Fußball
Harte Realität am Hartplatz in Hinzweiler
Werner Lang ist einer, der es gewohnt ist anzupacken und der alles für seinen Verein tut. „Wenn ich zu meiner Frau sage, ich mähe den Rasen, dann weiß sie, dass es länger dauert, weil ich erst unseren mähe und dann den am Sportplatz“, sagt Lang, der keinen Hehl daraus macht, dass ihm der Verein schon sehr am Herzen liegt. Aber da ist oder war er nicht der einzige: Der 1920 gegründete SV Hinzweiler hatte in den letzten 65 Jahren nur drei Vorsitzende: Heinz Mahler (1959 bis 1981), Gerd Dippi (bis 1989) und seitdem Werner Lang. Und nicht nur die drei, sondern auch ihre Vorgänger hatten jede Menge zu tun, denn die Geschichte des SVH ist bewegt und geprägt von jeder Menge Bauprojekten.
Der erste Sportplatz lag etwa eineinhalb Kilometer außerhalb des Orts, am Fuß des Königsbergs. In den 50er Jahren wurde ein Platz in Dorfnähe angelegt. Und in den 80er Jahren entstand unter der Ägide von Gerd Dippi die jetzige Sportanlage. Dann war da das Großprojekt Königslandhalle: Der SVH baute die Halle, in der auch Umkleideräume entstanden, in den 70er Jahren, zusammen mit vier anderen Dorfvereinen. Die Halle wurde zur Goldgrube, für den SVH und die anderen Vereine. Eine Großveranstaltung nach der nächsten wurde dort ausgerichtet, über 1000 Leute feierten dort, Konzerte, Tanzveranstaltungen, Kabarett, Theater, die Stars gaben sich die Klinke in die Hand, die Vereine halfen eifrig mit und profitierten davon. Die Photovoltaikanlage, die seit 2005 auf dem Sportheimdach thront, spülte zusätzlich Geld in die Kasse. So war es für den Verein kein Problem, Neubauten wie den des Sportheims in den 90er Jahren oder der Toilettenanlagen 2022 oder das Anlegen von Tennisplätzen zu finanzieren.
Ende einer Ära
Die Königslandhalle gehört inzwischen der Ortsgemeinde, wird für Vereine genutzt, die Feuerwehr und der Kindergarten sind darin untergebracht. Ihre glorreichen Zeiten sind vorbei. „Mit Ende der 90er Jahre gingen die Veranstaltungen zurück, und auch die Zeit der Tanzveranstaltungen ist vorbei“, sagt Lang. Inzwischen trainieren in der Halle die Turner und die Karatekämpfer des Vereins.
Seit Ende der 90er Jahren ist es auch mit dem Sport im Ort „schwieriger geworden“, sagt Lang. Der Nachwuchs fehlt und damit auch die Fußballspieler. Weil es auch den Nachbarn so ging, wurden wie im Jugendbereich auch bei den Erwachsenen Spielgemeinschaften gebildet, 1997 mit der SpVgg Hermannsberg-Welchweiler und 2003 mit dem VfR Hundheim-Offenbach. In der neuen Saison geht es weiter: die SpVgg Glanbrücken kommt dazu.
Lang wird nachdenklich, wenn er davon erzählt, dass die drei Vereine, die jetzt „zusammengehen müssen“ früher drei große Fußballvereine waren. Und er wirkt ein wenig traurig, wenn er den Blick über den gut gepflegten Hartplatz des SV Hinzweiler schweifen lässt, auf dem jetzt nur noch dreimal im Jahr gespielt wird. „Traditionell zur Kerwe und dann noch zweimal, wenn das Wetter zu schlecht ist, um auf dem Rasen zu spielen.“ Trainiert wird ohnehin nicht mehr in Hinzweiler. „Hundheim-Offenbach hat einen Rasen, und auch der Jugendspielbetrieb findet nur noch auf dem Rasen statt.“
Die dritte Halbzeit
Die einzigen, die regelmäßig auf dem Hartplatz trainieren, sind die treuen Spieler der AH. 15 bis 20 Alteingesessene treffen sich jeden Dienstag zum Kicken und natürlich zur dritten Halbzeit. Nach dem Training wird gegessen, so ist es seit 20 Jahren Tradition. Gekocht wird abwechselnd, wer nicht mehr Fußball spielen kann, kommt zum geselligen Beisammensein dazu. Nach dem Essen wird gekartelt (Ramsch und Solo) und der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen. Es wird Statistik geführt, für Training, Kochen, Spülen und anderen Service gibt es Punkte und auch für Anwesenheit je nach Länge. Für die Punktbesten gibt es Preise, zum Beispiel Kochschürzen oder Weinpräsente. „Es wird schon mal zwei Uhr, bis wir heimkommen“, erzählt Lang verschmitzt, der seine AH auch anderweitig bei Laune hält: „Jeden Sonntag gibt es ein AH-Wort zum Sonntag.“ Da geht es dann nicht nur um Organisatorisches fürs nächste Training, sondern auch um Humoriges vom vergangenen. „Das hilft, die Gruppe zusammenzuhalten“, sagt der 70-jährige Vorsitzende, der nur ein paar Meter vom Sportplatz entfernt wohnt.
Zukunftssorgen
Seit 34 Jahren steht er jetzt an der Spitze des Vereins, und er macht sich Sorgen, wie es mit dem SVH, der noch rund 135 Mitglieder hat, weitergeht. Inzwischen ist die Turngruppe mit rund 25 Aktiven die größte Abteilung, ein Dutzend Kinder und Erwachsene gehören zur Karateabteilung, und die Tennisabteilung besteht aus einer Handvoll Spieler, die nie in einer Mannschaft gespielt haben. „Einen Platzwart könnten wir gebrauchen, es kann nicht sein, dass ich zuständig bin für alles, das Rasenmähen, die Getränke“, klagt Lang, dem sonst eher selten was zu viel wird. Er klagt nicht, dass die Hinzweiler Kerwe im Sportheim viel Arbeit macht. „Den Königsberglauf kriegen wir auch gestemmt.“ Dass es keinen Jugendwart gibt, fällt aktuell nicht ins Gewicht. Es gibt nur zwei Jugendspieler aus dem Ort. Das Vereinsheim nutzen immerhin noch zwei Stammtische, Rentnergrüppchen, die regelmäßig ins Sportheim kommen, weil es keine weitere Dorfgaststätte mehr gibt.
Aber von den glorreichen Zeiten, die es früher gab, ist der SV Hinzweiler weit entfernt. Kürzlich wurde der Verein mit der Sportplakette des Bundespräsidenten ausgezeichnet, weil er über 100 Jahre alt ist. Werner Langs Großvater war einer der Gründungsmitglieder. Und er selbst hofft, dass ein paar Jüngere sich demnächst mit engagieren. Bis dahin tut er weiter, was er kann. Beispielsweise den Platz abziehen. „Das mache ich mit dem ehemaligen Auto meiner Frau. Das habe ich dem Verein geschenkt, weil es eine Anhängerkupplung hat.“ Mit einer Metallschiene, die er dranhängt, zieht er nach jedem AH-Training den Platz wieder ab. Und so liegt er weiter schön und einladend da und wartet darauf, bespielt zu werden.