Kusel Johannes Huber wird der nächste Landrat
Es ist eine eher überschaubare Gruppe, die sich da im Sitzungsraum zwei der Kreisverwaltung zusammengefunden hat. Wo sonst in Gremiensitzungen bisweilen heftig diskutiert wird, ist es an diesem Abend ein wenig wie beim Public Viewing während einer Fußballweltmeisterschaft, nur eben deutlich ruhiger. Die Anwesenden starren gebannt auf eine Leinwand, auf der keine Sportler zu sehen sind, sondern gefühlt im Sekundentakt die Wahlgrafik der Stichwahl aktualisiert wird. Der neue Landrat des Landkreises Kusel wird gewählt – und nur noch zwei Kandidaten sind nach dem ersten Wahlgang am 23. Februar übrig: Johannes Huber von der CDU und Jürgen Conrad von der SPD.
Einige im Raum haben die Website mit dem aktuellen Stand der Auszählung zusätzlich auf ihren Handys offen. Niederstaufenbach, Eschenau, Ehweiler, Unterjeckenbach, Kappeln, Cronenberg: Ein Wahllokal nach dem anderen meldet sein Ergebnis. „Hier herrscht ja Totenstille“, sagt jemand in die Runde. Draußen wird es allmählich dunkel, im Raum geht das Licht an – und nach und nach kommen weitere Besucher durch die Tür. Allerdings ist nur einer der Protagonisten da: Jürgen Conrad sitzt am ovalen Tisch, neben sich ein Wasserglas, sagt wenig bis gar nichts und schaut wie die meisten zur Leinwand.
Die ersten Gratulanten treten vor
Es zeichnet sich schon früh eine klare Tendenz ab – und um 18.40 Uhr, als nur noch zehn Wahllokale fehlen und es kaum mehr Zweifel gibt, ist der führende Kandidat noch immer nicht im Raum. Dann aber ertönen Stimmen auf dem Flur – und eine ganze Gruppe tritt durch die Tür: unter ihnen der amtierende Landrat Otto Rubly – und Johannes Huber mit seiner Frau. Medienmenschen gruppieren sich um den CDU-Kandidaten, fotografieren ihn aus verschiedenen Perspektiven – und als nur noch vier von 117 Wahllokalen fehlen, unter anderem Hubers Heimatgemeinde Brücken, treten die Ersten vor und gratulieren dem 38-jährigen Lehrer, der ab Oktober im Amtszimmer des Landrats in der Kreisverwaltung sitzt und die Geschicke des Landkreises Kusel lenkt.
Irgendwann hängt es nur noch an Föckelberg. Doch dann, um Punkt 19 Uhr, ist auch das Ergebnis vom Potzberg da – und die Menschen in Sitzungsraum zwei applaudieren. Otto Rubly spricht ein paar warme Worte, verweist darauf, dass das Ergebnis ein vorläufiges ist und dass der Wahlausschuss noch entscheiden muss, aber beglückwünscht seinen designierten Nachfolger natürlich trotzdem. Mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: „Ein halbes Jahr müsst ihr aber noch mit mir arbeiten.“
Erst in den Märchenwald, dann in die Schule
Von Johannes Huber fällt die Anspannung ab. Nach der Auszählung sagt er im RHEINPFALZ-Gespräch: „Im Laufe des Abends sind schon viele Glückwünsche gekommen. Ich habe jedes Mal zurückgeschrieben: ,Danke, aber es ist ja noch gar nicht aus.’ Ich bin dann aber doch immer ruhiger geworden. Und jetzt geht’s für mich weiter nach Brücken in Pauls Märchenwald zum Feiern – und morgen dann auch schon wieder in die Schule.“
Zu diesem Zeitpunkt hat Mitbewerber Jürgen Conrad dem Brücker schon herzlich gratuliert. „Das ist eine demokratische Wahl – und die geht eben so oder so aus“, sagt er über den doch recht deutlichen Sieg von Huber: 62,6 Prozent der Stimmen hat dieser bekommen, Conrad 37, 4. „Ich gehe davon aus, dass Johannes und ich im Kreisvorstand gut zusammenarbeiten werden“, blickt der Sozialdemokrat positiv gestimmt im die Zukunft.
Wahlbeteiligung deutlich geschrumpft
Von den 57.307 Wahlberechtigten haben sich 24.539 (42,8 Prozent) an der Stichwahl beteiligt. Vor zwei Wochen im ersten Wahlgang, der gleichzeitig mit der Bundestagswahl stattfand, waren es stolze 45.115 Wählerinnen und Wähler, die für einen der fünf Landratskandidaten gestimmt hatten. Die Wahlbeteiligung lag am 23. Februar bei 81,1 Prozent.
Im Februar standen neben Conrad und Huber noch Thomas Danneck (Votum für den Kreis Kusel), Alejandra Catalina Monzon (AfD) und Helge Schwab (FWG/Freie Wähler) auf den Stimmzetteln. Die Landratswahl im Blog der RHEINPFALZ.
