Kreis Kusel
Evangelische Kantorei Kusel führt Deutsches Requiem von Brahms auf

Nach über 30 Jahren hat die Evangelische Kantorei Kusel zusammen mit einem Orchester und den Solisten Rahel Luserke und Dominik Herrmann unter Leitung von Bezirkskantor Tobias Markutzik am Karfreitag in der gut besuchten Stadtkirche das Deutsche Requiem von Johannes Brahms aufgeführt.
Zunächst stimmte das Orchester die Besucher mit dem Adagio für Streicher op. 11 des amerikanischen Komponisten Samuel Barber (1910-1981) auf den Karfreitag ein. Ruhig und getragen, in klarem und sich zu fast schmerzlicher Eindringlichkeit steigerndem Klang rief das 1938 komponierte Werk zunächst Gefühle der Trauer wach. Die ausgewogenen, an eine elegische Hymne erinnernden Themen beschworen aber auch Gedanken an Trost und Versöhnung herauf.
Spannung von der ersten bis zur letzten Minute
Die Interpretation des Deutschen Requiems von Johannes Brahms (1833-1897) zeichnete sich durch eine von der ersten bis zur letzten Note durchgehaltene Spannung aus, die den dramatischen Bogen des Werkes und seine Kraft ausdrucksstark zur Geltung brachte. Musiker und Zuhörer standen von Anfang bis Ende unter Strom.
Den Text des Werkes stellte Brahms selbst nach Worten der Heiligen Schrift zusammen – in deutscher Sprache, ein Novum zur Zeit seiner Entstehung, die sich von 1867 bis 1869 hinzog.
Bereits in dem leise-verhaltenen Anfang des ersten Satzes „Selig sind, die da Leid tragen“ trat diese unterschwellige Spannung im unmerklich tremolierenden Spiel der Streicher hervor, während der Chor in klarem, einheitlichem Klangbild und in einem bewusst einfachen, fast liedhaften Thema ruhige, tröstende Worte fand, die allmählich an Kraft und Zuversicht gewannen. Während sich das Klangbild zwischenzeitlich auffächerte, traten die hohen Soprane in klarer Intonation hervor.
An Trauermarsch erinnert
In die abgeklärte Ruhe dieser Seligpreisungen brachen in einem liedhaften Streicherthema klagende Klänge ein, die an einen gedämpften Trauermarsch mit schmerzlich aufbegehrenden Seufzermotiven erinnerten. In einem zunehmenden Steigerungsprozess entwickelte sich eine Trauerhymne in machtvoller Einstimmigkeit, die wieder verebbte und in die tröstliche Hoffnung auf die erlösende Ankunft des Herrn mündete. Doch dann änderte sich der Charakter dieser Hymne, in unheilschwangeren, düsteren Klängen und dunklen Farben bereitete sich ein dramatischer Ausbruch vor, dessen Intensität durch Trommeln hervorgehoben wurde. Markante Einstimmigkeit und ein sehr bewegtes Klangbild prägten den zweiten Teil dieses Satzes, immer wieder schwollen die Rufe zu sieghafter Gewissheit an. Trotz der sich in dieser zupackenden Interpretation nahezu überstürzenden Stimmen zeichneten sich Chor und Orchester durch eine präzise Intonation und sichere Tempi aus. Die Struktur des Werkes trat immer klar umrissen hervor unter dem temperamentvollen und doch feinnervigen Dirigat von Tobias Markutzik.
Moment ruhigen Innehaltens
Ein ausgewogenes Klangbild in lichten Farben, die wie Sonnenstrahlen in dieses spannungsgeladene Panorama einfielen, ließ einen Moment ruhigen Innehaltens entstehen, bevor sich die liedhafte Einfachheit wieder zu einer komplexen Struktur verdichtete.
Trost spendete Rahel Luserkes heller und doch warm timbrierter, klangvoll aufblühender lyrischer Sopran mit den Worten „Ihr habt nun Traurigkeit“. Doch dann hoben Basstremoli die Spannung wieder hervor und unterstrichen so die Endlichkeit der irdischen Existenz, auf die die Kantorei hinwies. Der schnörkellose Sprechgesang von Bariton Dominik Herrmann leitete über zu einem machtvoll-emphatischen Chorblock, der in fallenden düsteren Klangkaskaden die Auferstehung der Toten beschwor. Noch mehr unter die Haut gingen die erregten Rufe „Tod, wo ist dein Stachel“, die sich durch machtvolle Konturen, steten Fluss und mitreißenden Ausdruck auszeichneten.
Absolut mitreißende Interpretation
In der Seligpreisung der Toten befriedete sich die Musik wieder, doch die immer wiederkehrenden Spannungsmomente vor allem in den Streichern machten deutlich, dass die Ruhe der hellen Klänge kein Idyll bezeichnete, auch wenn das Requiem in der bei aller Spannung und Kraft doch ungemein schlanken Orchesterführung von Tobias Markutzik in ein einheitliches Klangbild einmündete in dieser absolut mitreißenden Interpretation eines Meisterwerkes der deutschen Romantik.