Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Hochwasser: Allein die Diskussion macht betroffen

Der Glan bei Lauterecken im Februar 2020.
Der Glan bei Lauterecken im Februar 2020.

Hochwasser – seit der Katastrophe an der Ahr fast überall ein Thema. Für die Stadt Lauterecken war jedoch schon vorher klar, dass ein Hochwasservorsorgekonzept her muss. Nun fand der erste Bürgerworkshop dazu statt, mit teils beunruhigenden Berichten.

Viele Gefahrenquellen wurden im zweistündigen Gespräch zwischen Experten und Bürgern erkannt. Welche Maßnahmen getroffen werden können, soll in einer Folgeveranstaltung im Oktober vorgestellt werden.

Hochwasser- und Katastrophenschutz sind Themen, die oft nur Verwaltungen beschäftigen. Doch besonders dann, wenn sich die Wassermassen durch den Kanal drücken und Keller überschwemmen, sind auch Politiker und Bürger interessiert. Mitglieder des Stadtrates und Stadtbürgermeisterin Isabell Steinhauer-Theis wollten nicht über Förderanträge und Kosten sprechen, sondern mit den Bürgern diskutieren: Wo und wie muss etwas getan werden, um die Gefahr zu reduzieren und Schäden zu minimieren?

Bilder, die betroffen machen

Durch den Abend führte Doris Hässler-Kiefhaber vom Ingenieurbüro Obermeyer aus Kaiserslautern. Bereits in der Vergangenheit war die Diplom-Ingenieurin im Lauterecker Raum unterwegs, dokumentierte und fotografierte die Ausmaße zurückliegender Überschwemmungen in der Kleinstadt. Mit ihren Bildern von Wassermassen, die in die Schulstraße oder in die Innenstadt vorgedrungen sind, erinnerte Hässler-Kiefhaber an Szenarien, wie sie jederzeit wieder auftreten könnten.

„Hochwasser hat es immer schon gegeben und wird es auch weiterhin geben. Verhindern können wir das nicht. Wir wollen an dieser Stelle keine Panik machen, aber zum Denken anregen“, sagte sie und stieß dabei auf betroffene Gesichter. Denn unter den Zuhörern befanden sich Zeitzeugen und Leidtragende. Die Bilder mochten weit zurückreichen. Doch erinnerten sich die Frauen und Männer noch lebhaft und berichteten über schlammige Straßen, überflutete Keller und nasse Füßen bei den Hochwassern von 1993 oder 2011.

Steile Hänge als Problem

Auf zwei Arten von Überschwemmungen lag ein besonderer Fokus: Hochwasser nach einem kurzen, aber kräftigen Starkregen sowie Hochwasser nach einem lang anhaltenden Landregen. Beim Gespräch zum Starkregen schweifte der Blick kurzzeitig vom Glan- ins Ahrtal. Erst im Juli war die Region von zerstörerischen Wassermassen heimgesucht worden, was Schäden in Milliardenhöhe verursachte und viele Tote und Verletzte zur Folge hatte. Lauterecken könne von einem Wetterereignis wie dem im Ahrtal nicht ganz so schlimm getroffen werden, beruhigte Hässler-Kiefhaber. Doch gebe es auch um die Veldenzstadt herum steile Hänge, die bei einem Starkregen zum Problem werden könnten.

Über Karten des Geoportals Rheinland-Pfalz und Fotografien erarbeiteten die Bürger Gefahrenquellen in der Stadt und in der unmittelbaren Umgebung. Berichte von überteerten Straßenregenrinnen nach Baumaßnahmen sorgte für besonderen Unmut. Auch bei der Expertin löste dies Kopfschütteln aus: Zu oft werde es sich zu einfach gemacht und an der falschen Stelle gespart, kritisierte sie.

Bis zu der im Oktober geplanten Folgeveranstaltungen sollen die Erfahrungsberichte aus Lauterecken ausgewertet und dann die Maßnahmen zur Bekämpfung von Überflutungen an den Problemstellen vorgestellt werden. Terminiert ist diese Veranstaltung für Donnerstag, 7. Oktober 2021, 19 Uhr, im Veldenzschloss.

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