Kreis Kusel „Gewinnen lernt man nicht an der Playstation“

Placeholder-Image

Gestern fiel an der IGS Schönenberg-Kübelberg der offizielle Startschuss für die bundesweiten Tischtennis-Mini-Meisterschaften. Mit dabei waren Bundestrainer Jörg Roßkopf und Spitzenspielerin Tanja Krämer.

Schönenberg-Kübelberg. „Geh’ mal vom Tisch runter, das ist kein Sitzplatz!“, ruft Rainer Korb einem jungen Spieler zu und schaut kurz auf, während er die Ergebnisse der verschiedenen Gruppen einträgt. „Wer hat gewonnen?“, fragt er eines der umherstehenden Kinder. „Und sind die anderen beiden immer noch nicht fertig?“ Dass die Tischtennis-Mini-Meisterschaften kein professionelles Turnier sind, ist schnell klar. 50 Schülerinnen und Schüler stehen an 16 Tischtennisplatten in der Sporthalle an der IGS und messen ihre Kräfte. Die meisten davon spielen nicht im Verein. Einige halten heute sogar zum ersten Mal einen Schläger in der Hand. „Die Mini-Meisterschaften haben nur einen geringen Wettkampfcharakter. Die Kinder können zwischendurch trinken oder zum Handtuch gehen; das ist kein Problem“, sagt der Pfälzer Schulsportbeauftragte Korb. Auch die Punkte zählen die Kinder einfach selbst. Und seien dabei sehr fair, berichtet Korb. „Es hat sich noch niemand bei mir beschwert.“ Eifrig rennen die Kinder nach jedem Spiel zu Korb, damit er ihre Punkte einträgt. „Ich wollte mal ’was Neues probieren“, erklärt der elfjährige Raphael Barleben, warum er beim Turnier mitspielt. So geht es auch der zwölfjährigen Sophie Jäger, die heute zum ersten Mal an der Platte steht. „Ich weiß aber nicht, wie weit ich kommen will“, sagt sie. Die meisten spielen einfach, „weil’s Spaß macht“, wie der zwölfjährige Leon Thiem erzählt. Einige wollen aber auch etwas erreichen: „Ich will unbedingt besser werden“, hat sich die gleichaltrige Pauline Bier vorgenommen, die als eine der Wenigen im Verein spielt. Seit 1983 gibt es die Mini-Meisterschaften, die bewusst keine Profiveranstaltung sein sollen. Wer mitmachen möchte, muss zum einen zwölf Jahre oder jünger sein. Zum anderen darf er oder sie noch nicht am offiziellen Spielbetrieb teilgenommen haben. „Wir wollen die Kinder wieder zum Sport bringen“, erklärt Bundestrainer Jörg Roßkopf, warum der Deutsche Tischtennisbund die Mini-Meisterschaften durchführt. Aus diesem Grund ist auch er heute nach Schönenberg-Kübelberg gekommen. „Kinder lernen nicht an der Playstation zu gewinnen und zu verlieren“, meint der Profi. Die Mini-Meisterschaften sollen daher vor allem eine breite Masse Kinder ansprechen. „Wir wollen die Kinder wieder in die Vereine bringen“, beschreibt er das Ziel. „Wenn es dann Tischtennisvereine sind – umso besser.“ In diesem Jahr fand zum ersten Mal eine offizielle Eröffnung des Turniers statt. Als „Pilotprojekt“ bezeichnet Achim Krämer die Veranstaltung. Als Stellvertreter der Firma Joola, dem Partner der Mini-Meisterschaften, hat Krämer die Auftaktveranstaltung gemeinsam mit Korb an die IGS nach Schönenberg-Kübelberg geholt. Ab 2015 sollen sich Vereine und Schulen um die Austragung der Eröffnung bewerben können. Zum Abschluss zeigen Roßkopf und Tanja Krämer bei einer Partie, wie Tischtennis bei den Profis aussieht. Als Krämer ihren ersten Punkt macht, sind die Schüler ob all der schnellen Bälle so perplex, dass die Bundesligaspielerin ihren Applaus erst einfordern muss. „Natürlich sind die Mini-Meisterschaften auch eine gute Gelegenheit, neue Talente heranzuziehen“, sagt Bundestrainer Roßkopf. So sei Tanja Krämer zum Beispiel erst über die Mini-Meisterschaften zum Tischtennis gekommen. „Man darf sich allerdings nichts vormachen“, gibt Achim Krämer zu. „Es werden nicht so viele Kinder dabei sein, die nach dem Turnier in die Vereine kommen. Und noch weniger werden im Verein bleiben.“ Nach den Entscheidungen auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene steht im Juni 2015 der Bundesentscheid der Mini-Meisterschaften an. Schulen oder Vereine, die Ortsentscheide austragen wollen, können die entsprechenden Unterlagen beim Landesverband oder beim Deutschen Tischtennisbund beantragen. (hot)

x