende: Über sich selbst klebende Menschen und eine nervige Fußball-WM
Schon die neuen Abschläge für Strom und Gas für 2023 bekommen? Energie wird zum Luxusgut. Oder die Tage war ich auf einem Weihnachtsmarkt. Sechs Euro kostete die Bratwurst. Das ist auch kein Schnäppchen.
Wir alle müssen sparen. Ich könnte aber auch einfach auf die Idee kommen, nach dem Genuss der Bratwurst mitzuteilen, dass sie ihr Geld nicht wert war und die Zahlung verweigern. Oder den Stadtwerken schreiben, dass ich nicht gedenke, die Abschläge zu zahlen, schließlich seien Strom und Gas existenziell. Danach kette mich an das Tor des Stadtwerke-Geländes in der Lehnstraße und kündige an, die Einfahrt erst wieder frei zu geben, wenn mir die Abschläge erlassen werden.
Nicht viel anders verhalten sich die Klimaschützer der „Letzten Generation“, die in dieser Woche durch den aus Rehweiler stammenden Micha Frey angekündigt haben, auch in der Westpfalz Mitstreiter zu suchen. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Sich für Klimaschutz einzusetzen, ist überfällig. Aber auf diese Art und Weise? Sich auf Straßen kleben, um auf sein Anliegen aufmerksam zu machen?
Demokratie kann doch nur funktionieren, wenn wir uns alle an Vereinbarungen halten. Ja – es gibt ein Recht auf Demonstration. Und nein – auch für Protestaktionen muss es Regeln geben. Die werden durch solche Aktionen ignoriert. Es ist Aufgabe des Rechtsstaats, dies dann auch eventuell zu sanktionieren. Das unterscheidet uns von autokratischen Regimen. Wer in Russland, China oder Iran demonstriert, der muss um seine Freiheit oder gar sein Leben fürchten. Und wir sind auch nicht in einer Anarchie, in der es keine Regeln gibt oder sich jeder seine eigenen Regeln setzt.
Ich bin froh und dankbar, in einem Land zu leben, das solche Regeln kennt, und bin zuversichtlich, dass dies so bleibt.
Vom Schweigen der Fußballer an der Basis
Fußball-WM im Dezember, ein total merkwürdiges Gefühl. Das Kasperle-Theater des DFB um die vom Weltfußballverband Fifa verbotene „One Love“-Binde für Menschenrechte hat mir die letzte Lust geraubt. Am Sonntagabend lief in einer Kneipe Deutschland-Spanien im Fernseher. Nicht wenige Besucher hatten dem Bildschirm den Rücken zugedreht.
Dieser Boykott ist doch ohne Auswirkungen und tut keinem weh, hat ein Freund gesagt. Ganz so ist es nicht. Die Zuschauerquoten sind für die Händler von Sportrechten und Anzeigenkunden sehr wohl ein Kriterium. Nicht auszuschließen, dass auch der Deutsche Fußball-Bund bald mit dem Sparen anfangen muss. Auch weil die Legende von der Turniermannschaft nach dem erneuten Aus in der Vorrunde nur noch Geschichte ist.
Was mich am meisten wundert, ist die Ruhe an der Basis. Die Vertreter der Vereine, die sich im Ehrenamt vor allem um den Nachwuchs bemühen und dem Spaß am Spiel frönen, halten erstaunlich still. Dabei hätten Sie die Chance, zum Beispiel beim Verbandstag des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes mal ihrem Unmut Luft zu verschaffen.