Lauterecken
Für Notfälle gerüstet: Pläne und Einsatzzentrale für Verwaltung
„Wir sind komplett ausgestattet mit allem, was man braucht“, sagt Bürgermeister Andreas Müller. Er spricht vom neuen Konferenzraum, der für Ausschusssitzungen, Mitarbeiterschulungen und Teambesprechungen genutzt, aber auch ganz schnell zur Einsatzzentrale für den Krisenstab werden kann. Wenn Müller sagt „wir sind gerüstet“, spricht er nicht nur von der Hardware, den Laptops und Telefonen, Schreibtischen und dem Großbildschirm am Kopf des Raumes, der per Berührung gesteuert werden kann. Sondern er spricht auch von Plänen, die für verschiedene Notfallszenarien ausgearbeitet worden sind.
„Wir haben alles schon durchgespielt mit den entsprechenden Vorgaben an die Fachbereiche: Wer wen zu informieren und was mitzubringen hat, wer mit welcher Behörde Kontakt aufnimmt“, erklärt Müller. Ob Bombenfund, Starkregen oder Großschadenslage – in einem entsprechenden Ordner sei das Vorgehen geregelt. „Wenn der Anfang erst mal strukturiert ist, ist das schon die halbe Miete“, sagt Müller. Dann kehre Ruhe ein, dann könne gemeinsam agiert werden.
Ohne Vorbild
Müller spricht aus Erfahrung. Er hat nicht nur Verwaltungsrecht an der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz auf dem Hahn gelehrt. Er war auch schon bei sogenannten Großlagen dabei: Demonstrationen, Unglücke. So wollte er Notfallpläne plus Krisen-Raum schon Jahre vor der Flutkatastrophe im Ahrtal umsetzen. Ein Vorbild dafür gebe es bei anderen Behörden nicht, er sei auch belächelt worden, berichtet er.
Ausgearbeitet wurden die Szenarien von Büroleiter Christian Sauer – schon bevor er die heutige Stelle bekam, als er noch Wirtschaftsförderer war. Seine Aufgabe ist es auch, die Anweisungen zu aktualisieren, etwa Wechsel bei Ansprechpartnern und deren Telefonnummern einzupflegen, vom Schulhausmeister bis zum Kontakt in der Kreisverwaltung oder bei der Polizei.
Bis zu 30 Personen
Sauer ist natürlich von kleineren Dimensionen als im Ahrtal ausgegangen, doch die Katastrophe verdeutlicht den Sinn von Notfall- und Raumplanung. Sauers Beispiel-Szenarien: ein Verwaltungsstandort fällt komplett aus, die Wasserversorgung fällt großräumig für längere Zeit aus, Schulen müssen geräumt oder Wohngebiete evakuiert werden. Eben die „Bewältigung von akuten Lagen, deren Ausmaß die Leistungsfähigkeit eines einzelnen Fachbereichs übersteigt“.
Deren Leiter sind die ersten, die im Notfall per Diensthandy alarmiert werden. Der Raum, in dem der Krisenstab dann zusammenkommt, ist schalldicht, bietet Tisch-Arbeitsplätze für 25 Menschen. Insgesamt passen etwa 30 Personen in das ehemalige Trauzimmer, dem noch zwei kleinere Büros zugeschlagen wurden. Anschlüsse für technisches Gerät sind im Boden verlegt, damit im Notfall kein Kabelsalat zur Stolperfalle wird.
Immer mit IT
„Ich habe der Polizei gesagt, sie können kommen“, sagt Müller. Wäre der Raum früher fertig gewesen, hätte er auch als Einsatzzentrale für die Koordination der Kuseler Feuerwehr-Einsatzkräfte im Ahrtal dienen können. Der Bürgermeister will gerüstet sein, um als Ordnungsbehörde die Aufgabe der Gefahrenabwehr wahrnehmen zu können – und mit anderen Behörden und Einrichtungen im Notfall zusammenarbeiten zu können.
Obwohl die Möbel stehen, kann es noch nicht ganz los gehen: Der Katastrophenraum ist noch Wahlbüro, in dem Briefwahl gemacht oder die Unterlagen abgeholt werden können. Eine Aufgabe, die außerdem noch zu lösen ist: Was tun, wenn Strom und Telefon ausfallen? Mit diesem Problem beschäftige sich die IT, die Computertechniker – die übrigens in jedem Szenario mit eingeplant sind: ein Techniker müsse in der Krise vor Ort sein, betont Müller.
Wie teuer die Renovierung und Einrichtung des Multifunktionsraumes war? Noch seien nicht alle Kosten zusammengerechnet, sagt Müller. Er geht jedoch davon aus, dass der Raum häufig genutzt werde und rechnet gar mit Einsparungen: Fahrt- und Übernachtungskosten entfallen, wenn Mitarbeiterschulungen dort gehalten werden.