Kusel
Kein Mehrwert durch die Panzerstraße
„Ein künftiges Gewerbegebiet auf dem Windhof wäre damit sicherlich aufgewertet.“ Kusels Stadtbürgermeister Jochen Hartloff kann sich vorstellen, dass die Privatstraße von der ehemaligen Unteroffizier-Krüger-Kaserne nach Norden umgewidmet wird – sozusagen als Schnellverbindung nach Baumholder. Es sei ja auch kein Geheimnis, dass der eine oder andere Verkehrsteilnehmer ab und zu den Schleichweg benutze, was verboten sei.
Über die Straße „wacht“ ihr Eigentümer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Die Route darf nur mit Sonderausweis der Bundeswehr befahren werden. 2016 war sie während der Sperrung der Ortsdurchfahrt Mayweilerhof bis zur Abzweigung nach Ulmet vorübergehend freigegeben. Nach dem Abzug der Bundeswehr aus Kusel 2014 hatte sich bereits der damalige Landrat Winfried Hirschberger vergeblich für eine Freigabe eingesetzt.
Sanierungsbedürftige Brücken
Für seinen Nachfolger Otto Rubly hat die Bundeswehrstraße derzeit keine Priorität. Im Vordergrund stünden die Bemühungen, ein Gewerbegebiet auf dem Kasernengelände anzusiedeln. „Wenn dazu eine zweite Zufahrt nötig sein sollte, kann ich mir vorstellen, dass wir versuchen, einige hundert Meter der Privatstraße zu übernehmen“, sagt der Landrat.
Darüber hinaus hegt er keine Ambitionen, zumal die Brücken auf der Privatstraße dann in die Verantwortung des Kreises übergehen würden. „Da sind mehrere Bauwerke sanierungsbedürftig. Wir haben schon genug zu tun mit den Brücken der Draisinenstrecke“, sagt Rubly. Der Kreis könne jeden Euro nur einmal ausgeben. Den Mehrwert einer kompletten Freigabe sehe er nicht. Das könne sich allenfalls dann ändern, wenn eines Tages auf dem Windhof umfangreiche Investitionen für Wohnbebauungen ausgelöst würden. Das habe derzeit aber keine Priorität.
Zur besseren Anbindung eines Gewerbegebietes seien im Süden der Kreuzungsbereich der B 420 und die Brücke der Haischbachstraße ausgebaut worden. Das Bauwerk hatte davor für Lastwagen nicht die erforderliche Durchfahrtshöhe.
Bundeswehr winkt auch ab
Oberstleutnant Jan Schmidt, Kommandeur des Truppenübungsplatzes Baumholder und davor unter anderem Kompaniechef in Kusel, erteilt einer Freigabe eine klare Absage: „Wir brauchen die Straße weiterhin, alleine um schnell von der Autobahnabfahrt Kusel nach Baumholder zu kommen.“ Außerdem sehe er nicht zu lösende Grundstücksüberschneidungen. Auf dem Weg nach Baumholder kreuze der Truppenübungsplatz mehrmals die Straße. Er habe keine Vorstellung davon, wie unter diesen Umständen die Straße für den öffentlichen Verkehr freigeben werden könne, allein schon aus Haftungsgründen.
Ob die Bundeswehr nur an der Panzerstraße festhalte, um sich die Zufahrt zum ehemaligen Munitionslager Blaubach offen zu halten, will Schmidt nicht kommentieren: „Fakt ist, dass es für die Bundeswehr derzeit keine Veranlassung gibt, sich aus dem Gebiet zurückzuziehen.“