Waldmohr / Dunzweiler
Kampfjets über dem Südkreis: Lärm, der kaum zu verhindern ist
Binnen weniger Sekunden war alles vorbei. Werner Braun und einige Helfer waren am 11. August gerade auf dem Waldmohrer Marktplatz zugange – „wir haben Vorbereitungen für die Sommergarten-Veranstaltung getroffen“ –, als sich von Westen her ein kleiner Punkt dem Stadtzentrum näherte. Um 9.57 Uhr. In niedriger Höhe. Schnell. Ein Kampfjet. „Plötzlich schoss er wie ein Blitz über unsere Köpfe. Erschreckend niedrig und unglaublich laut. Da wurde einem schon angst und bange“, schildert Braun. Es war eines von vier Bundeswehr-Flugzeugen vom Typ Tornado, die sich zu dieser Uhrzeit über und nahe der Stadt befanden.
Folge: Zahlreiche Bürger meldeten sich bei der Stadtspitze, die wiederum beschwerte sich beim Fluginformationszentrum (Fliz) im Luftfahrtamt der Bundeswehr. Das Fliz überwacht den militärischen Flugbetrieb über Deutschland, nimmt Beschwerden über Fluglärm entgegen und kontrolliert Flugzeiten genauso wie die Einhaltung der vorgegebenen Flughöhen. Und zu überwachen gibt es da einiges. Waldmohr liegt im sogenannten TRA (Temporary Reserved Airspace) Lauter, einem von sechs festgelegten Lufträumen für militärische Trainingsflüge in Deutschland, der sich über die Pfalz und das Saarland erstreckt.
So sind die Regeln
Im vergangenen Jahr wurde dieser Luftraum insgesamt 731 Stunden lang genutzt. Das geht aus der Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs, Thomas Silberhorn (Bundesverteidigungsministerium), auf die Anfrage der Pirmasenser Bundestagsabgeordneten Brigitte Freihold (Die Linke) hervor. Gerade in der Mittagszeit (12 bis 14 Uhr) waren es 2020 vor allem die US-Streitkräfte (129 von 169 Nutzern) und andere Nato-Partner (30), die im TRA Lauter unterwegs waren. In zehn Fällen waren Bundeswehr-Piloten in der Luft. Die Zahlen für Trainingsflüge nach 20 Uhr ergeben ein anderes Bild: Von 28 Nutzern war in 14 Fällen die Bundeswehr aktiv, in zehn die US Air Force und in vieren andere Nato-Partner.
Die jeweiligen Piloten können bei ihren Trainingsflügen allerdings nicht machen, was sie wollen. Innerhalb der TRA Lauter dürfen Militärmaschinen montags bis donnerstags von 8 bis 23.30 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr fliegen. Ausnahme: Von Mai bis September sind ab 21 Uhr keine Militärflüge mehr erlaubt. Kampflugzeuge müssen dabei mindestens 1000 Fuß hoch fliegen, also in rund 300 Metern Höhe. Aber: In zuvor genehmigten Ausnahmen dürfen die Maschinen auch tiefer fliegen, nämlich rund 150 Meter über Grund, teilt das Luftfahrtbundesamt in einer Stellungnahme mit, die der RHEINPFALZ vorliegt.
Laut, aber rechtmäßig
So war es der Behörde zufolge in Waldmohr. Man täusche sich bei der Perspektive häufig, aber „vom Gefühl her ist der Kampfjet zwischen Hochhaus und Kirchturm durchgeflogen“, schildert Braun. Dem Luftfahrtbundesamt zufolge hielten sich die Piloten aber an die Vorschriften: Eines der Flugzeuge flog in rund 155 Metern Höhe über den nördlichen, eines in etwa 225 Metern Höhe über den südlichen Stadtrand. Der Tornado, der direkt über die Stadt flog, war dem Luftfahrtbundesamt zufolge etwa 220 Meter hoch.
„Bei unserer hügeligen Umgebung lag er vielleicht an anderer Stelle unter den erlaubten 150 Metern“, mutmaßt Braun. Beweisen könne man das nicht. Darum gehe es ihm aber auch nicht. Braun hält es für unverständlich und für die Bevölkerung auch unerträglich, dass „die Region hier als Militärübungsplatz genutzt wird“.
Mit dieser Auffassung ist er nicht alleine. Zwei Tage vor dem Überflug in Waldmohr war die Ortsgemeinde Dunzweiler betroffen. Es hätten sich schon häufiger Bürger an ihn gewandt, nun sei der Punkt erreicht gewesen, mal zu reagieren, betont Ortsbürgermeister Volker Korst gegenüber der RHEINPFALZ. „Die großen Transporter sieht man nicht, das dumpfe Dröhnen geht einem schon irgendwann auf den Keks.“
Tornado über Dunzweiler
Am 9. August allerdings waren es keine Transporter über Dunzweiler. Laut Luftfahrtbundesamt habe es sich um den „Routineflugbetrieb mit Luftfahrzeugen vom Typ Tornado der Bundeswehr und Luftfahrzeugen vom Typ F16 der in Deutschland stationierten US-Streitkräfte“ gehandelt, heißt es in der Stellungnahme der Behörde. Und: Die Flüge fanden „unter Einhaltung der flugbetrieblichen Bestimmungen im zeitweilig reservierten Flugraum statt“. Soll heißen: Es war zwar laut, aber alles rechtmäßig. Dass bei den Übungsflügen bewohnte Gebiete passiert werden, sei aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte in Deutschland und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 800 Stundenkilometern nicht zu verhindern, schildert das Luftfahrtbundesamt.
Dennoch sei man sich der Belastung für die Bevölkerung durch den militärischen Flugbetrieb bewusst und suche nach Möglichkeiten, diese zu reduzieren: beispielsweise durch die genannten Zeitfenster, während derer die Flüge erlaubt seien. Ganz ohne Trainingsflüge gehe es nicht. Denn die Soldaten müssten bestmöglich auf Einsätze vorbereitet werden. Dazu gehörten auch Flüge, die nicht im Simulator durchgeführt würden, so die Behörde. Heißt wohl: Auch künftig könnte es über dem Südkreis wieder immer mal wieder laut werden.
Info
Beschwerden über Fluglärm nimmt das Fluginformationszentrum unter der Telefonnummer 0800 8620730 sowie per E-Mail an fliz@bundeswehr.org entgegen.