Kusel
Gastronomie vom Normalzustand noch weit entfernt
„Die Gäste kommen zwar wieder und es gibt auch wirklich gute Abende – besonders, wenn man draußen sitzen kann –, aber es rechnet sich nach wie vor nicht wirklich“, sagt Martin Raddatz, Betreiber des Konker Gasthauses Gerlach.
Ganz ähnlich beantworten diese Frage auch Stephan Cappel, Inhaber des Landhauses Waldziegelhütte in Waldmohr, Katja Walter, die gemeinsam mit Steffen Burckhardt das Hotel-Restaurant Reckweilerhof betreibt, und Steffi Emrich, die mit Ehemann Peter das Restaurant auf Burg Lichtenberg führt. Derzeit könne man, wenn überhaupt, die Kosten „gerade so decken“. Doch nicht allen Gastronomen geht das so: „Wir sind derzeit noch weit davon entfernt, kostendeckend zu sein“, klagt Cappel.
Feste fehlen
Allesamt beklagen vor allem eines: „Die ganzen Feste sind weggefallen. Es gab keine Feiern wegen Kommunionen oder Konfirmationen, Ostern und Pfingsten lief auch nichts, und die ganzen Geburtstage, Hochzeiten und Familienfeiern können wegen der Beschränkungen derzeit auch nicht stattfinden“, zählt Emrich auf. „Das Pfingstgeschäft war so schlecht wie noch nie“, bestätigt Cappel. Und Raddatz rechnet mit rund 50 Prozent Einbußen im Vergleich zu einem normalen Jahr.
Dazu kamen die Beschränkungen ausgerechnet zu der Zeit, in der man in der Gastronomie nach den üblicherweise mauen Wintermonaten wieder anfängt, Geld zu verdienen. „In diesem Jahr sind wir aber aus dem Winterloch direkt ins Corona-Loch gefallen. Das ist nicht leicht zu verkraften“, sagt Emrich.
Kundschaft noch zögerlich
Viele Gäste wüssten auch nicht, ob die jeweiligen Restaurants überhaupt geöffnet sind und was alles bei einem Besuch zu beachten ist. „Die erste Frage, die am Telefon gestellt wird, ist derzeit: Habt ihr überhaupt auf?“, berichtet Cappel und lacht.
Martin Raddatz beobachtet, dass derzeit vor allem jüngere Menschen in den Restaurants anzutreffen sind. „Die älteren sind offenbar noch ein wenig verunsichert und bleiben zunächst mal noch zu Hause.“ Eine Besuchergruppe sei hingegen seit dem ersten Tag der Wiedereröffnung gerne wieder ins Restaurant gegangen. „Wir haben ja hier in der Umgebung viele Amerikaner, und die sind auch direkt gekommen, als es wieder möglich war – und alle haben mir berichtet, dass sie in der jetzigen Zeit froh sind, hier zu sein – und eben nicht in den USA.“
Bis auf wenige Ausnahmen berichten die Gastronomen auch, dass sich ihre Kunden vorbildlich an die Vorschriften hielten und es nur selten zu Beschwerden komme.
Lob für Bund und Land
Auch wenn die Corona-Beschränkungen schwere Zeiten für die Gastronomen bedeuten, die Sinnhaftigkeit bezweifelt keiner der Befragten. „Eine solche Situation hatten wir ja noch nie und ich finde, dass sowohl die Bundes- als auch die Landesregierung gut reagiert haben – auch was die finanziellen Hilfen angeht“, sagt Katja Walter. „Merkel und Dreyer machen alles in allem wirklich einen guten Job. Die Lockerungen kommen zur rechten Zeit und mit Bedacht“, lobt auch Raddatz.
Und Emrich findet: „Wir scheinen auf dem richtigen Weg zu sein – ob wir aber tatsächlich alles richtig gemacht haben, kann man erst hinterher sagen.“ Dieser Meinung kann sich auch Cappel anschließen, hat allerdings auch einen Kritikpunkt ausgemacht: „Ich habe momentan das Gefühl, dass die großen Unternehmen weit mehr unterstützt werden als der Mittelstand. Und das darf eigentlich nicht sein. Wir sind auf Unterstützung angewiesen.“ Er befürchtet gar, dass einige, gerade kleinere Unternehmen, diese Pandemie nicht überleben werden.
Zweischneidiges Schwert
Nur zu gerne würden die Geschäftsleute ihre Lokale lieber heute als morgen wieder uneingeschränkt öffnen. „Das ist aber ein zweischneidiges Schwert“, weiß die Chefin des Reckweilerhofs. „Die Gesundheit ist das höchste Gut und wir versuchen alle, bestmöglich durch diese Zeit zu kommen – und wenn wir jetzt noch ein paar Wochen diszipliniert bleiben und Rücksicht aufeinander nehmen, dann schaffen wir das“, macht Walter sich, den Kollegen und den Gästen Mut.
Wann es soweit ist, dass auch in der Gastronomie wieder halbwegs Normalität einkehrt, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Und deshalb bleiben Sorgenfalten und schlaflose Nächte bei den Gastronomen. Denn: „Die Ungewissheit ist das Schlimmste – sowohl für uns als auch für die Gäste“, sagt Cappel.