Medard RHEINPFALZ Plus Artikel IGM kündigt Investitionen und Personalverdoppelung an

Ein Problem, das es zu lösen gilt, ist die Logistik über die Bundesstraße hinweg: Verwaltung und Werk eins liegen hier in Blickr
Ein Problem, das es zu lösen gilt, ist die Logistik über die Bundesstraße hinweg: Verwaltung und Werk eins liegen hier in Blickrichtung Medard links der Straße. Neben den Werken zwei und drei sollen die beiden Hallen für Werk vier entstehen.

Während viele Firmen im Baugewerbe leiden, boomt es im Norden des Kreises Kusel: Fassadenbauer IGM plant große Investitionen, will seine Belegschaft verdoppeln und gibt der bisherigen Mannschaft einen kräftigen Bonus. Wird in Medard für Projekte in ganz Deutschland produziert, steht in der Region nur eines im Fokus: das US-Hospital bei Weilerbach.

„IGM steht vor dem Wandel, noch mal in sehr, sehr große Investitionen einzusteigen“, sagte Michael Groß am Mittwochnachmittag bei einer Betriebsversammlung des Fassendenelemente-Herstellers in Medard. „Wir haben in den vergangenen Monaten Unvorstellbares in der Branche geleistet“, betonte der IGM-Geschäftsführer. Er spricht vom Großauftrag für den Schwarz-Projekt-Campus in Bad Friedrichshall, der viel Aufmerksamkeit auf den Mittelständler gezogen hat. Ende Juli soll das letzte der seit November produzierten Elemente fertiggestellt werden – genau nach Zeitplan, betonte Mit-Geschäftsführer Gunter Mohr. Für diese komplizierten Elemente hätten viele neue Profile entwickelt werden müssen.

Die nächsten Großaufträge stehen an: Die Produktion der Hülle des zweiten Messeturms in Frankfurt soll nach der Sommerpause beginnen. Danach sind die Fassadenelemente für das US-Hospital dran, das bei Weilerbach gebaut wird. Das Projekt vor der Haustür könnte dem Fassadenspezialisten mehr Aufmerksamkeit in der Region bringen – innerhalb der Branche hat er diese schon.

Planung für neues Verwaltungsgebäude beginnt

Dieses Jahr soll der Umsatz erstmals über 60 Millionen Euro steigen. Die aktuellen Projekte lägen in einer Größenordnung von 20 bis 50 Millionen Euro. Für die nächsten Monate sind Investitionen von mehr als zehn Millionen Euro vorgesehen – ohne die geplante Erweiterung um Werk vier. Die habe etwas verschoben werden müssen. Auf nächstes Jahr? Man hoffe es. Zusätzliche Grundstücke zu jenen schon erworbenen hätten gekauft werden müssen, um für den Bau im Überschwemmungsgebiet Retentionsflächen zu schaffen. Dort seien noch Untersuchungen zum Grundwasser erforderlich. Derweil werde weiter daran gearbeitet, die Baugenehmigung zu erlangen.

Beweis dafür, dass Werk vier gebraucht werde, seien auch mehrere Zelte, die auf dem Gelände stehen, um Fassadenelemente zu lagern. 1800 Stücke werden es Ende Juli sein, die dann nach Bedarf zur Baustelle in Bad Friedrichshall geliefert werden. Nur durch Lagerkapazitäten seien Aufträge in dieser Größenordnung zu bewältigen, erklärte Groß. Flächen in Kusel sowie in Lauterecken seien angemietet worden.

Auch ein neues Verwaltungsgebäude soll gebaut werden. „Die Planung beginnt nächste Woche“, kündigte Groß an. Nichts werde es allerdings mit dem ins Auge gefassten Turm zwischen den Werken zwei und drei: Die benötigte Höhe von mehr als 50 Metern werde von der Gemeinde Medard abgelehnt.

Schwierige Logistik über Bundesstraße hinweg

Weil es aber noch dauert, bis die beiden Hallen von Werk vier in Richtung Glan entstehen können, sind weitere Investitionen vorgezogen worden: Neue Maschinen für Werk eins wurden gekauft. In der fünfwöchigen Sommerpause werden die Böden in allen drei Hallen erneuert, außerdem Computer-Hardware ausgetauscht. Folgen sollen dann noch Schallschutzmaßnahmen für Werk eins, damit dort zukünftig auch nachts die Maschinen laufen können. Erweitert werden soll die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach: „Wir kämpfen im dritten Jahr darum“, sagte Groß. In Verbindung mit Werk vier sollen dann zehn Megawatt Strom produziert werden: „Da können wir Medard und Lauterecken ein gutes Stück mit versorgen.“

Um die Versorgungssicherheit mit schnellem Internet zu gewährleisten, ergreift IGM in Sachen Glasfaser selbst die Initiative. „Wir legen von Lauterecken nach Medard unsere eigene Glasfaserleitung“, so Groß. Zu mehr als 90 Prozent sei die Arbeit digitalisiert, Störungen könne man sich nicht leisten, hohe Vertragsstrafen drohten. Im Bereich Logistik soll eine Lösung vor allem für das Überqueren der Bundesstraße her. Eine Idee ist, einen kompletten Zug zweimal am Tag fahren zu lassen, statt mehrmals hin und her zu rangieren.

Insgesamt 5000 Euro extra

Als größte Investition bezeichnete Groß jedoch jene ins Personal: Rund 120 Mitarbeiter sind bei IGM beschäftigt, inklusive Leiharbeitern aus Deutschland und Ungarn. Jede Position solle mindestens verdoppelt werden, kündigte Groß an. Wichtig sei das auch in der „oberen Etage“, eine weitere Zwischenebene solle installiert werden: Mit bisher schlanker Struktur arbeite man hervorragend, das sei aber auf Dauer nicht leistbar. Eine Frankfurter Personalfirma sei mit der Rekrutierung beauftragt worden.

Der Chef hatte noch bessere Nachrichten für die Mitarbeiter: Nach dem freiwilligen Corona-Bonus von 1500 Euro und einer Lohnerhöhung von rund fünf Prozent solle nun erneut eine Erhöhung in dieser Größenordnung erfolgen. Außerdem gibt es eine 3000-Euro-Inflationsausgleichsprämie und einen 2000-Euro-Projektbonus für die IGM-Mitarbeiter. An Leiharbeiter wird ein 1000-Euro-Sonderbonus gezahlt.

Partner geht Risiko stets mit

Weil es eben etwas anderes ist, die in Medard produzierten Einzel-Elemente auch verbaut zu sehen, kündigte Groß an, dass im Herbst bei einem Betriebsausflug sowohl der Projekt-Campus der Schwarz-Gruppe mit seiner außergewöhnlichen gezackten Fassade als auch der Porsche Design Tower in Stuttgart, dessen Gebäudehülle im Kuseler Nordkreis in Einzelteilen vorgebaut wurde, angesteuert werden.

Noch etwas zurückhaltend war Groß mit einer Ankündigung in Sachen Sponsoring: „Wir werden in einem größeren Sportverein tätig sein als Medard und Einöllen.“ Umso ausladender hingegen war der Dank des Mehrheitseigentümers an seinen Kollegen Gunter Mohr für die mehr als 30-jährige verlässliche Zusammenarbeit. Mohr sei immer bereit gewesen, das Risiko mitzutragen – und das sei bei einem Investitionsvolumen von mehreren Millionen Euro schließlich immer groß, sagte Groß.

x