Lauterecken / Wolfstein RHEINPFALZ Plus Artikel Förderprogramm: Mit dem Wald den Naturschutz vorantreiben und dabei Geld verdienen

Das Programm sieht unter anderem vor, dass Wälder mit standortheimischen und hitzebeständigen Arten aufgeforstet werden.
Das Programm sieht unter anderem vor, dass Wälder mit standortheimischen und hitzebeständigen Arten aufgeforstet werden.

„Klimaangepasstes Waldmanagement.“ Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich ein Bundesprogramm, mit dem Gemeinden ihren Wald einerseits nachhaltig aufstellen und andererseits mit ihm Geld verdienen können. Dafür müssen sie einige Kriterien erfüllen. Das dürfte für die Orte im Zuständigkeitsbereich des Kuseler Forstamtes kein allzu großes Problem sein, wie ein Blick in den Nordkreis zeigt.

„Die Gemeinden mit Wald haben seit vielen Jahren beim Forstetat in der Regel draufgelegt. Es wird Zeit, dass wir etwas zurückbekommen für einen greifbaren Naturschutz, den wir seit Jahren leisten und bezahlen“, sagte Ortsbürgermeister Werner Gillmann in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats von Kreimbach-Kaulbach.

Profitieren könnte die Nordkreis-Gemeinde zunächst in finanzieller Sicht vom im November vom Bund aufgelegten Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“. Bis 2026 stehen nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums 700 Millionen Euro bereit. Es gehe also um „sehr viel Geld“, betont Christian Sauer, Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltung Lauterecken-Wolfstein.

Geld und Ökologie

Und: Sauer zufolge „passt“ das Programm auf die Gemeindewälder im Nordkreis. Grund: Das Gros der Wälder im Zuständigkeitsbereich des Kuseler Forstamtes erfülle bereits jetzt einen Großteil der Fördergeld-Kriterien. Da all jene berücksichtigt werden, die schnell ihre Anträge stellen, befassen sich alle Gemeinderäte im Zuständigkeitsbereich des Kuseler Forstamtes mit dem Thema.

Um vom Kuchen etwas abzubekommen, habe die VG-Verwaltung in Lauterecken „für alle unsere Gemeinden mit Wald, der nicht verpachtet ist, die Anträge pro forma schon einmal abgeschickt. Zurückziehen kann man immer noch“, ergänzt Sauer. Die Leiterin des Kuseler Forstamtes, Gabi Kleinhempel, betont, bei dem Förderprogramm gehe es um die Anpassung der Wälder an den Klimawandel, „um den Erhalt der Wälder als wichtiger Kohlenstoffspeicher sowie um den Schutz der Biodiversität und um das Schaffen von Rückzugsräumen für seltene Pflanzen und Tiere“.

Zu erfüllende Kriterien

Das Programm sei auf zehn beziehungsweise 20 Jahre ausgelegt. Während dieser Zeit müssen die teilnehmenden Gemeinden die von den beiden Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie Umwelt und Naturschutz festgelegten elf Kriterien einhalten. „Dazu zählt, dass vorzugsweise standortheimische Baumarten und solche wachsen sollen, die widerstandsfähig gegen Hitze, Trockenheit und Baumschädlinge sind“, sagt Kleinhempel. Weiterhin müsse bei der Holzernte auf größere Kahlschläge verzichtet werden, und die natürliche Verjüngung soll Vorrang haben „vor Neuanpflanzungen durch den Menschen“, ergänzt die Forstamtsleiterin. Weitere Vorgaben gebe es dahingehend, wie viel Totholz im Wald belassen werden soll und bezüglich sogenannter Habitatbäume – etwa alte Bäume mit Spechthöhlen. Auf eine Düngung mit Pflanzenschutzmittel soll verzichtet werden.

Für Gemeindewälder, die größer als 100 Hektar sind, gilt ein weiteres Kriterium: Auf mindestens fünf Prozent der Fläche muss ein Waldrefugium entstehen. Das heißt: Der Wald muss seiner natürlichen Entwicklung überlassen werden. Bei Flächen unter 100 Hektar ist diese Maßnahme freiwillig. „Dabei müssen Waldflächen von mindestens 0,3 Hektar Größe für die nächsten 20 Jahre aus der Nutzung genommen werden, wobei Verkehrssicherungsmaßnahmen weiterhin durchgeführt werden können“, schildert Kleinhempel. Sie verdeutlicht, dass die Wälder in der VG Lauterecken-Wolfstein seit Jahren die ersten elf Kriterien erfüllen, da sie PEFC-zertifiziert seien.

In den meisten Gemeinderäten, in denen das Förderprogramm auf der Tagesordnung stand, wurde es begrüßt. Hombergs Ortsbürgermeister Marc-Steffen Risch zum Beispiel sieht im Programm eine Bestätigung der seit Jahrzehnten betriebenen Waldbewirtschaftung. Da die Gemeinde ohnehin ein Waldrefugium schaffen wolle, komme Homberg das Förderprogramm besonders entgegen.

Die finanzielle Seite

Für das „Klimaangepasste Waldmanagement“ müssen die Teilnehmer ein zusätzliches Zertifikat erwerben, das pro Hektar drei Euro kostet. „An der Waldbewirtschaftung und vor allem an den Hiebsätzen ändert sich so gut wie nichts“, sagt Forstamtsleiterin Kleinhempel. Dafür können die Nordkreis-Gemeinden Sauer zufolge während der Programmlaufzeit von bis zu 20 Jahren mit zusätzlichen Einnahmen in Höhe von rund 2,2 Millionen Euro rechnen. Die Fördersumme hängt von der Größe des Gemeindewaldes ab und beträgt maximal 100 Euro pro Hektar für Forstbetriebe bis zu einer Größe von maximal 500 Hektar. Von 500 bis 1000 Hektar sind es 80 Euro pro Hektar und für Forstbetriebe über 1000 Hektar Fläche gibt’s 55 Euro pro Hektar. Diesen Betrag erhalten die Waldeigentümer jährlich für die Laufzeit von zehn Jahren.

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