Kreis Kusel Kleine Pferde mit dichter Mähne gebärden sich wie feurige Galopper

Schönenberg-Kübelberg. Zum ersten Mal trugen die Islandpferdereiter die Verbandsmeisterschaft Rheinland-Pfalz/Saar in Schönenberg-Kübelberg aus. Die viertägige Veranstaltung über Pfingsten war gleichzeitig das erste Turnier auf dem Gestüt Móarbær im Ortsteil Kübelberg überhaupt. 150 Helfer packten an, um mehr als 300 Pferde, den Begleittross sowie die Zuschauer durch 42 Prüfungen mit Qualifikation und Finale zu schleusen.
Eine Wohnwagenstadt am Glan-Blies-Radweg (der für Reiter tabu ist), Stallzelte und Islandpferde unter Sonnenschirmen. Es gab auch außerhalb von Ovalbahn, Passrennstrecke und Verkaufsständen für Pferdesportzubehör viel zu sehen während des ersten Turniers, das Gerald und Sabine Kohl, Inhaber des Gestüts Móarbær, auf dem früheren Aussiedlerhof am Rande Kübelbergs mit der Unterstützung von 150 ehrenamtlichen Helfern auf die Beine stellten. 2008 hatte die von Islandpferden begeisterte Familie das Anwesen erworben. „Eigentlich sollte frühestens 2015 ein kleines Hausturnier hier stattfinden“, sagt Gerald Kohl. Doch dann gab der langjährige Bexbacher Veranstalter des traditionellen Pfingstturniers die Veranstaltung zurück. Die Familie, die in der Szene liebevoll „die Morrbäaren“ genannt wird, sprang in die Bresche – mit einem Kraftakt, der selbst Porgeir Gudlangsson, Richter im Weltverband der Islandpferde und einer von neun Turnierrichtern in Kübelberg, Respekt abnötigte: Anlage und Turnier seien toll, lobte der Isländer die Veranstalter. „Die Verbandsmeisterschaften sind für die Anlage Premiere und Reifeprüfung zugleich“, formulierte Josef Weis, Schirmherr und Ortsbürgermeister. Der Zuspruch zum Turnier war auch deshalb groß, weil die 250-Meter-Ovalbahn und die 400 Meter lange Passstrecke, beide mit einem Granulat-Sand-Gemisch als Geläuf, internationalen Standards entsprechen. Es ging nicht nur um regionale Meistertitel, sondern auch um Weltranglistenpunkte. Als Turnierstall sehen sich der Reiterhof und der angegliederte Reitverein ITV Móarbær jedoch nicht. „Hier reiten Kinder und Erwachsene, es gibt Unterricht und Reiterferien, und wir sind hauptsächlich Freizeitreiter“, sagt Gerald Kohl. Tatsächlich ging nur eine Handvoll Lokalmatadoren an den Start: einige Reitschüler sowie Svenja und Sina – zwei Töchter der Hausherren, beide mit Finalambitionen. Die dritte Tochter Jana war vollauf in der Organisation eingespannt. „Am begehrten Pfingsttermin muss es doch was Großes sein“, betonte sie außer Atem, aber strahlend. Am 110 Seiten starken Programmheft war ablesbar, dass „groß“ tatsächlich das treffende Wort war. Über 300 der eher kleinen Pferdchen mit der dichten Mähne – Hengste, Stuten und Wallache – standen im Wettbewerb, die Teilnehmer nahmen bis zu 600 Kilometer Anreise auf sich. 42 Prüfungen waren ausgeschrieben, darunter Reiterwettbewerbe und Gehorsamsprüfungen, meist aber Wettbewerbe, die die besondere Gangveranlagung der nordischen Pferderasse in den Mittelpunkt rücken. Islandpferde bringen nicht nur Anlagen für Galopp, Trab und Schritt mit, sondern auch für die weitere Viertaktgangart Tölt und den lateral gelaufenen Pass. Spezialisten messen sich in nur einer Spezialgangart, die Königsklasse besteht aus Wettkämpfen, in denen vier oder alle fünf Gänge sauber in vorgeschriebenen Zeiten oder auf festgelegten Distanzen gezeigt werden müssen. Ähnlich wie im Dressursport kennt das Reglement dabei verschieden schwere Aufgaben. Nicht nur im Sattel mussten die Teilnehmer eine gute Figur machen. Das Turniergelände liegt im Wasserschutzgebiet, rund 50.000 Menschen beziehen über den Wasserzweckverband Ohmbachtal ihr Trinkwasser. So mussten alle Beteiligten Auflagen erfüllen, ein Merkblatt erhielt jeder Teilnehmer bei der Ankunft. Zur Turnierhalbzeit war Gerald Kohl voll des Lobes: „Das Verhalten aller ist prima. Das ist mir sehr wichtig.“ (kgi)